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Seele
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Der Ausdruck Seele hat vielfĂ€ltige Bedeutungen, je nach den unterschiedlichen mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Traditionen und Lehren, in welchen er vorkommt. Im heutigen Sprachgebrauch ist hierbei oft die Gesamtheit aller GefĂŒhlsregungen und geistigen VorgĂ€nge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend gleichbedeutend mit „Psyche“, dem griechischen Wort fĂŒr Seele. „Seele“ kann aber auch ein Prinzip bezeichnen, von dem angenommen wird, dass es diesen Regungen und VorgĂ€ngen zugrunde liegt, sie ordnet und auch körperliche VorgĂ€nge herbeifĂŒhrt oder beeinflusst.

DarĂŒber hinaus gibt es religiöse und philosophische Konzepte, in denen sich „Seele“ auf ein immaterielles Prinzip bezieht, das als TrĂ€ger des Lebens eines Individuums und seiner durch die Zeit hindurch bestĂ€ndigen IdentitĂ€t aufgefasst wird. Oft ist damit die Annahme verbunden, die Seele sei hinsichtlich ihrer Existenz vom Körper und damit auch dem physischen Tod unabhĂ€ngig und mithin unsterblich. Der Tod wird dann als Vorgang der Trennung von Seele und Körper gedeutet. In manchen Traditionen wird gelehrt, die Seele existiere bereits vor der Zeugung, sie bewohne und lenke den Körper nur vorĂŒbergehend und benutze ihn als Werkzeug oder sei in ihm wie in einem GefĂ€ngnis eingesperrt. In vielen derartigen Lehren macht die unsterbliche Seele allein die Person aus; der vergĂ€ngliche Körper wird als unwesentlich oder als Belastung und Hindernis fĂŒr die Seele betrachtet. Zahlreiche Mythen und religiöse Dogmen machen Aussagen ĂŒber das Schicksal, das der Seele nach dem Tod des Körpers bevorstehe. In einer Vielzahl von Lehren wird angenommen, dass eine Seelenwanderung (Reinkarnation) stattfinde, das heißt, dass die Seele nacheinander in verschiedenen Körpern eine Heimstatt habe.

In der FrĂŒhen Neuzeit wurde ab dem 17. Jahrhundert das traditionelle, aus der antiken Philosophie stammende Konzept der Seele als Lebensprinzip aller Lebewesen, das die körperlichen Funktionen steuert, zunehmend abgelehnt, da es zur ErklĂ€rung der Affekte und KörpervorgĂ€nge nicht benötigt werde. Einflussreich war das Modell von RenĂ© Descartes, der nur dem Menschen eine Seele zuschrieb und deren Funktion auf das Denken beschrĂ€nkte. An Descartes’ Lehre knĂŒpfte die Debatte ĂŒber das „Leib-Seele-Problem“ an, die weiterhin andauert und heute Gegenstand der Philosophie des Geistes ist. Dabei geht es um die Frage nach dem VerhĂ€ltnis von geistigen und körperlichen ZustĂ€nden.

In der modernen Philosophie wird ein breites Spektrum von stark divergierenden AnsĂ€tzen diskutiert. Es reicht von Positionen, die von der Existenz einer eigenstĂ€ndigen, körperunabhĂ€ngigen seelischen Substanz ausgehen, bis zum eliminativen Materialismus, dem zufolge alle Aussagen ĂŒber Mentales unangemessen sind, da ihnen nichts in der RealitĂ€t entspreche; vielmehr seien alle scheinbar „mentalen“ ZustĂ€nde und VorgĂ€nge restlos auf Biologisches reduzierbar.

Contents

‱ Indien
‱ China
‱ Japan
‱ Mesopotamien
‱ Judentum
‱ Christentum
‱ Gnosis
‱ Islam
‱ Hegel
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie und Bedeutungsgeschichte im Deutschen

Das deutsche Wort „Seele“ stammt ĂŒber mittelhochdeutsch sĂ«le und althochdeutsch sĂ«(u)la, gotisch saiwala von einer urgermanischen Form *saiwalƍ oder *saiwlƍ ab. Diese ist einer Hypothese zufolge als „die vom See stammende“ von dem ebenfalls urgermanischen *saiwaz (See) abgeleitet. Der Zusammenhang sollte darin bestehen, dass nach einem altgermanischen Glauben die Seelen der Menschen vor der Geburt und nach dem Tod in bestimmten Seen leben. Unklar ist allerdings, wie verbreitet dieser Glaube war. Daher wird der Zusammenhang in der Forschung nicht allgemein akzeptiert, zumal eine Verbindung zwischen dem Totenreich und *saiwaz (bzw. davon abgeleiteten Formen) in germanischen Quellen nicht bezeugt ist.cite-ref-1[1] Es wird ein Zusammenhang mit samisch saivo angenommen, einem urnordischen Lehnwort, das ein Totenreich bezeichnet.cite-ref-2[2]

Schon im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen waren formelhafte Wendungen wie „mit (oder an) Leib und Seele“ hĂ€ufig, die sich im Sinne von „völlig, ganz und gar“ nachdrĂŒcklich auf den gesamten Menschen beziehen. Der seit dem SpĂ€tmittelalter beliebte Ausdruck „schöne Seele“ hat antike (nobilitas cordis), altfranzösische (gentil cuer) und spirituelle (edeliu sĂȘle) Wurzeln und tritt in der Variante der edelen herzen bei Gottfried von Straßburg († um 1215) programmatisch auf.cite-ref-3[3] Im 14. Jahrhundert wird „schöne Seele“ in der spirituellen Literatur ĂŒblich. In religiösem Sinne wird der Begriff noch im Pietismus verwendet, so etwa von Susanna Katharina von Klettenberg, einer Freundin von Goethes Mutter. Seit dem 17./18. Jahrhundert bezeichnet „Seele“ hĂ€ufig den ganzen Menschen („er ist eine gute Seele“; „keine Seele“ fĂŒr „niemand“).

Die Strömung der Empfindsamkeit im Zeitalter der AufklĂ€rung gebrauchte „schöne Seele“ auch in einem weiteren, nicht mehr nur religiösen Sinne zur Kennzeichnung eines empfindsamen und tugendhaften GemĂŒts oder Menschen. Friedrich Schiller bezeichnet mit der „schönen Seele“ den Einklang von Sinnlichkeit und Sittlichkeit. In diesem Sinne deutet Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen theologischen Jugendschriften Jesus. Sarkastisch formuliert dagegen Friedrich Nietzsche: „zu fordern, dass Alles ‚guter Mensch‘, Heerdenthier, blauĂ€ugig, wohlwollend, ‚schöne Seele‘ – oder, wie Herr Herbert Spencer es wĂŒnscht, altruistisch werden solle, hiesse dem Dasein seinen grossen Charakter nehmen, hiesse die Menschheit castriren und auf eine armselige Chineserei herunterbringen. – Und dies hat man versucht! 
 Dies eben hiess man Moral.“cite-ref-4[4] Nach der Meinung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gewĂ€hrte die bĂŒrgerliche Gesellschaft der Frau „Aufnahme in die Welt der Herrschaft, aber als gebrochene“, und lobte sie dann als schöne Seele; hinter dieser Fassade habe sich jedoch die Verzweiflung der Frau ĂŒber ihre Unterjochung verborgen.cite-ref-5[5]

Im 20. Jahrhundert hat sich durch den Sprachgebrauch der Psychologie das Fremdwort „Psyche“ eingebĂŒrgert. Es steht fĂŒr eine nĂŒchternere, eher wissenschaftlich orientierte Betrachtung des menschlichen Innenlebens ohne den gefĂŒhlsbetonten Beiklang von „Seele“. Der Unterschied zwischen Psyche und Seele wird beispielsweise bei Goethe deutlich, der seine Figur der Iphigenie auf Tauris ausrufen lĂ€sst: „Und an dem Ufer steh ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend“. Hier wĂ€re auch nach dem SprachgefĂŒhl heutiger Leser „das Land der Griechen mit der Psyche suchend“ unpassend.cite-ref-6[6]

Traditionelle Vorstellungen und Lehren

Ethnische Religionen

In vielen indigenen Kulturen, deren religiöse Traditionen die allgemeine und vergleichende Religionswissenschaft untersucht, besteht eine FĂŒlle von Vorstellungen und Begriffen, die sich ungefĂ€hr auf das beziehen, was EuropĂ€er traditionell unter Seele (im metaphysisch-religiösen Sinn) verstehen, oder zumindest auf etwas in bestimmter Hinsicht damit Vergleichbares. Aus religionswissenschaftlicher Sicht umfasst „Seele“ alles das, was sich „dem religiösen Menschen (an ihm selber und an anderen) als MĂ€chtigkeit physischen und hyperphysischen (paraphysischen, parapsychischen, psychisch-geistigen und postmortalen) Lebens offenbart“.cite-ref-7[7] In den indigenen Traditionen wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass der Vielfalt mentaler und körperlicher Funktionen eine Vielfalt von Verursachern entspricht. Daraus ergibt sich die Annahme einer Vielzahl eigenstĂ€ndiger seelischer MĂ€chte und KrĂ€fte oder sogar eigenstĂ€ndiger „Seelen“, die sich in einem Individuum betĂ€tigen und dessen mannigfaltige LebensĂ€ußerungen bewirken. FĂŒr jede dieser Instanzen gibt es einen eigenen Begriff, doch die Zuordnung der einzelnen Funktionen zu den seelischen MĂ€chten ist oft unscharf. Zum Teil ist unklar, inwieweit bei den Vorstellungen von diesen MĂ€chten individuelle oder eher ĂŒberpersönliche Aspekte im Vordergrund stehen. HĂ€ufig fehlt ĂŒberhaupt das BedĂŒrfnis nach einer Unterscheidung zwischen subjektiver und objektiver RealitĂ€t. Ebenso wird auch kein prinzipieller Unterschied zwischen Materiellem und Geistigem gemacht; nichts ist ausschließlich materiell und nichts rein geistig. Die Seele ist gewöhnlich mehr oder weniger stofflich oder feinstofflich gedacht und kommt nur in Zusammenhang mit ihren physischen TrĂ€gern oder ihren wahrnehmbaren Manifestationen ins Blickfeld.cite-ref-8[8]

Trotz der UnschĂ€rfe kann eine Klassifikation vorgenommen werden; Kriterien dafĂŒr sind zum einen die Funktion der Seele und ihr rĂ€umliches VerhĂ€ltnis zu ihrem TrĂ€ger, zum anderen ihre Gestalt.cite-ref-9[9]

Die Betrachtung der Seele unter dem Gesichtspunkt von Funktion und VerhÀltnis zum TrÀger ergibt folgende Einteilung:

‱ Die Vitalseele (Körperseele) reguliert die Körperfunktionen. Sie kann als Teil des Organismus untrennbar an ein bestimmtes Organ oder einen Körperteil gebunden sein. Als Sitz oder körperlicher TrĂ€ger einer solchen Seele erscheinen in den verschiedenen Kulturen unter anderem der Kopf, die Kehle, das Herz, die Knochen, die Haare und das Blut. Die Existenz dieser Seele endet mit der des Körpers.
‱ Die Ichseele reguliert das geistige Leben im Normalzustand (Wachzustand) und ermöglicht das Selbstbewusstsein. Sie ist ebenfalls an den Körper oder ein bestimmtes Organ gebunden und sterblich.
‱ Die Freiseele (Exkursionsseele) kann den Körper verlassen, was im Schlaf oder in Ekstase geschieht. Beim Tod gibt sie den Körper auf und wird zur Totenseele; durch ihre Unsterblichkeit ermöglicht sie die individuelle Fortexistenz der Person. Sie kann sich in ein Jenseits (Totenreich) begeben oder auch im Diesseits verbleiben bzw. dorthin zurĂŒckkehren oder manchen Traditionen zufolge als Reinkarnationsseele verschiedene Körper nacheinander bewohnen.
‱ Die Außenseele hĂ€lt sich außerhalb des Körpers auf und verbindet den Menschen mit seiner natĂŒrlichen Umwelt oder auch mit einem geistigen oder jenseitigen Bereich. Wenn sie als zerstörbar gilt, bedeutet ihre Vernichtung fĂŒr den Menschen den Tod.

Die Betrachtung unter dem Gesichtspunkt der Gestalt fĂŒhrt zur Unterscheidung folgender Erscheinungsformen des Seelischen:

‱ Die Seele erscheint in menschlicher Gestalt. Diese muss nicht in jedem Fall der körperlichen Gestalt des betreffenden Individuums entsprechen; so erscheint die Exkursionsseele eines Mannes oft als Frau.
‱ Die Seele nimmt eine Tiergestalt an, besonders hĂ€ufig die eines Vogels („Seelenvogel“).
‱ Die Seele zeigt sich in elementarer oder feinstofflicher Gestalt. Eine solche Elementarseele stellt man sich als Luft, Wind, Hauch, Feuer, Licht, Wasser oder Rauch vor.
‱ Die Seele macht sich als optisches oder akustisches PhĂ€nomen bemerkbar, etwa als Schatten, Spiegelbild oder Schall (speziell als Name).

Dabei ist zu beachten, dass je nach religiöser Tradition einem der Seelenbegriffe eine oder auch mehrere der genannten Funktionen zugeordnet sein können.cite-ref-10[10]

Auf Seelenvorstellungen in der Jungsteinzeit lassen GrĂ€berfelder mit frĂŒhneolithischen Brandbestattungen schließen, die auf eine Absicht deuten, der offenbar als feinstofflich aufgefassten Seele den Weg ins Jenseits zu erleichtern. BesitztĂŒmer des Verstorbenen und Fleischnahrung als Wegzehrung wurden mit auf den Scheiterhaufen gelegt.cite-ref-11[11]

Indien

Die religiösen und philosophischen Konzepte indischen Ursprungs fußen teils auf der vedischen Religion, aus der sich die verschiedenen Strömungen des Hinduismus entwickelt haben. Einige Lehren stehen jedoch in scharfem Gegensatz zur AutoritĂ€t des vedischen Schrifttums: Buddhismus, Sikhismus und Jainismus. Ein gemeinsames Merkmal aller indischen Traditionen ist, dass sie keinen Unterschied zwischen menschlichen Seelen und den Seelen anderer Lebensformen (Tiere, Pflanzen, auch Mikroben) machen.

Die alten indischen Lehren mit Ausnahme der materialistischen (nāstika) und des Buddhismus gehen davon aus, dass der menschliche Körper von einer Vitalseele (jÄ«va, wörtlich „Leben“, „Lebewesen“) beseelt wird, die zugleich TrĂ€ger des individuellen Selbstbewusstseins (Ich-Seele) ist. Jede jÄ«va kann aber auch ebenso jeden beliebigen anderen Lebewesen-Körper bewohnen. Im Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara, Seelenwanderung) verbindet sie sich nacheinander mit zahlreichen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Körpern. Die Seele bzw. das Selbst hat demnach immer PrioritĂ€t vor dem Körper und ĂŒberdauert seinen Tod. Im Buddhismus gilt dies statt fĂŒr die Seele fĂŒr die Gesamtheit der ein Individuum prĂ€genden mentalen Faktoren. Beim Tod trennt sich die Seele vom Körper. Die Ich-Seele ist daher zugleich Freiseele; als solche wird sie auch ātman oder purusha genannt.

Die traditionellen Systeme, die die Existenz einer Seele, eines Selbst oder den Körper ĂŒberdauernder geistiger Bestandteile des Lebewesens annehmen, betrachten die Verbindung der Seele mit materiellen Körpern bzw. die Bildung eines Geist-Körper-Komplexes als einen Fehler und ein UnglĂŒck, dessen endgĂŒltige Beseitigung und kĂŒnftige Vermeidung angestrebt wird. Der Weg dazu ist die Behebung der Unwissenheit. Dies wird als Befreiung (moksha) aus dem Kreislauf bezeichnet und ist das Endziel der philosophischen oder religiösen Bestrebungen.cite-ref-12[12]

Ein wesentlicher Unterschied zu den im Westen dominierenden Seelenauffassungen platonischen oder christlichen Ursprungs besteht darin, dass in einem großen Teil der indischen religiös-philosophischen Lehren die individuelle Seele nicht als ewig betrachtet wird. Oft wird angenommen, dass sie sich eines Tages in einer ĂŒbergeordneten, unpersönlichen metaphysischen RealitĂ€t (Brahman) auflösen wird, mit der sie wesensgleich ist. Dieser Auffassung zufolge hat sie sich einst vom umfassenden Dasein des Brahman getrennt oder in die Illusion begeben, es gebe eine solche Trennung; wenn sie diesen Vorgang rĂŒckgĂ€ngig macht, endet ihre individuelle Existenz bzw. die SelbsttĂ€uschung, es gebe tatsĂ€chlich eine solche Existenz.cite-ref-13[13] Zwecks Abgrenzung vom gĂ€ngigen westlichen Seelenbegriff wird bei der Übersetzung und Kommentierung von Texten aus solchen Traditionen oft bewusst auf die Verwendung des Ausdrucks „Seele“ verzichtet.

Hinduistische Richtungen

Im Hinduismus existieren zwei Hauptrichtungen, deren Seelenlehren trotz Harmonisierungsversuchen im Grunde unvereinbar sind: Vedanta und Samkhya. Ihrerseits teilt sich die Philosophie des Vedanta in Advaita („Nicht-Zweiheit“, Monismus), Dvaita („Zweiheit“, Dualismus) und Vishishtadvaita auf, eine gemĂ€ĂŸigt monistische Lehre, die eine reale Vielheit innerhalb der Einheit annimmt.

Die AnhĂ€nger des Advaita sind radikale Monisten, die nur eine einzige, einheitliche metaphysische RealitĂ€t akzeptieren. Sie halten alle PluralitĂ€t oder DualitĂ€t fĂŒr eine Scheinwirklichkeit, die sich auflöse, wenn sie durchschaut werde. Demnach existieren die individuellen Seelen ebenso wie die von ihnen beseelten Körper ontologisch nicht als eigenstĂ€ndige EntitĂ€ten, sondern sind illusionĂ€re Bestandteile einer eigentlich wert- und bedeutungslosen Scheinwelt der vergĂ€nglichen Einzeldinge.

Gegenpositionen zum indischen radikalen Monismus sind der Dualismus der Samkhya-Philosophie und des Klassischen Yoga von Patañjali, dem zufolge die Urmaterie und das Urseelische zwei ewige Urprinzipien sind, der gemĂ€ĂŸigte Monismus (Vishishtadvaita nach Ramanuja), den viele Praktizierende des Bhakti-Yoga vertreten, und die Auffassung des im 13. Jahrhundert lehrenden Brahmanen Madhva, der Gott, die Einzelseelen und die Materie als drei ewige EntitĂ€ten betrachtete. In diesen Systemen, die den radikalen Monismus verwerfen, wird eine reale individuelle Unsterblichkeit der Seele (des Selbst) bejaht; Ziel ist das endgĂŒltige Ausscheiden aus dem Kreislauf der Seelenwanderung und der Eintritt in eine jenseitige Welt, in der die Seele dauerhaft verbleibt.cite-ref-14[14]

Buddhismus

Der Buddhismus vertritt vorwiegend die Anatta-Lehre. Anatta, ein Wort der Sprache Pali, bedeutet „Nicht-Atman“, das heißt „Nicht-Selbst“ oder „Nicht-Seele“. Buddhisten bestreiten die Existenz einer Seele oder eines Selbst im Sinne einer den Tod ĂŒberdauernden einheitlichen und bestĂ€ndigen RealitĂ€t. Aus buddhistischer Sicht ist das, was den Tod ĂŒberdauert und den Kreislauf der Wiedergeburt in Gang hĂ€lt, nichts als ein vergĂ€ngliches BĂŒndel von mentalen Faktoren, hinter dem kein Personenkern als eigenstĂ€ndige Substanz steckt. Dieser Komplex löst sich frĂŒher oder spĂ€ter in seine Bestandteile auf, indem er sich fortlaufend schrittweise umwandelt, wobei Teile ausscheiden und andere hinzukommen. Der metaphysische Begriff ātman (Seele) ist demnach leer, da ihm kein konstanter Inhalt entspricht.cite-ref-15[15]

Sikhismus

Im Sikhismus werden die Welt und die Lebewesen (Seelen) in ihr als real betrachtet, aber nicht als ewig. Sie seien durch Emanation aus Gott hervorgegangen und wĂŒrden in ihn zurĂŒckkehren.cite-ref-16[16]

Jainismus

Im Jainismus wird die individuelle Seele (jÄ«va) als unvergĂ€nglich angesehen. Sie kann sich durch Askese reinigen, von ihrer VerknĂŒpfung mit den materiellen Existenzformen befreien und in eine jenseitige Welt ĂŒberwechseln, in der sie dauerhaft und ohne jeden Kontakt mit der materiellen Welt und deren Bewohnern verbleibt. Ihre Erlösung muss sie aus eigener Kraft vollbringen, da die Jainas als Atheisten keinen göttlichen Beistand fĂŒr möglich halten.cite-ref-17[17]

Ajivikas

Die Ajivikas sind als Weltanschauungsgemeinschaft verschwunden; nachweisbar sind sie bis ins 14. Jahrhundert. Es handelte sich um eine streng deterministische Strömung. Sie nahmen eine unsterbliche, aber materielle, aus einer besonderen Art von Atomen bestehende Seele ohne freien Willen an, deren Schicksal sich unabÀnderlich nach vorgegebener Notwendigkeit vollzieht.cite-ref-18[18]

Altindischer Materialismus

Der altindische atheistische Materialismus ist als philosophische Schule untergegangen. Zu seinen Vertretern, die Nastikas (Verneiner, Negativisten) genannt wurden, zĂ€hlten insbesondere die AnhĂ€nger der von Charvaka stammenden Lokayata-Lehre, die schon im ersten Jahrtausend v. Chr. verbreitet war. Sie akzeptierten nur vier sinnlich wahrnehmbare Elemente als real und betrachteten alle mentalen Erscheinungen als Resultate bestimmter zeitweiliger Kombinationen der Elemente, die mit dem physischen Tod enden. Auf der Basis dieser Überzeugung bestritten sie die Existenz der Götter, einer moralischen Weltordnung und einer vom Leib verschiedenen Seele.cite-ref-19[19]

China

Wie zahlreiche frĂŒhgeschichtliche und indigene Völker hatten auch die Chinesen in frĂŒhgeschichtlicher Zeit verschiedene AusdrĂŒcke fĂŒr die Seelen in einem Individuum. Man nahm eine Körperseele (p'o oder p'ĂȘh) und eine Hauchseele (hun) als zwei separate EntitĂ€ten im Menschen an. Die Körperseele ist fĂŒr körperliche Funktionen (insbesondere die Bewegung des Körpers) zustĂ€ndig, die Hauchseele fĂŒr Bewusstsein und Verstand. Die Hauchseele ist eine Freiseele und Exkursionsseele, die den Körper schon zu Lebzeiten verlassen kann und sich bei seinem Tod endgĂŒltig von ihm trennt. Auch die Körperseele besteht nach dem Tode fort, doch bleibt sie mit dem Körper verbunden und begleitet ihn normalerweise ins Grab, wo die Grabbeigaben fĂŒr ihr Wohlergehen sorgen sollen.cite-ref-20[20] Daneben bestand die seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. bezeugte Vorstellung, dass die P'o-Seele eines Verstorbenen in die Unterwelt gelangen kann, zu den Gelben Quellen (HuĂĄngquĂĄn), wo es ihr ĂŒbel ergeht.cite-ref-21[21] Im traditionellen chinesischen System der universellen Klassifizierung ist die P'o-Seele dem dunklen, weiblichen Yin-Prinzip und der Erde zugeordnet. Sie entsteht zugleich mit dem Embryo. Die Hun-Seele ist dem mĂ€nnlichen, hellen Yang-Prinzip und dem Himmel zugeordnet. Sie entsteht, wenn der Mensch bei seiner Geburt ins Licht kommt. Mit der Nahrung nimmt der Mensch feinstoffliche Materie (ching) auf, die von beiden Seelen zur KrĂ€ftigung benötigt wird.cite-ref-22[22] Somit sind beide Seelen nicht als immateriell gedacht. Die Hun-Seele kann sich nach einem natĂŒrlichen Tod des Körpers in den Himmel oder in einen anderen Jenseitsbereich begeben.cite-ref-23[23] Bei einem gewaltsamen Tod ist jedoch damit zu rechnen, dass beide Seelen im sozialen Umfeld des Verstorbenen verbleiben und dort als Gier- und Rachegeister ihr Unwesen treiben.cite-ref-24[24] Eine dem Menschen innewohnende und seinen Körper ĂŒberlebende, aber entstandene (nicht individuell prĂ€existente) geistige EntitĂ€t wurde auch als shen bezeichnet.cite-ref-25[25]

Der schon sehr frĂŒh, zur Zeit des Shang-Staates im 2. Jahrtausend v. Chr., stark entwickelte Ahnenkult – eine Konstante in der chinesischen Kulturgeschichte – und die reichen frĂŒhgeschichtlichen Grabausstattungen sind nicht nur als Ausdruck der PietĂ€t gegenĂŒber den Vorfahren zu deuten, sondern zeigen die Macht der Vorstellung, dass die Seelen der Toten die gleichen BedĂŒrfnisse haben wie Lebende und dass sie fördernd oder störend ins Leben der Hinterbliebenen eingreifen.cite-ref-26[26]

Mo Ti, der im 5. Jahrhundert v. Chr. den nach ihm benannten Mohismus begrĂŒndete, lehrte die Fortexistenz nach dem Tode.cite-ref-27[27] Die AnhĂ€nger des seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. in China als Staatsdoktrin etablierten Konfuzianismus hingegen betrachteten Spekulationen darĂŒber als unnĂŒtz und ĂŒberließen das Thema der traditionellen chinesischen Volksreligion.

Eine philosophische Auseinandersetzung um die Seele und um die Frage, ob eine seelische oder mentale EntitĂ€t den Körper ĂŒberlebt oder gar ewig weiterbesteht, setzte anscheinend erst spĂ€t ein, und zwar als sich zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) der Buddhismus auszubreiten begann. An der Debatte beteiligten sich Skeptiker und Materialisten, die sich gegen die Vorstellung einer eigenstĂ€ndig existierenden Seele wandten und alle mentalen Funktionen auf körperliche zurĂŒckfĂŒhrten. In diesem Sinne argumentierten die Philosophen Wang Chong (1. Jahrhundert n. Chr.) und Fan Zhen (5./6. Jahrhundert n. Chr.). Fan Zhen schrieb eine Abhandlung ĂŒber die Auslöschung der Seele (Shenmie lun), die am Hof des Kaisers Wu von Liang Aufsehen erregte.cite-ref-28[28] Die Polemik der Skeptiker richtete sich gegen den Buddhismus, da die Buddhisten als AnhĂ€nger der Unsterblichkeitsidee betrachtet wurden. Der Buddhismus lehnt zwar eigentlich das Konzept einer unsterblichen Seele entschieden ab, doch in China wurde er oft durch volkstĂŒmliche Vorstellungen abgewandelt, die auf eine durch den Kreislauf der Wiedergeburten schreitende bestĂ€ndige Seele hinausliefen.cite-ref-29[29]

Japan

In Japan hĂ€ngen die traditionellen Seelenvorstellungen eng mit dem seit vorgeschichtlicher Zeit verbreiteten Ahnenkult zusammen, der ein wichtiger Teil der indigenen Volksreligion, einer FrĂŒhform des Shintoismus, war. Außerdem sind sie von den japanischen AusprĂ€gungen des im 6. Jahrhundert eingefĂŒhrten Mahayana-Buddhismus beeinflusst. Unterschiedliche Varianten des alten shintoistischen Volksglaubens besagten, dass die Seelen Verstorbener entweder in der Unterwelt (yomo-tsu-kuni oder soko-tsu-kuni) oder in einem himmlischen Reich (takama-no-hara) leben, oder auch in einem als „bestĂ€ndiges Land“ (toko-yo) bezeichneten Totenreich jenseits des Ozeans. Man ging aber auch davon aus, dass sie dort nicht unerreichbar sind, sondern die diesseitige Welt aufsuchen und unter den Menschen weilen.cite-ref-30[30] Ab dem 9. Jahrhundert, nachdem der japanische Buddhismus betrĂ€chtlichen Einfluss auf die religiösen Sitten gewonnen hatte, wurden zur Beschwichtigung des Zorns der Seelen von gewaltsam ums Leben Gekommenen Feiern abgehalten, die im Volk beliebt waren. Man baute Seelenschreine, in denen prominenter Verstorbener gedacht wurde, denen zu ihren Lebzeiten Unrecht geschehen war und deren Seelen besĂ€nftigt werden sollten.cite-ref-31[31]

Einer anderen, bis in die Moderne verbreiteten Ansicht zufolge wohnen die Totenseelen auf bestimmten hohen Bergen. Zu der berĂŒhmten SeelenkultstĂ€tte auf dem Berg Iya zogen noch im 20. Jahrhundert jĂ€hrlich Hunderttausende von Pilgern.cite-ref-32[32] Ein Höhepunkt des Seelenkultes ist das seit dem 7. Jahrhundert alljĂ€hrlich im Sommer gefeierte buddhistische Obon-Fest, zu dem sich die Familien versammeln; damit soll nicht den Lebenden der Segen der Totenseelen verschafft werden, sondern die rituellen Handlungen sollen dem Wohlergehen der Totenseelen dienen, die bei diesem Anlass jeweils zu ihren lebenden Angehörigen zurĂŒckkehren.cite-ref-33[33]

Die Bezeichnung fĂŒr die Seele ist tama oder mitama (Grundbedeutung: kostbar, wunderbar, geheimnisvoll).cite-ref-34[34] Das tama wurde als uneinheitlich betrachtet; ein milder und glĂŒcklicher Seelenteil kĂŒmmert sich um das Wohlergehen der Person, ein anderer Teil ist wild und leidenschaftlich, setzt den Menschen Risiken aus und kann auch Übeltaten vollbringen. Verbreitet war und ist die Überzeugung, dass die Seelen Lebender als Exkursionsseelen den Körper verlassen.cite-ref-35[35]

Altes Ägypten

Im Alten Ägypten waren drei Begriffe zur Bezeichnung dreier Aspekte des Seelischen gebrĂ€uchlich: Ka, Ba und Ach. Kennzeichnend fĂŒr die altĂ€gyptische Denkweise ist eine sehr enge Bindung des Seelischen an das Körperliche und daher noch ĂŒber den Tod hinaus an den Leichnam und dessen Grab. Der bestattete Leichnam galt als weiterhin beseelbar und somit im Prinzip handlungsfĂ€hig. Daher war die Konservierung des Körpers durch Mumifizierung fĂŒr den Ă€gyptischen Totenglauben von zentraler Bedeutung. Daneben gab es aber auch mancherlei Vorstellungen ĂŒber eine Existenz im Jenseits; anscheinend wurde kaum versucht, die unterschiedlichen Konzepte zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden.cite-ref-36[36]

Der in der Epoche des Alten Reichs dominierende Begriff Ka bezeichnete die Quelle der Lebenskraft. Nach dem Ă€gyptischen SeelenverstĂ€ndnis machte das Vorhandensein des Ka den Unterschied zwischen einem Lebenden und einer Leiche aus. Ferner konnte der Ka als DoppelgĂ€nger oder Schutzgeist des betreffenden Menschen fungieren. Er war „bestĂ€ndig“ und Garant der KontinuitĂ€t, denn er wurde vom Vater auf den Sohn ĂŒbertragen und stand damit fĂŒr die ununterbrochene Fortdauer der Lebenskraft in der Ahnenfolge. Daher trat er bei der Geburt stark hervor. Beim Tod verließ er den Leichnam, blieb aber in dessen NĂ€he. Seine WohnstĂ€tte war eine eigens fĂŒr ihn errichtete Statue im Grab, wo er fĂŒr das Fortleben der Person unentbehrlich war. Im Alten Reich wurden fĂŒr den Ka – das heißt fĂŒr die Leiche, die er beleben sollte – an einer Opferstelle ĂŒber dem Grab Speise- und GetrĂ€nkegaben bereitgestellt. Die Vorstellung war so materiell, dass es folgerichtig in manchen GrĂ€bern sogar einen Abort gab. Diese TotenfĂŒrsorge kam allerdings nur fĂŒr Angehörige der Oberschicht in Betracht.cite-ref-37[37] Königen und Göttern wurden mehrere Kas zugeschrieben, und auch in Totengebeten von PrivatgrĂ€bern des Alten Reichs kommt der Begriff Ka fĂŒr eine Person im Plural vor.cite-ref-38[38]

Im Mittleren Reich erlangte das Konzept Ba zunehmende Bedeutung. Als Ba bezeichnete man eine persönliche Lebenskraft, die dem damaligen Glauben zufolge TrĂ€ger der individuellen Existenz ist und den Tod ĂŒberdauert. Im Alten Reich hatte man Ba als Manifestation besonderer Macht aufgefasst und anscheinend nur dem König zugeschrieben,cite-ref-39[39] doch spĂ€ter wurde das Konzept in umgewandelter Form auf alle Menschen ausgedehnt. Man verstand nun unter Ba einen sehr beweglichen Aspekt des Seelischen, der nach dem Volksglauben beim lebenden Menschen zwar schon vorhanden ist, aber kaum eine Rolle spielt; erst beim Tod tritt er hervor, denn der leibliche Tod bedeutet fĂŒr ihn eine Art Geburt.cite-ref-40[40] Meist wurde Ba als Vogel dargestellt, oft mit Menschenkopf. Damit zeigt sich seine Zugehörigkeit zu dem bei indigenen Völkern verbreiteten Typus des „Seelenvogels“. Die Ba-Vögel waren nach der Ă€gyptischen Vorstellung eigentlich Himmelswesen und lebten in einer nördlichen Region (Qebehu), doch bewahrte Ba ebenso wie Ka eine dauerhafte Bindung an den Leichnam, das heißt an die Mumie. Um den Ba zum Aufsuchen des Grabes zu bewegen – was offenbar als eine Art Wiederbelebung des Leichnams betrachtet wurde und sehr erwĂŒnscht war –, wurde ihm dort Trinkwasser bereitgestellt, das ihn anlocken sollte.cite-ref-41[41]

Der Ach (Lichtgeist, abgeleitet von einem Wort fĂŒr „Lichtglanz“) war die VerklĂ€rungsseele eines Verstorbenen, die erst nach dessen Tod entstand.cite-ref-42[42] Im Unterschied zum Ka war er nicht ortsgebunden. Ach war eine götterĂ€hnliche Existenzform, die nach dem Tod durch entsprechende BemĂŒhungen erlangt wurde, indem der Tote sich die Ach-Kraft aneignete und dadurch zum Ach wurde. Diesem Zweck dienten magisch-rituelle Maßnahmen. Dazu gehörten Riten, die am Grab vollzogen wurden, Inschriften, die man dort oder auf dem Sarg anbrachte, und Texte, die der Tote zu rezitieren hatte. Von Göttern wie Re und Osiris erhoffte man Hilfe bei der Ach-Werdung. Waren die VerklĂ€rungsriten am Grab richtig vollzogen, so erlangte der Tote den Status eines „wirksamen“, „versehenen (vollausgestatteten)“ und „verehrungswĂŒrdigen“ Ach; als solcher konnte er auf die Welt der Lebenden einwirken.cite-ref-43[43] Im Unterschied zu Ka und Ba konnte sich der „wirksame“ Ach als Gespenst zeigen und wohltĂ€tig oder Schaden anrichtend in das Leben der Menschen eingreifen. Wie Ka und Ba zeigte auch Ach einen starken Bezug zum Grab und Interesse an dessen Zustand. Dort deponierten die Ägypter ihre an den Ach des Beerdigten gerichteten Botschaften.cite-ref-44[44]

Manche Aspekte des Ach-Glaubens unterlagen einem Wandel; so wurde im Alten Reich eine zeremonielle Speisung des Ach vorgenommen, spĂ€ter bedurfte er aber im Gegensatz zu Ka und Ba keiner materiellen Versorgung im Vollzug des Totendienstes mehr. In der Ă€lteren Form dieses Glaubens war moralisches Verhalten unwesentlich; fĂŒr den Ach-Status gab es keine ethischen Voraussetzungen, ein Ach konnte ebenso wie ein Lebender gut- oder böswillig sein. Im Neuen Reich begann man jedoch einen Zusammenhang zwischen moralischen Verdiensten und dem Ach-Werden herzustellen.

Die Vorstellungen vom Totenreich waren stark von den zahlreichen Gefahren geprĂ€gt, die den Verstorbenen dort drohten, teils durch die Unwirtlichkeit des GelĂ€ndes, teils durch Nachstellungen von DĂ€monen. So versuchten beispielsweise DĂ€monen den vogelgestaltigen Ba mit Vogelnetzen zu fangen. Gefangenen drohte Folter und VerstĂŒmmelung. Dagegen halfen göttlicher Beistand und vor allem Kenntnis der festgelegten, zur Bannung der Gefahren erforderlichen ZaubersprĂŒche, die in Sargtexten ĂŒberliefert sind. Das jenseitige Dasein war eine Fortsetzung des diesseitigen; so gab es dort auch Landarbeit. Die Toten hatten ihre Wohnsitze „im Westen“ und waren das „Volk des Westens“ (Imentiu), die Lebenden wohnten im Osten (am Nil).cite-ref-45[45]

Die Toten wurden vor das Totengericht gestellt, wo ihr Herz mit einer Waage gegen die Wahrheit (Maat) abgewogen wurde, das heißt ihr Freisein von Verfehlungen geprĂŒft wurde (Psychostasie).cite-ref-46[46] Im Falle einer Verurteilung wurden sie von einem Untier (Ammit) gefressen, also vernichtet. Dieses moralische Konzept konkurrierte und vermischte sich mit dem ethisch indifferenten, welches das nachtodliche Schicksal von korrekter Praktizierung der rituellen Magie abhĂ€ngig machte.cite-ref-47[47]

Somit waren die Seelen nach den altĂ€gyptischen Vorstellungen weder immateriell noch prinzipiell unzerstörbar. Vor der Entstehung des Körpers existierten sie nicht, Reinkarnation wurde nicht in Betracht gezogen.cite-ref-48[48] Denjenigen, die den jenseitigen Gefahren entgingen oder vom Totengericht freigesprochen wurden, wurde zwar ein erfreuliches Leben in einer angenehmen Welt in Aussicht gestellt, doch stießen solche Verheißungen seit der Zeit des Mittleren Reichs in manchen Kreisen auf erhebliche Zweifel. Skeptiker stellten die Wirksamkeit der aufwendigen Vorkehrungen fĂŒr ein glĂŒckliches oder zumindest befriedigendes nachtodliches Dasein in Frage. Sie wiesen auf die Ungewissheit des Schicksals nach dem Tod oder auf dĂŒstere Aussichten fĂŒr die Verstorbenen hin. Mit der Herabsetzung des Jenseits wurde oft die Aufforderung verbunden, diesseitigen Lebensgenuss anzustreben.cite-ref-49[49]

Mesopotamien

Über Seelenvorstellungen der Sumerer und spĂ€ter der Akkader bieten weder die Schriftquellen noch die ArchĂ€ologie konkrete Informationen, obwohl sich die sumerische Religion, mit der die akkadische eng verwandt ist, aus den Quellen gut erschließen lĂ€sst. In der sumerischen und der akkadischen Sprache kommen keine AusdrĂŒcke vor, deren Bedeutungsgehalt sich mit demjenigen von „Seele“ deckt. Man kann den akkadischen Begriff napischtu(m)/napschartu („Kehle“, „Leben“, „Lebenskraft“, auch „Person“) als Bezeichnung fĂŒr eine Seele ansehen, in Analogie zu den verwandten hebrĂ€ischen Wörtern nefesch und neschama, die von der konkreten Grundbedeutung „Atem“ ausgehend das sich im Atem zeigende Leben bezeichnen. Damit (und mit anderen Begriffen von gleicher oder Ă€hnlicher Bedeutung) ist aber nur eine mit dem Körper entstehende und sterbende Vitalseele (Körperseele) von Mensch und Tier gemeint; darĂŒber hinaus ergeben sich keine Folgerungen. Das entsprechende Wort im Sumerischen ist zi,cite-ref-50[50] das mit dem Verb zi-pa-ag2 („atmen“, „blasen“) zusammenhĂ€ngt; es gibt eine Redewendung zi-pa-gĂĄ-nĂ©-esch, die sich auf das ÜberprĂŒfen bezieht, ob in einem Körper noch Leben festzustellen oder der Lebenshauch aus ihm gewichen ist.cite-ref-51[51] Daneben existiert im Sumerischen der Ausdruck libisch/lipisch fĂŒr „Innerstes“ (des Menschen) und im Babylonischen libbu fĂŒr „Herz“, vergleichbar unserer Verwendung von „Herz“ in psychischer Bedeutung. Die Babylonier lokalisierten die von einer Gottheit verliehene Quelle der Lebenskraft außer im Atem auch im Blut. Auf eine anthropologische Analyse und eine konkrete Beschreibung der Seele legten sie anscheinend keinen Wert.cite-ref-52[52]

Ein Totenreich kur-nu-gi-a („Land ohne Wiederkehr“) und ein Totengericht ist fĂŒr die Sumerer bezeugt.cite-ref-53[53] Andererseits war bei ihnen aber auch die Vorstellung verbreitet, dass sich die Toten an ihren GrabstĂ€tten aufhalten. Daher wurden den Verstorbenen dort Speisen und GetrĂ€nke dargebracht.cite-ref-54[54] Auch in Babylonien war der Ahnenkult fĂŒr das Wohlergehen der Toten sehr wichtig; tĂ€glich mussten die Ahnen mit Nahrung versorgt werden.cite-ref-55[55] In einem Anhang zum Gilgamesch-Eposcite-ref-56[56] kehrt der ins Totenreich hinabgestiegene Enkidu, d. h. sein Totengeist (utukku), in die Welt der Lebenden zurĂŒck und schildert die Schicksale der Toten, die von der Todesart, der Anzahl ihrer Kinder und der FĂŒrsorge der ĂŒberlebenden Angehörigen abhĂ€ngen. Schlimm erging es den Unbegrabenen und denen, deren Grab geschĂ€ndet wurde, denn der Totengeist war offenbar eng mit dem Leichnam verbunden.cite-ref-57[57]

Bei den mesopotamischen Völkern herrschte die Überzeugung, dass böswillige Totengeister (sumerisch gidim, akkadisch eáč­immu oder eáč­emmu) ebenso wie unzĂ€hlige sonstige DĂ€monen den Lebenden Unheil bereiten.cite-ref-58[58] Die Totengeister galten als sichtbar und hörbar. Daneben gab es aber auch hilfreiche Schutzgeister, die möglicherweise den aus verschiedenen indigenen Kulturen bekannten Außenseelen des Menschen vergleichbar sind.cite-ref-59[59] Aus dem Atraáž«asis-Epos (um 2000–1800 v. Chr.) geht hervor, dass eáč­emmu, der gespenstartige Aspekt des Menschen, der dessen Tod ĂŒberdauert, ursprĂŒnglich zusammen mit dem menschlichen Körper aus dem Fleisch eines getöteten Gottes geschaffen wurde. Aus dem Blut des Gottes entstand wohl die sterbliche, bis zum physischen Tod bestehende Vitalseele; sie wurde als Basis des menschlichen Verstandes (áč­Ä“mu) betrachtet.cite-ref-60[60]

Iranisches Hochland

Die ostiranische avestische Sprache, die zu den altiranischen Sprachen gehört, weist eine Reihe von AusdrĂŒcken fĂŒr die Seele oder fĂŒr psychische Funktionen auf, die schon in der vorzoroastrischen Zeit gebrĂ€uchlich waren und großenteils spĂ€ter auch in den Dokumenten der zoroastrischen Religion verwendet wurden. Zum Teil beziehen sie sich auf Wahrnehmungsfunktionen, beispielsweise uĆĄi (ursprĂŒnglich das Ohr, daher auch das Gehör und in ĂŒbertragenem Sinn die AuffassungsfĂ€higkeit, der Verstand). Außer der Vitalseele (ahu oder uĆĄtāna, als Hauchseele vyāna) gab es nach den im Iran herrschenden Vorstellungen die auch unabhĂ€ngig vom Körper agierende Freiseele (urvan oder auch als Verstandesseele manah) sowie die daēnā, eine seelische Instanz mit nĂ€hrender Funktion. Eine wichtige Rolle spielten die fravaĆĄis; das waren schĂŒtzende Ahnengeister, aber auch Außenseelen lebender frommer Menschen. In letzterem Sinne verstand man unter fravaĆĄi anscheinend ein den Menschen zu seinen Lebzeiten von außen beeinflussendes „höheres Selbst“. Die im Körper lebende unsterbliche Freiseele vereinigte sich nach dessen Tod mit ihrer fravaĆĄi. AusdrĂŒcke, die ursprĂŒnglich den Körper bezeichneten, wie tanu und das etymologisch mit „Körper“ verwandte Wort kəhrp, wurden auch fĂŒr die Person als Gesamtheit unter Einschluss der seelischen Dimension verwendet, was auf ein nicht dualistisches Denken deutet.cite-ref-61[61]

Die Zoroastrier scheinen sich nicht um die Ausarbeitung einer detaillierten anthropologischen Seelenlehre und um terminologische Klarheit bemĂŒht zu haben, zumindest haben sich keine entsprechenden Texte erhalten. Bezeugt ist im Zoroastrismus immerhin die Vorstellung, dass die Vitalseele schon vor dem Körper geschaffen wurde und dieser dadurch entstanden ist, dass die Lebenskraft von der Gottheit „körperlich gemacht“ wurde. Diese Vitalseele, die uĆĄtāna, wurde mit dem Tode des Körpers vernichtet.cite-ref-62[62] Charakteristisch fĂŒr den Zoroastrismus ist eine scharfe Trennung zwischen „guten“ und „bösen“ Menschen, nicht zwischen einem an sich schlechten Körper und einer moralisch höherwertigen Seele. Eine Gesamtseele oder Weltseele scheint der Zoroastrismus nicht gekannt zu haben.cite-ref-63[63]

Nach dem Tod blieb die Freiseele urvan drei NĂ€chte lang in der NĂ€he des Leichnams, bis ihr ihre eigene daēnā entgegentrat. Die daēnā erschien in Frauengestalt, als Kuh oder als Garten, was auf ihre nĂ€hrende Funktion hinweist. Als Frau war sie ein schönes MĂ€dchen oder eine scheußliche Hexe, je nach den Taten, die der Mensch zu seinen Lebzeiten vollbrachte. Nach der Begegnung mit ihr begab sich die Seele urvan auf den Weg ins Jenseits.cite-ref-64[64]

Neben den Vorstellungen vom jenseitigen Fortleben der Seele gab es auch einen wohl sehr alten Glauben an eine Auferstehung als Wiederbelebung toter Körper, die als möglich galt, falls die Knochen der Verstorbenen vollzÀhlig und intakt aufbewahrt wurden; offenbar wurde unter dem Gesichtspunkt der Lebenskraft den Gebeinen eine seelische QualitÀt zugeschrieben. In seiner religiösen Ausformung im Rahmen des Zoroastrismus richtete sich dieser iranische Auferstehungsglaube auf eine eschatologische Zukunft, in der auch ein allgemeines Weltgericht erwartet wurde.cite-ref-65[65]

Vorchristliche Antike

Älteste griechische Vorstellungen

Das altgriechische Substantiv psychᾗ (ÏˆÏ…Ï‡Îź) hĂ€ngt mit dem Verb psychein („blasen“, „atmen“) zusammen; es bedeutete ursprĂŒnglich „Hauch“, „Atem“ und daher auch „Leben“.cite-ref-66[66] Erstmals belegt ist es in den zunĂ€chst mĂŒndlich ĂŒberlieferten homerischen Epen Ilias und Odyssee. Es bezeichnet hier etwas an Mensch und Tier, das normalerweise wĂ€hrend des Lebens eines Individuums nicht aktiv zu sein scheint, dessen PrĂ€senz aber fĂŒr das Leben notwendig ist.cite-ref-67[67]

Die psychē im Sinne von Homers Sprachgebrauch verlĂ€sst einen Menschen bei Ohnmacht. Im Tod trennt sie sich vom Körper und begibt sich als dessen schattenhaftes Abbild in die Unterwelt.cite-ref-68[68] Homer benutzt fĂŒr die körperlose Seele neben dem Ausdruck psychē auch den Begriff eidƍlon (Abbild, Schattenbild).cite-ref-69[69] Die Seele eines Verstorbenen ist dem lebenden Menschen so Ă€hnlich, dass Achilleus vergeblich versucht, die Seele des toten Patroklos, die ihm erscheint und ihn anredet, zu umarmen.cite-ref-70[70] Der Dichter lĂ€sst die nach dem Tod körperlose Seele GefĂŒhle zeigen und Überlegungen anstellen. Sie jammert, beklagt ihr Schicksal und sorgt sich um das BegrĂ€bnis des Leichnams.cite-ref-71[71]

Der thymĂłs – mit diesem Wort bezeichnet Homer die Quelle der emotionalen Antriebe – gilt ebenso wie die psychē als zum Leben notwendig; auch er verlĂ€sst im Tod den Körper. Zwar sagt der Dichter nicht, dass der thymĂłs sich in die Unterwelt begibt, doch an einer Stelle der Ilias wĂŒnscht ein Lebender, dass dies geschehen möge.cite-ref-72[72] Homer beschreibt den thymĂłs als zerstörbar. WĂ€hrend des menschlichen Lebens wird er durch Ereignisse gemehrt oder gemindert.cite-ref-73[73] Im Gegensatz zur psychē, die wie ein kalter Hauch erscheint, ist der thymĂłs heiß.cite-ref-74[74]

Von der psychē ist nur im Zusammenhang mit lebensbedrohlichen Situationen die Rede. So spricht Achilleus davon, im Kampf die eigene psychē in Gefahr zu bringen.cite-ref-75[75] Gewöhnlich ist dieser Begriff auf die Bedeutung TrĂ€ger des Belebtseins begrenzt, wĂ€hrend die Emotionen – aber auch mit ihnen verbundene Gedanken – sich im thymĂłs abspielen. Eine weitere fĂŒr die mentalen Funktionen wichtige Instanz ist der nĂłos (im spĂ€teren Griechisch nous). Er ist in erster Linie fĂŒr TĂ€tigkeiten des Intellekts zustĂ€ndig, erscheint aber auch gelegentlich als TrĂ€ger von GefĂŒhlen. Eine klare Abgrenzung zwischen den Begriffen gibt es in den homerischen Epen nicht.

Der thymĂłs befindet sich im Zwerchfell oder allgemeiner in der Brust. Auch der nĂłos ist in der Brust lokalisiert, doch ist er anscheinend immateriell gedacht.cite-ref-76[76] Der psychē weist Homer keinen bestimmten Sitz im Körper zu. Sie ist Voraussetzung des Lebens fĂŒr Tiere ebenso wie fĂŒr Menschen. In der Odyssee entweicht bei der Schlachtung eines Schweins dessen psychē,cite-ref-77[77] doch ob sie in die Unterwelt gelangt, erfĂ€hrt man nicht. Hesiod und Pindar erwĂ€hnen die psychē der Schlange.cite-ref-78[78]

Bedeutungswandel in der nachhomerischen Zeit

In poetischen und philosophischen Texten des 6. und 5. Jahrhunderts bĂŒrgerte sich ein neuer, erweiterter Begriff von psychē ein, der den Bedeutungsgehalt von thymĂłs mit einschloss. FĂŒr den Lyriker Anakreon spielten sich die erotischen Empfindungen in der psychē ab, bei Pindar war sie TrĂ€gerin moralischer Eigenschaften. Auch in der Tragödie trat die Seele in einem moralischen Kontext auf, bei Sophokles konnte sie daher als „schlecht“ bezeichnet werden.cite-ref-79[79] Die alte Grundbedeutung – belebendes Prinzip im Körper – war weiterhin gelĂ€ufig, beseelt (Ă©mpsychos) zu sein bedeutete lebendig zu sein, doch daneben war die Seele nun auch fĂŒr das GefĂŒhlsleben zustĂ€ndig und stellte Überlegungen an.cite-ref-80[80]

Die philosophisch-religiösen Bewegungen der Orphiker und der Pythagoreer erweiterten das archaische Konzept einer den Leichnam verlassenden psychē. Sie bauten es zu Lehren aus, in denen die Seele als unsterblich galt und mehr oder weniger detaillierte Aussagen ĂŒber ihr Schicksal nach dem Tod gemacht wurden. In diesen Strömungen sowie auch bei Empedokles und in der Lyrik bei Pindar machten sich – in markantem Gegensatz zu Homer – optimistische Annahmen ĂŒber die nachtodliche Zukunft der Seele geltend. Sie kann diesen Konzepten zufolge unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere indem sie sich von Schuld reinigt, Zugang zur Götterwelt gewinnen und göttlich werden oder ihre eigene ursprĂŒngliche göttliche Natur wiedererlangen.cite-ref-81[81]

Seelenwanderung

In manchen Kreisen (Orphiker, Pythagoreer, Empedokles) wurde die Unsterblichkeitslehre mit der Vorstellung der Seelenwanderung verbunden und damit die Annahme einer natĂŒrlichen Bindung der Seele an einen bestimmten Körper aufgegeben. Der Seele wurde ein eigenstĂ€ndiges Dasein schon vor der Entstehung des Körpers und damit eine zuvor unbekannte Autonomie zugesprochen. Die frĂŒheste namentlich bekannte Persönlichkeit, die sich zur Seelenwanderung bekannte, war der um 583 geborene Pherekydes von Syros, dessen Schrift ĂŒber die Götter allerdings nicht erhalten ist.cite-ref-82[82] Sein etwas jĂŒngerer Zeitgenosse und angeblicher SchĂŒler Pythagoras verbreitete diese Lehre im griechisch besiedelten SĂŒditalien; seine Prominenz verschaffte ihr in weiten Kreisen Bekanntheit. Die frĂŒhen Pythagoreer meinten, dass die Seelen der Menschen auch in Tierleiber eingehen; sie gingen davon aus, dass zwischen menschlichen und tierischen Seelen kein Wesensunterschied bestehe.cite-ref-83[83]

Naturphilosophisches VerstĂ€ndnis der frĂŒhen Vorsokratiker

Die als Vorsokratiker bezeichneten frĂŒhen Denker setzten sich unter naturphilosophischen Gesichtspunkten mit der Seele auseinander. Bei ihnen erscheint die psychē als Bewegungsprinzip des sich selbst und anderes Bewegenden. In diesem Sinne hielt Thales außer den Lebewesen auch den Magneten und wegen der elektrischen Anziehung den Bernstein fĂŒr beseelt, nicht jedoch – wie ihm irrtĂŒmlich unterstellt wurde – sonstige GegenstĂ€nde.cite-ref-84[84] Anaxagoras sah im universalen nous (Geist) die Bewegungsursache und den Herrscher aller Dinge einschließlich der beseelten; den Angaben des Aristoteles zufolge unterschied er nicht klar zwischen dem nous und der psychē, die er ebenfalls als Beweger bezeichnete. Er beschrieb den nous als das „feinste“ und „reinste“ aller Dinge, dachte also auch ihn nicht wirklich unstofflich.cite-ref-85[85] Einige Vorsokratiker fassten die Seele zudem als Wahrnehmungs- oder Erkenntnisprinzip auf.cite-ref-86[86]

Die theoretische Beschreibung der Seele als Lebensprinzip bestand dabei ĂŒberwiegend in einem reduktiven Physikalismus, der die psychē auf etwas Materielles oder Materiellem Ähnliches (Feinstoffliches) zurĂŒckfĂŒhrte. So soll Empedokles gelehrt haben, die psychē, die er im traditionellen Sinn mit dem physischen Leben verband, bestehe aus den vier Elementen.cite-ref-87[87] Nicht sie, sondern ein Wesen, das er daimƍn nannte, war fĂŒr ihn die unsterbliche Seele, der er die Seelenwanderung zuschrieb. Den daimƍn, dessen Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod er anstrebte, bezeichnete er ausdrĂŒcklich als einen Gott.cite-ref-88[88]

Als Luft wird die Seele in einem traditionell dem Philosophen Anaximenes zugeschriebenen Fragment bezeichnet, das jedoch nach heutigem Forschungsstand von Diogenes von Apollonia stammt.cite-ref-89[89] Auch Anaximander und Anaxagoras sollen sie fĂŒr luftartig gehalten haben.cite-ref-90[90] Daneben gab es eine von manchen Pythagoreern vertretene, vermutlich ursprĂŒnglich aus Ă€rztlichen Kreisen stammende Vorstellung, wonach die Seele eine Harmonie der Körperfunktionen sei. Diese Auffassung war mit dem Unsterblichkeitsgedanken unvereinbar.cite-ref-91[91]

Auch in Heraklits Seelenlehre, deren Einzelheiten aus den erhaltenen Fragmenten nicht klar hervorgehen, hat die psychē eine stoffliche QualitĂ€t. Sie bewegt sich zwischen zwei gegensĂ€tzlichen ZustĂ€nden hin und her, von denen der eine feucht oder wĂ€ssrig, der andere trocken ist. Wenn sie trocken und damit dem feurigen Vernunftprinzip nahe ist, befindet sie sich in ihrer bestmöglichen Verfassung und ist weise. Das Ausmaß ihrer VerstĂ€ndigkeit hĂ€ngt von demjenigen ihrer aktuellen Trockenheit ab. Durch Trunkenheit wird sie feucht und bĂŒĂŸt damit die FĂ€higkeit des Verstehens ein. Setzt sich das wĂ€ssrige Prinzip gĂ€nzlich durch, so stirbt die Seele, doch erscheint ihr dies nicht als Untergang, sondern sie empfindet es als Genuss.cite-ref-92[92] Somit unterliegt sie ebenso wie der Kosmos als Ganzes unablĂ€ssigen Umwandlungsprozessen. Heraklit hielt sie fĂŒr so tiefgrĂŒndig, dass man ihre Grenzen nicht finden könne.cite-ref-93[93]

Demokrits materialistisches Modell

Demokrit, der letzte bedeutende Vorsokratiker, erklĂ€rte im Rahmen seiner konsequent materialistischen Weltdeutung die Seele als Zusammenballung von kugelförmigen, glatten Seelenatomen, die sich von den ĂŒbrigen Atomen durch grĂ¶ĂŸere Beweglichkeit unterscheiden, welche sie ihrer Form und ihrer Kleinheit verdanken. Die Seelenatome Demokrits sind aber nicht – wie in der Ă€lteren Forschungsliteratur oft angenommen wurde – durch eine feuerartige QualitĂ€t gekennzeichnet. Vielmehr sind alle Atome hinsichtlich ihrer materialen Beschaffenheit von gleicher QualitĂ€t, sie unterscheiden sich nur durch GrĂ¶ĂŸe, Form und Geschwindigkeit. PhĂ€nomene wie WĂ€rme, KĂ€lte und Farbe entstehen erst durch die bestĂ€ndige Bewegung und Interaktion der Atome. Die Seelenatome schweben in der Luft; durch die Atmung werden sie ihr entnommen und wieder an sie zurĂŒckgegeben. Der Tod ist das Ende dieses Stoffwechsels, mit ihm zerstreuen sich die Seelenatome des Verstorbenen. Eine Unsterblichkeit der Seele ist in diesem System undenkbar. Körper und Seele schĂŒtzen einander durch ihre Verbindung vor der ihnen stĂ€ndig drohenden Auflösung. Die Seele ist eine atomare Struktur, deren Bestandteile, die Seelenatome, stĂ€ndig ausgetauscht werden; sie verflĂŒchtigen sich fortlaufend und werden durch neu eingeatmete Seelenatome ersetzt. WĂ€hrend des Lebens sind die Seelenatome im ganzen Körper verbreitet und setzen die Körperatome in Bewegung. Auch alle mentalen PhĂ€nomene sind durch Bewegungen konzentrierter Massen von Seelenatomen mechanisch erklĂ€rbar. Wahrnehmung geschieht dadurch, dass sich von den Objekten Atome ablösen und in Form von Bildchen (eidola) in alle Richtungen ausströmen; diese Abbilder der Objekte dringen ins Auge ein und vermitteln dem Wahrnehmenden so deren Gestalten. Auch das ethische Verhalten und das Wohlbefinden der Person sind von den Atombewegungen verursacht. Zu heftige Atombewegungen bedeuten schĂ€dliche seelische ErschĂŒtterungen; GemĂŒtsruhe und eine pragmatische Haltung entsprechen relativer StabilitĂ€t der atomaren Strukturen.cite-ref-94[94]

Sokrates und Platon

In der von Platon ĂŒberlieferten Fassung der Verteidigungsrede seines Lehrers Sokratescite-ref-95[95] (469–399) tritt der Gedanke in den Vordergrund, dass die Sorge um die Seele (epimĂ©leia tēs psychēs) eine vorrangige Aufgabe sei. Das Wohlergehen der Seele erscheint mit der EinsichtsfĂ€higkeit des Menschen und seinem Zugang zur Wahrheit verknĂŒpft:

„Bester Mann, [
] schĂ€mst du dich nicht, fĂŒr Geld zwar zu sorgen, wie du dessen aufs meiste erlangst, und fĂŒr Ruhm und Ehre, fĂŒr Einsicht aber und Wahrheit und fĂŒr deine Seele, daß sie sich aufs beste befinde, sorgst du nicht und hieran willst du nicht denken?“

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Apologie

29d-e

FĂŒr Platon (428/7–348/7), der in seinen Werken seine Gedanken Sokrates in den Mund zu legen pflegt, ist die Seele immateriell und unsterblich, sie existiert unabhĂ€ngig vom Körper, also schon vor dessen Entstehung. Daraus ergibt sich ein konsequenter anthropologischer Dualismus: Seele und Körper sind nach ihrer Beschaffenheit und nach ihrem Schicksal völlig verschieden. Ihr vorĂŒbergehendes Zusammentreten und Zusammenwirken ist somit nur zeitweilig bedeutsam, ihre Trennung erstrebenswert; der Körper ist „Grab der Seele“.cite-ref-96[96] Sokrates und Platon setzen die Seele sowohl ethisch als auch kognitiv mit der Person gleich. Da allein die Seele eine Zukunft ĂŒber den Tod hinaus hat, kommt es nur auf ihre Förderung und ihr Wohlergehen an. Wegen ihrer GottĂ€hnlichkeit als unsterbliches Wesen steht es ihr zu, ĂŒber den vergĂ€nglichen Körper zu herrschen.cite-ref-97[97] In mehreren Mythen beschreibt Platon das Leben der Seele im Jenseits, das Seelengericht und die Seelenwanderung. Dabei verknĂŒpft er das Schicksal der Seele mit ihren ethischen Entscheidungen.cite-ref-98[98]

Mit folgenden Überlegungen will Platon seine Auffassung plausibel machen:

‱ FĂŒr die gesamte Natur gilt, dass entgegengesetzte Dinge auseinander entstehen und ineinander ĂŒbergehen; darin besteht das Werden und der Kreislauf der Natur, der ihren Fortbestand gewĂ€hrleistet. Solche GegensĂ€tze sind auch „Leben“ und „Totsein“, „Sterben“ und „Wiederaufleben“. Der Entwicklung, die zum Lebensende hinfĂŒhrt, entspricht daher eine gegenlĂ€ufige, die vom Tod zu einem Wiederaufleben fĂŒhrt. Das bedeutet Wiedergeburt (Seelenwanderung).cite-ref-99[99]

‱ Die Seele ist in der Lage, sinnlich nicht wahrnehmbare ErkenntnisgegenstĂ€nde (Ideen) wie „das Gerechte“, „das Schöne“ oder „das Gute“ zu erfassen. Sie wird von ihrer eigenen Natur angetrieben, ihr Interesse darauf zu richten. Das zeigt ihre Wesensverwandtschaft mit dem, wonach sie strebt. Die Ideen existieren jenseits der VergĂ€nglichkeit und unabhĂ€ngig von einzelnen Sinnesobjekten. WĂ€re die Seele selbst vergĂ€nglich, so hĂ€tte sie keinen Zugang zum UnvergĂ€nglichen.cite-ref-100[100]

‱ Das Lernen ist eine AktivitĂ€t der Seele. Es besteht nicht darin, dass die Seele etwas Neues und Fremdes von außen aufnimmt, sondern darin, dass sie sich – etwa durch einen Anstoß von einem Lehrer – an ein Wissen erinnert, das sie eigentlich bereits zuvor besessen hat, ĂŒber das sie aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst hat verfĂŒgen können. Dieses Wissen, die Kenntnis der Ideen und aller Dinge, hat sie aus ihrem vorgeburtlichen Dasein mitgebracht. Sie hat es an einem â€žĂŒberhimmlischen Ort“ erworben; hinzu kommen ihre Erfahrungen aus ihren frĂŒheren Erdenleben und aus der Unterwelt. Durch Wiedererinnerung (Anamnesis) macht sie sich das verschĂŒttete Wissen verfĂŒgbar.cite-ref-101[101]

‱ Die Einzeldinge bewegen sich zwar zwischen den GegensĂ€tzen hin und her, aber die Gegenpole selbst bleiben sich immer gleich. Die Seele ist ein solcher Pol, denn sie ist das Leben in uns. Daher ist sie todlos; sterben kann nur etwas Belebtes, nicht das Leben selbst.cite-ref-102[102]

‱ Im Unterschied zu allen Objekten, deren Bewegungen von außen verursacht werden und mit dem Wegfall des Ă€ußeren Verursachers aufhören, bewegt die Seele sich selbst und bewegt auch anderes. Die Eigenschaft, als erste Bewegungsursache von sich aus Bewegung bewirken zu können, gehört zu ihrer Natur und ist ein Definitionsmerkmal. Diese Eigenschaft kommt ihr daher nicht nur in einem bestimmten Zeitraum zu, sondern ist ohne Anfang und Ende. Als erster Ursprung aller Bewegung hat die Selbstbewegung keinen Ursprung in der Welt des Werdens und Vergehens, die eine solche FĂ€higkeit nicht besitzt und nicht aus sich hervorbringen kann. Daher ist die Seele als TrĂ€ger dieser FĂ€higkeit ewig.cite-ref-103[103]

‱ Zu jedem Ding gehören fördernde und schĂ€digende Faktoren; zu letzteren zĂ€hlt beispielsweise fĂŒr das Auge eine Augenkrankheit, fĂŒr das Eisen Rost. FĂŒr die Seele ist das Übel, das sie schĂ€digt, „Ungerechtigkeit“ – ein durch Unwissenheit bedingtes Handeln gegen die eigene Natur. Bei einem ungerechten Menschen zeigt sich, dass seine Bosheit seine Seele nicht zerstört wie eine Krankheit den Körper. Das KörperĂŒbel kann den Körper zerstören, das SeelenĂŒbel kann die Seele nicht zerstören. Also ist die Seele nicht zerstörbar.cite-ref-104[104]

Die inneren Konflikte der Menschen erklĂ€rt Platon damit, dass die Seele aus wesensverschiedenen Teilen bestehe, einem vernunftbegabten (logistikĂłn) mit Sitz im Gehirn, einem triebhaften, begehrenden (epithymētikĂłn) mit Sitz im Unterleib und einem muthaften (thymoeidēs) mit Sitz in der Brust. Der muthafte Seelenteil ordnet sich leicht der Vernunft unter, der begehrende neigt dazu, sich ihr zu widersetzen.cite-ref-105[105] DafĂŒr verwendet Platon das Bild eines Pferdewagens: die Vernunft hat als Wagenlenker ein Zweigespann von zwei verschiedenartigen Rossen (Wille und Begehren) zu lenken und dabei das schlechte Ross (das Begehren) zu bĂ€ndigen, damit jeder Seelenteil die ihm zukommende Funktion in rechter Weise erfĂŒllt.cite-ref-106[106] Die naturgemĂ€ĂŸe Ordnung ist dann gegeben, wenn die Vernunft die sinnlichen Begierden zĂŒgelt, welche sie von ihren wesentlichen Aufgaben ablenken, und wenn sie bei ihrer Wahrheitssuche vom Immaterielle – der absolut zuverlĂ€ssigen Ideenwelt – ausgeht und den irrtumsanfĂ€lligen Sinneswahrnehmungen misstraut.cite-ref-107[107] Die Funktionen sind nicht strikt aufgeteilt, vielmehr hat jeder Seelenteil eine ihm eigene Form des Begehrens und verfĂŒgt ĂŒber eine kognitive FĂ€higkeit. Daher können auch die nichtrationalen Teile eigene Meinungen oder zumindest Vorstellungen bilden.cite-ref-108[108]

Durch die sehr unterschiedliche Beschaffenheit ihrer Teile ist die Seele uneinheitlich. Dennoch bildet sie nach Platons ursprĂŒnglichem Konzept insofern eine Einheit, als alle Seelenteile an der Unsterblichkeit und an der jenseitigen Existenz der Seele teilhaben. Im SpĂ€twerk jedoch fasst Platon die beiden niederen Seelenteile als vergĂ€ngliche HinzufĂŒgungen zur unsterblichen Vernunftseele auf.cite-ref-109[109] Durch diese VerselbstĂ€ndigung der Vernunftseele entsteht ein dreiteiliges (trichotomes) Menschenbild; der Mensch ist aus der Vernunftseele, dem nichtrationalen Seelenbereich und dem Körper zusammengesetzt, die Person ist die Vernunftseele.cite-ref-110[110]

Da Platon jede selbstĂ€ndige Bewegung als Beweis fĂŒr Beseeltheit betrachtet, hĂ€lt er nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern auch die Gestirne fĂŒr beseelt. Auch dem Kosmos als Ganzem schreibt er dieses Merkmal zu; er bezeichnet ihn als ein von der Weltseele beseeltes Lebewesen. Die vernunftbegabte Weltseele ist nach seiner Darstellung vom Demiurgen geschaffen.cite-ref-111[111] Auch die Einzelseelen nennt er an verschiedenen Stellen etwas Entstandenes. Wenn man diese Aussage wörtlich im zeitlichen Sinne versteht, widerspricht sie dem Prinzip der Anfangslosigkeit des UnvergĂ€nglichen. Schon fĂŒr die antiken Interpreten stellte sich daher die Frage, was genau mit „geworden“ (gĂ©gonen) gemeint ist. Meist deuteten sie – wohl mit Recht – die „Erschaffung“ des Kosmos bzw. der Weltseele im Sinne einer metaphorischen Redewendung, die auf eine ontologische Hierarchie hinweisen soll und nicht im wörtlichen Sinne einer Entstehung zu einem bestimmten Zeitpunkt aufzufassen ist. Demnach ist die Seele ĂŒberzeitlich, aber ontologisch ist sie etwas Abgeleitetes.cite-ref-112[112]

Im Dialog Phaidros beschreibt Platon die Seele als geflĂŒgelt. Nach dem Verlust ihrer FlĂŒgel sinke sie zur Erde hinab und nehme einen irdischen Körper an. Wenn ein Mensch philosophiere, könnten seiner Seele neue FlĂŒgel wachsen, ĂŒber die sie in der Todesstunde verfĂŒge.cite-ref-113[113]

Aristoteles

Die Seelenlehre des Aristoteles ist in seinem Werk Über die Seele (Peri psychēs, lateinisch De anima) dargelegt; ferner Ă€ußert er sich darĂŒber in seinen kleinen naturphilosophischen Schriften („Parva naturalia“). Die Abhandlung Über die Seele bietet auch eine FĂŒlle wertvoller Informationen ĂŒber die Seelenvorstellungen der Vorsokratiker. In seiner Jugendzeit schrieb Aristoteles den Dialog Eudemos oder Über die Seele, der bis auf Fragmente verloren ist.

Aristoteles erörtert und kritisiert die Auffassungen frĂŒherer Philosophen, insbesondere diejenige Platons, und prĂ€sentiert seine eigene.cite-ref-114[114] Er definiert die Seele als „die erste Entelechie“ (AktualitĂ€t, Verwirklichung, Vollendung) „eines natĂŒrlichen Körpers, der potentiell Leben hat“; einen solchen Körper bezeichnet er als „organisch“.cite-ref-115[115] Die Feststellung, dass der Körper potentiell Leben hat, besagt, dass er von sich aus nur zum Belebtsein geeignet ist; dass die Belebung tatsĂ€chlich verwirklicht wird, ergibt sich durch die Seele. Die Seele kann nicht unabhĂ€ngig vom Körper existieren. Sie ist seine Form und daher nicht von ihm trennbar.cite-ref-116[116] Mit der ersten Wirklichkeit der Seele spricht Aristoteles ihre GrundtĂ€tigkeit an, die auch im Schlaf nicht aussetzt. Die GrundtĂ€tigkeit hĂ€lt den Organismus zusammen und bewirkt, dass er nicht zerfĂ€llt.cite-ref-117[117] Sie unterscheidet sich von den TĂ€tigkeiten einzelner seelischer Aspekte, die den verschiedenen Seelenvermögen entsprechen, nach deren Vorkommen Aristoteles das Leben klassifiziert.

Die grundlegenden vegetativen Seelenvermögen ErnĂ€hrung, Wachstum und Fortpflanzung kommen allem Leben zu, Wahrnehmung, Fortbewegung und Strebevermögen nur den Tieren und dem Menschen. Nur dem Menschen ist das Denken eigen.cite-ref-118[118] Die Besonderheit des Menschen, seine fĂŒr die DenktĂ€tigkeit zustĂ€ndige Instanz, ist der Geist (nous). Der nous ist zwar als Möglichkeit, als „möglicher Intellekt“ (griechisch nous pathētikĂłs oder nous dynĂĄmei, lateinisch intellectus possibilis) in der Seele angelegt, als bewirkender Intellekt (spĂ€ter lateinisch intellectus agens genannt) ist er jedoch eine vom Körper und auch von der Seele unabhĂ€ngige Substanz, die „von außen“ hinzutritt und erst dadurch aus der Möglichkeit des menschlichen Denkens eine Wirklichkeit macht.cite-ref-119[119] So entsteht die menschliche Denkseele (noētikᾗ psychᾗ oder speziell unter dem Aspekt ihrer diskursiven AktivitĂ€t dianoētikᾗ psychᾗ). Sie kann alle Formen in sich aufnehmen. Ihre Erkenntnisse gewinnt sie nicht wie bei Platon durch Wiedererinnerung, sondern aus den Objekten der Sinneswahrnehmung, indem sie abstrahiert. Die Sinneswahrnehmungen und die Emotionen, darunter Affekte, die auch körperlich stark hervortreten – Zorn ist etwa begleitet von einem „Sieden des Blutes und des Warmen um das Herz herum“cite-ref-120[120] –, sind PhĂ€nomene der „Sinnenseele“ (to aisthētikĂłn oder aisthētikᾗ psychᾗ, lateinisch anima sensitiva).cite-ref-121[121]

FĂŒr Aristoteles ist die Seele ein immaterielles Formprinzip der Lebewesen, Ursache der Bewegung, aber selbst unbewegt. Er lokalisiert sie beim Menschen und den höheren Tierarten hinsichtlich aller ihrer Funktionen im Herz.cite-ref-122[122] Sie steuert alle LebensvorgĂ€nge ĂŒber die LebenswĂ€rme, die im gesamten Körper vorhanden ist. Die Seele wird durch die Zeugung an die Nachkommen weitergegeben; sie ist bereits im Samen anwesend.

Die Existenz von Körper und Seele einschließlich des möglichen Intellekts endet fĂŒr Aristoteles mit dem Tod. Der aktive Intellekt hingegen ist und bleibt vom physischen Organismus getrennt und ist daher von dessen Tod nicht betroffen; er ist leidensunfĂ€hig und unvergĂ€nglich.cite-ref-123[123] Daraus leitet Aristoteles jedoch keine individuelle Unsterblichkeit der einzelnen Person ab.

Stoiker

Die Stoa, eine im spĂ€ten 4. vorchristlichen Jahrhundert gegrĂŒndete Philosophenschule, entwickelte ihre Seelenvorstellung von einem materialistischen Ansatz aus. Eine Hauptquelle zur altstoischen Seelenlehre sind AuszĂŒge aus einem verlorenen Werk des Chrysippos von Soloi, das den Titel Über die Seele trug. Chrysippos war das dritte Schuloberhaupt der Stoa. Seine Lehre ist eine Weiterentwicklung derjenigen des SchulgrĂŒnders Zenon von Kition.

Die Stoiker betrachteten im Gegensatz zu Platonikern und Peripatetikern die Seele als körperlich (feinstofflich). Nach der stoischen Lehre ist die ganze Welt der sinnlich wahrnehmbaren Materie von einer feuerartigen Substanz, dem pneuma, durchzogen. Schon Zenon von Kition nahm eine vernunftbegabte, feurige Weltseele an, die er pneuma nannte.cite-ref-124[124] Die Seele eines irdischen Lebewesens (psyche) ist in ihrer Gesamtheit eine spezielle Erscheinungsform des pneuma. Die Einzelseele von Mensch und Tier entsteht zwischen Zeugung und Geburt, indem sich das relativ dichte pneuma in die feinere QualitĂ€t der psyche umwandelt; dieser Prozess wird mit der Geburt abgeschlossen.cite-ref-125[125] Pflanzen haben keine psyche; ihr Leben basiert auf einer anderen Art von pneuma.cite-ref-126[126] Die Seele durchdringt den ganzen Körper, bewahrt dabei aber stets ihre eigene IdentitĂ€t. Im Tod trennt sie sich vom Körper. Sie ĂŒberlebt zwar nach der altstoischen Lehre zumindest bei manchen Menschen diese Trennung, ist jedoch nicht unsterblich, sondern löst sich zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auf. Eine Unterwelt als Totenreich gibt es nicht, denn die Seele kann wegen ihrer relativen Leichtigkeit nur emporsteigen.cite-ref-127[127]

Die menschliche Seele hat als Besonderheit einen „herrschenden Teil“ (hēgemonikĂłn), der die TĂ€tigkeiten des Intellekts ausfĂŒhrt. Sein Sitz ist nach der Mehrheitsmeinung der Stoiker im Herzen. Vom hēgemonikĂłn gehen auch alle emotionalen Antriebe und ĂŒberhaupt jede psychische AktivitĂ€t aus. Dort werden alle EindrĂŒcke aufgenommen und gedeutet. Neben dem hēgemonikĂłn gibt es sieben untergeordnete Teile bzw. Funktionen: die fĂŒnf Sinne, das Sprachvermögen und das Fortpflanzungsvermögen. Im Rahmen dieser materiellen Seelentheorie deuteten die Stoiker die Wechselwirkung zwischen der Seele und dem Körper physikalistisch. Sie fĂŒhrten sie darauf zurĂŒck, dass die Seele sich anspanne und entspanne und damit auf den Körper Druck ausĂŒbe, worauf sie dessen Widerstand als Gegendruck registriere. Auf diesem Effekt beruhe die Selbstwahrnehmung des Individuums.cite-ref-128[128]

Die frĂŒhen Stoiker verwarfen die platonische Annahme verschiedenartiger Seelenteile mit unterschiedlichen oder gegensĂ€tzlichen, teils irrationalen Neigungen. Sie stellten ihr die Überzeugung entgegen, der herrschende intellektuelle Teil der Seele, das hēgemonikĂłn, sei die einheitliche Instanz, die alle Entscheidungen fĂ€lle. UnerwĂŒnschte und schĂ€dliche GefĂŒhlsregungen erklĂ€rten sie als Fehlfunktionen des hēgemonikĂłn, die von seinen falschen EinschĂ€tzungen herrĂŒhrten und insbesondere in Überschreitung der Grenzen des Angemessenen bestĂŒnden. So wurde das gesamte GefĂŒhlsleben auf rationale VorgĂ€nge in der Seele zurĂŒckgefĂŒhrt. Was als emotionaler Konflikt erscheint, ist demnach nur Ausdruck eines Schwankens der Vernunft in der Frage, welcher Vorstellung sie zustimmen soll. Daraus zogen die Stoiker die Konsequenz, den Tieren mentale Funktionen weitgehend abzusprechen.cite-ref-129[129]

Diese altstoischen Lehren verbreiteten sich in der radikalen, von Chrysippos stammenden Version, wurden aber schon in der mittleren Periode der Stoa erheblich abgewandelt. So lehrte Panaitios von Rhodos im 2. Jahrhundert v. Chr., dass die Seele mit dem Körper sterbe. Sein SchĂŒler Poseidonios vertrat die Existenz der Seele vor der Entstehung des Körpers und ihre Fortdauer nach dem Tod, hielt aber an ihrer VergĂ€nglichkeit fest. Er sprach ihr eine irrationale Komponente zu. In der jĂŒngeren Stoa der römischen Kaiserzeit vermieden Seneca († 65) und Mark Aurel († 180) eine eindeutige Festlegung hinsichtlich der Frage, was beim Tod aus der Seele wird, doch stand auch fĂŒr diese Stoiker fest, dass ein allfĂ€lliges Fortbestehen der körperlosen Seele zeitlich begrenzt und UnvergĂ€nglichkeit auszuschließen ist.cite-ref-130[130]

Epikureer

Epikur (342/341–271/270) fasste im Rahmen seines konsequenten Atomismus auch die Seele als materiellen Bestandteil des physischen Organismus auf, er hielt sie fĂŒr einen Körper innerhalb des Körpers. Daher gehört in seiner Philosophie die Seelenkunde zur Physik. Er verglich die Seelenmaterie mit Wind und Hitze und meinte, dass sie sich ĂŒber den gesamten Körper verteile. Von der grobstofflichen Materie unterscheide sich die seelische durch ihre feinere Beschaffenheit. Der römische Epikureer Lukrez beschrieb sie als eine Mischung von wĂ€rmeartigen, luftartigen und windartigen Atomen sowie einer vierten Atomart, welche die Übermittlung von Sinneswahrnehmungen an den Verstand ermögliche. Diese Atome seien glatt, rund und besonders klein und daher beweglicher als diejenigen der sonstigen Materie. Dies erklĂ€re die Geschwindigkeit der Gedanken. Als den Ort der psychischen AktivitĂ€t bezeichnete Lukrez die Brust. Wenn der Tod eintritt, löst sich nach der epikureischen Lehre die Seele auf, da ihre atomaren Bestandteile sich schnell zerstreuen. Der Zusammenhalt der Seelenmaterie ist nur durch deren Anwesenheit im Körper möglich. Die Wahrnehmung geschieht dadurch, dass sich von den Wahrnehmungsobjekten stĂ€ndig Atome ablösen, die der Struktur ihrer Herkunftsobjekte entsprechen und daher deren Abbilder sind. Sie strömen in alle Richtungen und erreichen so auch die wahrnehmende Seele, in der sie entsprechende EindrĂŒcke erzeugen. Somit setzt jede mentale VerĂ€nderung eine atomare voraus. Den durchgĂ€ngigen Determinismus, der aus einem solchen Weltbild abgeleitet werden kann, lehnte Epikur jedoch ab; er schrieb den Atomen geringfĂŒgige nicht determinierte Abweichungen von den Bahnen zu, denen sie nach physikalischer GesetzmĂ€ĂŸigkeit folgen mĂŒssten, und schaffte damit Raum fĂŒr die Vorstellung, dass es einen Zufall gibt.cite-ref-131[131]

Mittel- und Neuplatoniker

Der einflussreiche Mittelplatoniker Numenios und die Neuplatoniker forderten eine RĂŒckkehr zur ursprĂŒnglichen Lehre Platons, wobei sie die Kosmologie und die Seelenlehre betonten. Im Neuplatonismus wurde der platonische Grundsatz, das philosophische Leben als Vorbereitung auf den Tod – das heißt auf ein nachtodliches Dasein der Seele – aufzufassen, besonders akzentuiert. In der SpĂ€tantike stand die religiöse Dimension des Platonismus im Vordergrund. Der Neuplatonismus prĂ€sentierte sich als seelenbezogener Erlösungsweg und konkurrierte als solcher mit dem Christentum. Die PrĂ€existenz und Unsterblichkeit der Seele und die Seelenwanderung sowie das Ziel der Befreiung von der Materie waren Kernpunkte der neuplatonischen Philosophie, ebenso wie die Herkunft der Seele aus der immateriellen, göttlichen Welt und die Möglichkeit ihrer RĂŒckkehr in diese Heimat.

In manchen Einzelheiten gingen die Meinungen der Neuplatoniker allerdings auseinander. Plotin hielt an der pythagoreischen, auch von Platon vertretenen Auffassung fest, dass tierische und menschliche Seelen von Natur aus wesensgleich seien. Aus seiner Sicht sind die Unterschiede zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen nur Äußerlichkeiten, die mit der Verschiedenheit ihrer KörperhĂŒllen zusammenhĂ€ngen; sie spiegeln den jeweiligen zeitbedingten Zustand der Seelen. Konsequenterweise behauptete er sogar, die menschlichen Seelen seien von Natur aus den Göttern gleich.cite-ref-132[132] Im Gegensatz dazu lehrten Iamblichos von Chalkis, Syrianos und die anderen spĂ€ten Neuplatoniker, die Menschenseele sei ihrer Natur nach von den Seelen der vernunftlosen Lebewesen verschieden und inkarniere sich daher nur in menschlichen Körpern.cite-ref-133[133] Iamblichos verwarf auch die Lehre Plotins, nach der die Seele wĂ€hrend ihres Aufenthalts im Körper stĂ€ndig mit der intelligiblen Welt verbunden ist, da ihr oberster Teil immer dort weilt. Diese Annahme hielt er fĂŒr unvereinbar mit der Erfahrung, dass die Seele im Körper UnglĂŒck erlebt. Auch Proklos lehnte diese Auffassung Plotins ab.cite-ref-134[134]

Auch das platonische Konzept der Weltseele bauten die Mittel- und Neuplatoniker aus. So betrachtete Plotin die Weltseele als dritthöchste Hypostase im hierarchischen Aufbau der Gesamtwirklichkeit. Sie steht in Plotins Modell unterhalb des Einen und des aus dem Einen hervorgegangenen nous, der Weltvernunft. Die Weltseele ist aus dem nous „entstanden“, was aber nicht in zeitlichem Sinn zu verstehen ist, sondern metaphorisch im Sinn einer ĂŒberzeitlichen ontologischen Ordnung. Sie gehört der intelligiblen Welt als deren unterster Teil an. Unmittelbar darunter beginnt die sinnlich wahrnehmbare Welt, die Welt des „Werdens und Vergehens“, auf welche die Weltseele einwirkt. Nach Plotins Überzeugung umfasst die Weltseele alle Einzelseelen. Das Weltall ist ein einheitliches, von ihr beseeltes Lebewesen, woraus sich die Verbundenheit aller seiner Teile miteinander ergibt.cite-ref-135[135]

Mythologie und Kunst

In der Mythologie ist Psyche erst im 2. Jahrhundert literarisch belegt, als Hauptfigur in der ErzĂ€hlung Amor und Psyche des römischen Schriftstellers Apuleius.cite-ref-136[136] Dort erscheint Psyche als sterbliche Königstochter, die von ihrem Gemahl, dem Gott Amor, verlassen wird. Erst nachdem sie gefĂ€hrliche Aufgaben bewĂ€ltigt hat, darunter einen Abstieg in die Unterwelt, kann sie wieder mit ihm vereint werden und wird unter die Unsterblichen aufgenommen. Ob das Hauptanliegen des Autors phantasievolle, humoristische Unterhaltung war oder ein religiöses, an den Himmelsflug der Seele in Platons Phaidros anknĂŒpfendes LĂ€uterungsmotiv, wobei Psyche als Allegorie der menschlichen Seele aufzufassen wĂ€re, wird in der Literaturwissenschaft kontrovers diskutiert.cite-ref-137[137]

Das Motiv der Verbindung von Amor und Psyche ist allerdings weit Ă€lter. In der griechischen bildenden Kunst kommen MĂ€dchen mit VogelflĂŒgeln (spĂ€ter auch SchmetterlingsflĂŒgeln), die wohl als Psyche-Darstellungen anzusehen sind, an der Seite von ebenfalls geflĂŒgelten Amor-Gestalten schon seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. vor. Gelegentlich erscheint auf GemĂ€lden in Pompeji Psyche mit FledermausflĂŒgeln in AnknĂŒpfung an eine Stelle in der Odyssee,cite-ref-138[138] wo die Seelen der Toten mit FledermĂ€usen verglichen werden. Beliebt waren in der Antike Abbildungen der Seele als Seelenvogel oder Schmetterling, vor allem als Nachtfalter. Vasenmaler stellten die Seele oft als eidƍlon dar, als kleine geflĂŒgelte oder ungeflĂŒgelte, meist in der Luft flatternde oder durch die Luft eilende Gestalt eines Verstorbenen.cite-ref-139[139] Mitunter findet sich in Kunst und Literatur auch das Motiv der Seele in Schlangengestalt;cite-ref-140[140] so berichtet Porphyrios in seiner Biographie Plotinscite-ref-141[141] ĂŒber den Tod des Philosophen: „Da kroch eine Schlange unter der Bettstatt hindurch, auf der er lag, und schlĂŒpfte in ein Loch in der Wand, und er gab seinen Geist auf.“ Offensichtlich ist hier die Seelenschlange gemeint.

Die Frage nach dem Sitz der Seele

Schon in der Antike wurde versucht, den Sitz der Seele im Körper zu ermitteln und auch einzelne psychische Funktionen zu lokalisieren. Heraklit verglich die Seele mit einer Spinne, die in der Mitte ihres Netzes sitzt und, sobald eine Fliege einen der FĂ€den zerreißt, schnell herzueilt, als wĂŒrde ihr der Schaden im Netz Schmerz bereiten. So wie die Spinne begebe sich die Seele, wenn ein Körperteil verletzt sei, schleunig dorthin, als wĂ€re ihr die Verletzung des Körpers unertrĂ€glich.cite-ref-142[142] Aristoteles hielt das Gehirn fĂŒr blutloscite-ref-143[143] und meinte daher, es könne fĂŒr die Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen keine Rolle spielen.cite-ref-144[144] Er nahm an, dass alle Nerven von Sinnesorganen und Haut zum Herzen fĂŒhrten und dieses der Sitz der Seele und der Sinnesempfindungen sei.cite-ref-145[145] Im Zeitalter des Hellenismus gingen die Meinungen ĂŒber den Ort des Steuerungszentrums (hēgemonikĂłn) der mentalen VorgĂ€nge auseinander; die Lokalisierung im Herzen wurde von einem großen Teil der Gelehrten vertreten, wĂ€hrend andere fĂŒr das Gehirn plĂ€dierten. Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. untersuchte der Anatom Herophilos von Chalkedon die vier Hirnventrikel; er vermutete das wichtigste Steuerungszentrum im vierten (hintersten) Ventrikel.cite-ref-146[146]

Ein Hauptvertreter der Gehirnhypothese war der berĂŒhmte Arzt Galenos (2. Jahrhundert), der anatomisch argumentierte. Er meinte zwar, dass die Seele sich im Gehirn befinde, ortete sie aber nicht im Ventrikelsystem und wies die einzelnen VerstandestĂ€tigkeiten nicht bestimmten Hirnbereichen zu. Diese Zuweisung ist erst im spĂ€ten vierten Jahrhundert bezeugt (Poseidonios von Byzanz, Nemesios von Emesa).cite-ref-147[147] Nemesios bezeichnete die beiden vorderen Ventrikel als die Organe, die fĂŒr die Auswertung der Sinneswahrnehmungen und das Vorstellungsvermögen (phantastikĂłn) zustĂ€ndig sind, den mittleren als Organ des Denkvermögens (dianoētikĂłn) und den hintersten als Organ des GedĂ€chtnisses (mnēmoneutikĂłn). Er argumentierte, man könne dies bei SchĂ€digungen einzelner Ventrikel erkennen, die jeweils zur Störung oder zum Verlust der zugehörigen mentalen Funktionen fĂŒhren, und erklĂ€rte damit auch unterschiedliche psychische Krankheiten.cite-ref-148[148]

Judentum

Antike

In der hebrĂ€ischen Bibel, dem Tanach, stellen „Seele“ und Körper Aspekte des als Einheit aufgefassten Menschen dar. Die den Körper belebende Kraft – in religionswissenschaftlicher Terminologie die Körperseele oder Vitalseele – heißt im biblischen HebrĂ€isch nefesch (ڠڀک), neschama oder auch ru'ach (ŚšŚ•Ś—). Alle drei Begriffe bezeichnen ursprĂŒnglich den Atem. Weder nefesch noch neschama noch ru'ach ist etwas spezifisch Menschliches; die drei AusdrĂŒcke werden auch fĂŒr Tiere verwendet.cite-ref-149[149]

Neschama

Neschama (hebrĂ€isch Ś Ö°Ś©ÖžŚŚžÖžŚ”) ist der Lebensatem, den laut dem Buch Genesiscite-ref-150[150] Gott seinem aus Erde geformten Geschöpf Adam in die Nase einblies, womit er ihn zu einem lebendigen Wesen (nefesch) machte. Die konkrete Grundbedeutung von nefesch ist „Atem“ und „Atemweg“, „Kehle“ sowie wegen des Fehlens einer begrifflichen Unterscheidung zwischen Luft- und Speiseröhre auch „Gurgel“, „Schlund“. Daher bezeichnet das Wort auch die Quelle des mit der Nahrungsaufnahme verbundenen Verlangens (Hunger und Durst, Appetit und Gier) und in erweitertem Sinne auch den Sitz von sonstigem Begehren, von Leidenschaften und GefĂŒhlen wie Rachedurst, Sehnen und Zuneigung.cite-ref-151[151]

Nefesch

Nefesch (hebrĂ€isch ڠֶڀֶکځ nĂŠfĂŠĆĄ) ist als der belebende Atem die Lebenskraft, die den Menschen beim Tode verlĂ€sst,cite-ref-152[152] und das Leben, das bedroht, riskiert oder ausgelöscht wird.cite-ref-153[153] Im weitesten Sinne steht nefesch auch fĂŒr den gesamten Menschen mit Einbeziehung des Körpers und bedeutet dann „Person“ (auch beim ZĂ€hlen von Personen).cite-ref-154[154] Der Mensch hat nicht eine nefesch, sondern er ist sie und lebt als nefesch. Daher wird nefesch auch als Ersatz fĂŒr ein Pronomen verwendet, etwa in der Bedeutung von „jemand“.cite-ref-155[155] Der Gott JHWH hat eine nefesch, bei der er schwört.cite-ref-156[156] Sie kommt im Tanach einundzwanzigmal vor, allerdings nicht in allen seinen Teilen.cite-ref-157[157] Der physische TrĂ€ger der Lebenskraft ist das Blut.cite-ref-158[158] Ob das Wort nefesch sogar „Leichnam“ bedeuten konnte, ist strittig.cite-ref-159[159] Jedenfalls ist die in Ă€lteren deutschen Übersetzungen des Tanach ĂŒbliche Wiedergabe mit „Seele“ unpassend.cite-ref-160[160] Der Tanach schreibt nefesch weder eine Existenz vor der Entstehung des Körpers noch Unsterblichkeit zu, und nefesch tritt nirgends losgelöst vom Körper auf.cite-ref-161[161]

Ru'ach

Ru'ach (hebrĂ€isch ŚšŚ•ÖŒŚ—Ö· rĂ»aáž„) verbindet die Bedeutungen „Atem“, „Wind“ und „Geist“.cite-ref-162[162] Zu den einschlĂ€gigen hebrĂ€ischen AusdrĂŒcken gehört ferner das Wort leb („Herz“). Es bezeichnet neben dem physischen Organ auch die Lebenskraft, den Sitz der intellektuellen FĂ€higkeiten und der GefĂŒhle, des Willens und der EntschlĂŒsse und im weitesten Sinne die ganze Person.cite-ref-163[163]

Hellenistisches Judentum

Teile des spĂ€ten, insbesondere des hellenistischen Judentums kannten eine Fortexistenz des Menschen nach seinem irdischen Tode, die fĂŒr einen Teil der Autoren mit einer leiblichen Auferstehung verbunden sein musste, wĂ€hrend andere an eine vom Körper losgelöste Seele dachten.cite-ref-164[164] Es wurde ein Weltgericht beschrieben, in welchem die Toten nach ihren Werken gerichtet werden.cite-ref-165[165]

In den Schriften aus der Zeit des Zweiten Tempels und im Judentum der Diaspora (vor und nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr.) bestanden widersprĂŒchliche Vorstellungen nebeneinander. Die rabbinischen Theologen vertraten sehr unterschiedliche Ansichten. Einerseits wurde die „Seele“ weiterhin mit dem Leben oder der Person gleichgesetzt, andererseits ĂŒbernahmen griechisch beeinflusste gebildete Juden aus dem Platonismus und den philosophischen Strömungen des Hellenismus die Auffassung der Seele als eines eigenstĂ€ndigen, unabhĂ€ngig vom Körper existierenden Wesens. Unter ihnen war die Ansicht verbreitet, die Seele sei himmlischer Herkunft, der Leib irdischen Ursprungs. Die Essener nahmen nach dem Bericht des jĂŒdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephuscite-ref-166[166] eine unsterbliche, feinstoffliche Seele an, die im Körper wie in einem GefĂ€ngnis lebt und beim Tode befreit wird. Die PharisĂ€er glaubten an eine Auferstehung, die SadduzĂ€er hingegen bestritten Unsterblichkeit und Auferstehung.

Der im frĂŒhen 1. Jahrhundert tĂ€tige, stark vom Platonismus beeinflusste Philosoph Philon von Alexandrien meinte, die Vernunftseele sei zwar fĂŒr ein ewiges Leben bestimmt, doch seien manche Seelen nicht in der Lage, diese Bestimmung zu erfĂŒllen. Die Unsterblichkeit komme nicht von Natur aus allen Seelen zu, sondern sei die Belohnung fĂŒr richtiges Verhalten wĂ€hrend des irdischen Lebens. Nur den Tugendhaften sei die Ewigkeit beschieden, fĂŒr schlechte Menschen sei der Tod des Körpers mit Auslöschung ihrer Seelen verbunden.cite-ref-167[167]

Bei amorĂ€ischen Gelehrten kam die Annahme der PrĂ€existenz der Seele hinzu. Um 300 n. Chr. lehrte Rabbi Levi, Gott habe sich mit den Seelen beraten, bevor er sein Schöpfungswerk ausfĂŒhrte.cite-ref-168[168]

Mittelalter und Neuzeit

In der mittelalterlichen jĂŒdischen Philosophie setzte sich seit dem 9. und 10. Jahrhundert (Saadja ben Josef Gaon, Isaak Israeli) unter dem prĂ€genden Einfluss des Platonismus (nunmehr einschließlich des Neuplatonismus), der spĂ€ter auch indirekt ĂŒber Avicenna rezipiert wurde, die Überzeugung von der Unsterblichkeit der Seele durch, die Saadja mit einem betonten Auferstehungsglauben verband. FĂŒr die Unsterblichkeit plĂ€dierten insbesondere jĂŒdische Neuplatoniker des 11. und 12. Jahrhunderts wie Solomon ibn Gabirol (Avicebron), Bachja ben Josef ibn Paquda, Abraham bar Chijja und Abraham ben Meir ibn Ezra. Allerdings verstanden manche jĂŒdische Philosophen des Mittelalters unter Unsterblichkeit nicht eine individuelle Fortexistenz, sondern ein Aufgehen der Seelen der Verstorbenen in der geistigen Welt. Dabei gingen sie davon aus, dass die Materie als Individuationsprinzip mit dem Tode wegfalle und die einzelne Seele ihr auf diesem Prinzip basierendes separates Dasein ohne den Körper nicht fortsetzen könne.cite-ref-169[169] Die Seele, die Saadja noch fĂŒr feinstofflich gehalten hatte, wurde seit dem Hochmittelalter allgemein als unkörperliche Substanz aufgefasst; man betonte ihren rationalen Aspekt. Schwierigkeiten bereitete die Unsterblichkeitsidee den Aristotelikern des 12. Jahrhunderts, Abraham ibn Daud (Abraham ben David Halevi) und Maimonides (Mosche ben Maimon), die die Seele in aristotelischem Sinne als Form des Körpers betrachteten. WĂ€hrend Abraham ibn Daud meinte, dass die Seele mit dem Körper entstehe, aber in der Unsterblichkeitsfrage der platonischen Auffassung folgte, unterschied Maimonides zwischen einer angeborenen, sterblichen Seele und einer erworbenen, den Körper ĂŒberdauernden Vernunftseele. Anscheinend glaubte Maimonides, dass die Vernunftseele im Jenseits nicht ein separates Individuum bleibe, sondern im göttlichen aktiven Intellekt aufgehe,cite-ref-170[170] doch vermied er es, dies klar zu formulieren.cite-ref-171[171]

Noch stĂ€rker als bei den mittelalterlichen jĂŒdischen Philosophen machte sich die neuplatonische Denkweise in der Kabbala bemerkbar. Dort wurde die PrĂ€existenz der Seele und die Seelenwanderung (hebrĂ€isch gilgul) gelehrt. Nach einer im Buch Bahir dargestellten Tradition gibt es eine feste Zahl von prĂ€existenten Seelen. AnfĂ€nglich waren sie alle an einem guf genannten Ort versammelt, der StĂ€tte der Seelen, die auf ihren Eintritt in einen Körper warten. Da laufend Menschen geboren werden, entleert sich der guf im Lauf der Zeit, bis schließlich die Geschichte durch völlige Entleerung des guf ihr Ende erreichen wird. Allerdings verzögert sich dieser Prozess durch die SĂŒnde, denn unreine Seelen mĂŒssen zu ihrer LĂ€uterung die Seelenwanderung durchmachen.cite-ref-172[172] In kabbalistischem Schrifttum kommt die Seelenwanderung seit dem 12. Jahrhundert vor. Insbesondere in der von Isaak Luria (1534–1572) begrĂŒndeten lurianischen Kabbala, einer in der Folgezeit einflussreichen Strömung, spielt sie eine wichtige Rolle.cite-ref-173[173]

Christentum

Neues Testament

Im Neuen Testament kommt der griechische Begriff ÏˆÏ…Ï‡Îź (psyche) vor, der in Ă€lteren BibelĂŒbersetzungen mit „Seele“ wiedergegeben wird. Schon in der Septuaginta, der von jĂŒdischen Gelehrten angefertigten griechischen Tanach-Übersetzung, war der hebrĂ€ische Begriff ڠڀک (nefesch) mit psyche ĂŒbersetzt worden.cite-ref-174[174] In den Evangelien ist an den meisten Stellen, wo von psyche die Rede ist, „Leben“ im Sinne von nefesch gemeint, speziell zur Bezeichnung der Eigenschaft eines bestimmten Individuums – Mensch oder Tier –, lebendig zu sein. Dahinter steht die traditionelle Vorstellung eines mit dem Atem verbundenen, in der Kehle lokalisierten „Lebensorgans“.cite-ref-175[175] In diesem Sinne ist davon die Rede, dass die psyche als das Leben einer Person bedroht ist (Mt 2,20 ), etwa durch Mangel an Nahrung (Mt 6,25 ; Lk 12,22f. ), oder dass sie entzogen wird (Lk 12,20 ) und verloren wird (Mk 8,35–37 ). Die psyche ist der Sitz und Ausgangspunkt des Denkens, FĂŒhlens und Wollens.cite-ref-176[176] In den neueren BibelĂŒbersetzungen wird psyche nicht mit „Seele“, sondern mit „Leben“, „Mensch“ oder einem Personalpronomen ĂŒbersetzt.cite-ref-177[177] Dieser ganzheitlichen Auffassung vom Menschen entspricht die schon im Urchristentum vorhandene Vorstellung einer leiblichen Auferstehung und einer leib-seelischen Einheit bei den Auferstandenen im Jenseits. Die Auferstehung Jesu wird als „Wiederaufnehmen“ der zuvor „hingegebenen“ psyche verstanden (Joh 10,17f. ).

Andere Stellen zeigen jedoch, dass das neutestamentliche VerhĂ€ltnis von Leib und Seele kompliziert ist. Der Begriff psyche ist unscharf, an manchen Stellen wohl mehrdeutig, die ÜbergĂ€nge zwischen seinen Bedeutungen sind fließend.cite-ref-178[178] Erkennbar ist ein Bedeutungswandel: Die Sprachentwicklung spiegelt das Aufkommen dualistischer Vorstellungen von Leib und Seele in der Anthropologie des hellenistischen Judentums. Die psyche im Sinne des neuen, hellenistisch geprĂ€gten Sprachgebrauchs existiert – anders als die alttestamentliche nefesch – unabhĂ€ngig vom Leib und kann nicht getötet werden (Mt 10,28 ; siehe auch Offb 6,9 und Offb 20,4 ). Sie wird als ein dem Leib gegenĂŒberstehender Teil des Menschen aufgefasst. Diese Bedeutungsverschiebung lĂ€sst sich durch den Einfluss philosophischer Konzepte griechischen Ursprungs erklĂ€ren.cite-ref-179[179] Nach 1 Petr 3,19f. begab sich Jesus – anscheinend zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung, also ohne seinen Leib – zu „im Kerker“ gefangenen „Geistern“, die zur Zeit der Sintflut ungehorsam gewesen waren, und predigte ihnen. Mit „Geistern“ (griechisch pneĂșmasin) sind hier vermutlich Seelen gemeint, die den Tod ihrer Körper ĂŒberlebt haben und sich in der Unterwelt (Scheol) aufhalten; die Aussage wird traditionell und auch in neuerer Fachliteratur auf die „Höllenfahrt Christi“ bezogen, die Interpretation der schwierigen Stelle ist allerdings strittig.cite-ref-180[180] Dass den Toten – also körperlosen Seelen verstorbener Menschen – das Evangelium verkĂŒndet worden sei, wird in 1 Petr 4,6 mitgeteilt.cite-ref-181[181] In Offb 6,9–11 sieht der VisionĂ€r „die Seelen (psychĂĄs) derer, die geschlachtet worden waren“ und hört sie mit lauter Stimme rufen. Hier wird die Vorstellung einer Wahrnehmungs- und HandlungsfĂ€higkeit der Seelen, die nach der Vernichtung ihrer Körper weiterhin leben, vorausgesetzt.

Der Apostel Paulus verwendet den Begriff psyche in seinen Briefen nur elfmal und vermeidet ihn bei Aussagen ĂŒber das Leben nach dem Tode. Seine Seelenvorstellung ist teils von jĂŒdischem Denken, teils von der griechischen Philosophie und ihrer Terminologie geprĂ€gt.cite-ref-182[182]

Epoche der KirchenvÀter

Die Apologeten des 2. Jahrhunderts setzten sich im Rahmen ihrer Verteidigung des Christentums auch mit den damals verbreiteten philosophischen Auffassungen ĂŒber die Seele auseinander. Sie nahmen zwar wie die Platoniker und alle spĂ€teren KirchenvĂ€ter eine Fortexistenz der Seele bzw. des Geistes nach dem Tode an, bestanden aber wegen der Auferstehungslehre auf einer Verbindung von Leib und Seele auch im Jenseits, einer fĂŒr Platoniker ausgeschlossenen Vorstellung. Justin der MĂ€rtyrer verwarf die platonische Lehre, wonach die Seele von Natur aus unsterblich ist; er meinte, sie sei ihrer eigenen Natur nach vergĂ€nglich und nur durch Gottes Willen unsterblich.cite-ref-183[183] Tatian bezeichnete die Seele als zusammengesetzt. Er unterschied zwischen einer von Natur aus sterblichen Seele (psyche), welche auch Tiere haben (denen er sogar Verstand zusprach), und einem unsterblichen Geist (pneuma) des Menschen.cite-ref-184[184] In der Schrift Über die Auferstehung der Toten aus dem 2. Jahrhundert, die vielleicht von Athenagoras von Athen stammt,cite-ref-185[185] wird behauptet, die Auferstehung des Leibes und seine Wiedervereinigung mit der Seele sei notwendig. Der Argumentation des Autors zufolge wĂŒrde die menschliche Natur als solche aufgehoben, wenn die Seele allein fortbestĂŒnde. Die Verbindung der Seele mit dem Körper wĂ€re zwecklos, wenn sie auf die Dauer des irdischen Lebens beschrĂ€nkt bliebe. Diese Möglichkeit sei auszuschließen, denn unter Gottes Werken und Gaben könne nichts UnnĂŒtzes sein. Daher mĂŒsse auch die Verbindung der beiden Bestandteile des Menschen sinnvoll und somit auf Dauerhaftigkeit angelegt sein.cite-ref-186[186]

Auch Bischof IrenĂ€us von Lyon, der sich in der zweiten HĂ€lfte des 2. Jahrhunderts als theologischer Schriftsteller betĂ€tigte, nahm zum nachtodlichen Schicksal der Seele Stellung. Er lehrte, dass nach dem Tode des Körpers die Seele dessen Merkmale und Form behaltecite-ref-187[187] und sich in die Unterwelt (Hades) begeben mĂŒsse, die sie erst zur Zeit der kĂŒnftigen Auferstehung verlassen werde. Bei der Auferstehung erhalte sie wiederum ihren Leib.cite-ref-188[188] IrenĂ€us bekĂ€mpfte die christlichen Gnostiker, darunter die Karpokratianer, die die Seele fĂŒr prĂ€existent hielten und eine Seelenwanderung annahmen.cite-ref-189[189] Er meinte, der „natĂŒrliche“ Mensch sei aus Leib und Seele zusammengesetzt, der „vollkommene Mensch“ hingegen sei dreiteilig, da der „Geist Gottes“ in seine Seele eintrete und sich mit ihr verbinde.cite-ref-190[190]

Tertullian († nach 220), der sich scharf gegen die griechische Philosophie wandte, verfasste eine Schrift Über die Seele. Er betrachtete die Seele als materiell (feinstofflich, licht- und luftartig) und schrieb ihr eine Gestalt zu, die derjenigen des Körpers entspreche. Dabei argumentierte er, dass die Seele keine Auswirkungen körperlicher ZustĂ€nde erleben könnte, wenn sie nicht selbst körperlich wĂ€re. Nach seiner Ansicht ist sie von Natur aus unsterblich und hinsichtlich ihrer Substanz einfach (einheitlich), er lehnte also die Idee von Seelenteilen ab.cite-ref-191[191] Tertullian meinte, dass die Seele des Kindes bei der Zeugung aus dem Samen des Vaters hervorgehe wie ein Spross aus einer Pflanze und daher jede Menschenseele ein Zweig aus Adams Seele sei. Durch diese Übertragung elterlicher Seelensubstanz auf das Kind erklĂ€rte er die Vererbung geistiger Eigenschaften und die (damals noch nicht so bezeichnete) ErbsĂŒnde.cite-ref-192[192] Diese Lehre, der Traduzianismus (von lateinisch tradux, „Spross“), eine Form des Generatianismus, fand als ErklĂ€rung fĂŒr die ErbsĂŒnde manche BefĂŒrworter, wurde aber spĂ€ter von der katholischen Kirche verworfen.

Clemens von Alexandria († 215 oder 221) war stark von der platonischen und der stoischen Denkweise beeinflusst. Er hielt die Seele zwar fĂŒr feinstofflich, im Unterschied zu Tertullian bezeichnete er sie jedoch als (relativ) unkörperlich.cite-ref-193[193] Er unterschied zwei Seelenteile, das pneuma hegemonikĂłn („regierender Geist“, Vernunftseele) und einen niederen, vernunftlosen Teil (Wahrnehmung, emotionale und vegetative Funktionen); daneben verwendete er gelegentlich auch ein auf stoischen Ideen fußendes Schema mit zehn Seelenteilen. FĂŒr den vernunftlosen Seelenteil nahm er Fortpflanzung im Sinne des Generatianismus an, die Vernunftseele trete dann hinzu.cite-ref-194[194] Wie auch andere KirchenvĂ€ter meinte Clemens, die Seele warte im Hades auf die Auferstehung des Leibes.cite-ref-195[195]

Ein SchĂŒler des Clemens war Origenes († um 253/254). Nach seiner Argumentation muss die Seele (das heißt, ihr geistiger Teil oder Aspekt) unkörperlich sein, denn sonst könnte sie Unsichtbares und Unkörperliches nicht erkennen und auch nicht ĂŒber ein GedĂ€chtnis verfĂŒgen; auch mĂŒsste ihr, wenn sie körperlich wĂ€re, eine bestimmte sinnlich wahrnehmbare Substanz als Objekt zugeordnet sein so wie den körperlichen Sinnen.cite-ref-196[196] Origenes nahm eine PrĂ€existenz der Seele an. SpĂ€ter wurde ihm von gegnerischer Seite unterstellt, er habe auch die Seelenwanderung gelehrt. Er vertrat eine trichotome (dreiteilige) Anthropologie, wonach der Mensch aus einer Dreiheit besteht: Körper, Seele und „Lebensgeist“; außerdem erwog er die Möglichkeit, dass im Menschen zwei Seelen sind, eine prĂ€existente himmlische und daneben eine niedere irdische, die bei der Zeugung entsteht; diese Frage ließ er offen.cite-ref-197[197]

Laktanz († wohl 325) vertrat als erster klar und nachdrĂŒcklich den Kreatianismus, die dem Traduzianismus entgegengesetzte Lehre,cite-ref-198[198] die sich spĂ€ter in der katholischen Kirche gĂ€nzlich durchgesetzt hat. Der Kreatianismus besagt, dass die Seele weder vor der Zeugung bereits in einer geistigen Welt existiert noch durch die Fortpflanzung von den Eltern empfangen wird, sondern zum Zeitpunkt der EmpfĂ€ngnis unmittelbar von Gott geschaffen und in den sich bildenden Körper eingefĂŒgt wird. Auch Hieronymus trat fĂŒr den Kreatianismus ein.cite-ref-199[199] Augustinus († 430) hingegen schwankte, da er fĂŒr den Kreatianismus einerseits VerstĂ€ndnis aufbrachte, andererseits aber nicht in der Lage war, eine solche Erschaffung der Seelen mit der ErbsĂŒnde zu vereinbaren.cite-ref-200[200] Er vertrat die Einheit der Seele gegen die platonische Lehre von den Seelenteilen, nahm aber innerhalb der Seele eine Stufung in Anlehnung an die aristotelischen Tradition vor: rationale Seele (Seelenfunktion) mit Geist (mens) und Willen, irrationale Seelenfunktion mit Trieb, Sinneswahrnehmung und GedĂ€chtnis und „nur lebende“ (vegetative) Seelenfunktion. Eingehend bemĂŒhte sich Augustinus um einen Nachweis der Unkörperlichkeit und ImmaterialitĂ€t der Seele.cite-ref-201[201]

Eine dreiteilige Anthropologie mit soma, psyche und nous (Körper, Seele und Geist) vertrat im spÀten 4. Jahrhundert der Bischof Apollinaris von Laodicea, wobei er sich auf eine Paulus-Stelle berief.cite-ref-202[202] Seine Anwendung dieser Lehre auf die Christologie, wonach Christus eine menschliche psyche hat, an die Stelle des menschlichen nous bei ihm jedoch der göttliche logos tritt, wurde spÀter von der Kirche verurteilt.

Mittelalter

Die katholische Seelenlehre des Mittelalters orientierte sich jahrhundertelang an den KirchenvĂ€tern, vor allem an Augustinus, dessen Ansichten in dem populĂ€ren Traktat De statu animae („Über die Beschaffenheit der Seele“) des Kirchenschriftstellers Claudianus Mamertus (5. Jahrhundert) und in der aus dem 6. Jahrhundert stammenden Schrift Cassiodors De anima („Über die Seele“) zusammengefasst waren. Der Einfluss der platonischen Denkweise machte sich sowohl durch Augustinus als auch durch die ebenfalls sehr geschĂ€tzten theologischen Werke des spĂ€tantiken Neuplatonikers Pseudo-Dionysius Areopagita geltend. Hinzu kam der seit dem 11. Jahrhundert in lateinischer Übersetzung vorliegende spĂ€tantike Traktat Über die Natur des Menschen des Bischofs Nemesios von Emesa, der fĂŒr die Betrachtung der Seele unter anthropologischem Gesichtspunkt eine wichtige Rolle spielte. Nemesios trat fĂŒr die PrĂ€existenz der Seele ein. Als AnhĂ€nger der platonischen Auffassung, die der Seele ein eigenstĂ€ndiges Dasein zuschreibt, bekĂ€mpfte er die aristotelische Lehre von der Seele als Entelechie des Leibes.cite-ref-203[203]

Besonders stark vom Platonismus beeinflusst war der irische Philosoph Johannes Scottus Eriugena (9. Jahrhundert), der meinte, dass der Mensch nicht einen Intellekt habe, sondern sein „wahres und höchstes Wesen“ nichts anderes als der Intellekt sei.cite-ref-204[204] Die menschliche Seele betrachtete Eriugena als einen Aspekt der Weltseele.cite-ref-205[205] Auch im 12. Jahrhundert griffen einige Theologen, insbesondere Abaelard, Wilhelm von Conches und Thierry von Chartres, die platonische Idee einer Weltseele auf. Sie identifizierten die Weltseele mit dem Heiligen Geist. Diese Auffassung erregte allerdings Anstoß und wurde auf Betreiben Bernhards von Clairvaux von der Kirche verurteilt; daraufhin gaben Abaelard und Wilhelm von Conches sie auf.cite-ref-206[206] Andere Theologen des 12. Jahrhunderts wie Robert von Melun und der einflussreiche Augustiner-Chorherr Hugo von St. Viktor meinten, dass das Personsein des Menschen allein der Seele zukomme und diese daher der eigentliche Mensch sei.cite-ref-207[207] Die Gegenposition, wonach nicht die Seele, sondern nur der Mensch als Person bezeichnet werden kann, vertraten Gilbert von Poitiers (Gilbertus Porretanus) und seine SchĂŒler;cite-ref-208[208] dieser Standpunkt setzte sich schließlich durch. Die meisten Theologen waren damals der Meinung, die Unsterblichkeit der Seele sei philosophisch nicht beweisbar und nur aus der biblischen Offenbarung abzuleiten.cite-ref-209[209]

Die Vorherrschaft der platonischen Seelenauffassung endete, nachdem die im 12. Jahrhundert von Jakob von Venedig angefertigte lateinische Übersetzung von Aristoteles’ Schrift De anima („Über die Seele“) im frĂŒhen 13. Jahrhundert in Gelehrtenkreisen allgemein bekannt geworden war. Dieses Werk wurde zusammen mit dem ausfĂŒhrlichen Kommentar des Averroes eifrig studiert und oft kommentiert; ebenso wie andere Schriften des Aristoteles wurde es an den UniversitĂ€ten ein grundlegendes Lehrbuch.cite-ref-210[210] Der aristotelische Grundsatz, dass die Seele die Entelechie des Körpers ist und das VerhĂ€ltnis der beiden dasjenige von Form und Materie ist, und die Lehre von den drei Seelenteilen (intellektive, sensitive und vegetative Seele im Menschen) waren die Basis der Überlegungen und Diskussionen der spĂ€tmittelalterlichen Magister; den Rahmen ihrer anthropologischen ErkenntnisbemĂŒhungen bildeten generell die Terminologie und die Definitionen des Aristoteles.

Ein schwieriges, oft erörtertes Problem bestand in der Aufgabe, das aristotelische SeelenverstĂ€ndnis mit dem Unsterblichkeitskonzept zu vereinbaren, auf das auch die Aristoteliker aus theologischen GrĂŒnden nicht verzichten wollten. Dabei ging es um die Frage, ob die Seele eine wesenhaft selbstĂ€ndige Substanz ist, ein hoc aliquid („dieses Etwas“), das die vollstĂ€ndige Natur einer Spezies in sich trĂ€gt, wie die platonisch denkenden Gelehrten meinten, oder ob sie im Sinne der von Aristoteles gegebenen Definition als Form des Körpers nur Teil eines solchen hoc aliquid – nĂ€mlich des Menschen – ist.cite-ref-211[211] Die erstere Auffassung vertraten zahlreiche Theologen und Philosophen in teils radikaleren, teils gemĂ€ĂŸigten Varianten, teils nur hinsichtlich der intellektiven Seele (Roger Bacon), teils auch hinsichtlich der sensitiven Seele der Tiere und der vegetativen der Pflanzen (Galfrid von Aspall). Daraus wurde mitunter ausdrĂŒcklich die Konsequenz gezogen, im Sinne der neuplatonischen Tradition die Seele als zusammengesetzt aus Form und geistiger Materie (materia spiritualis) aufzufassen und damit ihre EigenstĂ€ndigkeit gegenĂŒber dem Körper zu untermauern (Roger Bacon, Bonaventura).cite-ref-212[212] Die aristotelische Gegenposition vertrat der Dominikaner Thomas von Aquin so konsequent, wie es bei BerĂŒcksichtigung der Unsterblichkeitslehre möglich war. Er stellte die Behauptung auf, die Seele sei die einzige Form des Körpers (anima unica forma corporis), womit er die Zusammengehörigkeit von Seele und Körper unterstrich. Dieser Satz wurde ein Kernbestandteil des von ihm begrĂŒndeten Thomismus. Die gegenteilige Position, wonach es im Menschen eine Mehrzahl von Formen gibt und der Körper unabhĂ€ngig von der Seele eine eigene Form (forma corporeitatis) hat, wurde insbesondere von Franziskanern vertreten, darunter Bonaventura und Johannes Duns Scotus.cite-ref-213[213]

Von einer Lehrmeinung des Augustinus ausgehend meinten manche Philosophen, die Seele sei fĂŒr sich selbst ein unmittelbar zugĂ€ngliches Erkenntnisobjekt; daher sei die zuverlĂ€ssigste Erkenntnis, die sie besitzen könne, die intuitive Selbsterkenntnis. Über diese verfĂŒge sie ohne Hilfe eines von anderswoher empfangenen Erkenntnisbildes. Der gegenteiligen, streng aristotelischen Sichtweise zufolge, die Thomas von Aquin vertrat, gelangt die Seele nur indirekt zur Selbsterkenntnis, nĂ€mlich durch einen Akt, der sich auf ein Ă€ußeres Erkenntnisobjekt richtet; dadurch erhĂ€lt sie ein Erkenntnisbild, und die Erkenntnisgewinnung geschieht diskursiv und reflexiv durch RĂŒckwendung der Seele auf sich selbst.cite-ref-214[214]

Hinsichtlich des VerhĂ€ltnisses der Seele zur Außenwelt wurde kontrovers diskutiert, inwieweit die Seele gemĂ€ĂŸ einer berĂŒhmten Feststellung des Aristotelescite-ref-215[215] „in gewisser Weise alles“ (Seiende) sei. Diese Aussage wurde im Sinne des Aristoteles damit begrĂŒndet, dass die Seele fĂ€hig sei, die Erkenntnisbilder alles Erkennbaren aufzunehmen und in sich zu tragen. Ferner wurde behauptet, die Seele verfĂŒge ĂŒber angeborene Erkenntnisbilder der Außenweltobjekte. Überdies wurde angefĂŒhrt, es bestehe eine Ähnlichkeits- oder Analogiebeziehung zwischen der Seele und den Außenweltobjekten; insofern umfasse die Seele als „Mikrokosmos“ den „Makrokosmos“ (die gesamte Wirklichkeit), da sie ihn abbilde. Eine solche Realentsprechung oder Analogie zwischen der Seele und dem gesamten Kosmos war die starke Variante der Mikrokosmos-Theorie; die schwache Variante ließ die Theorie nur „in gewisser Weise“ gelten.cite-ref-216[216]

Turbulent verliefen die Auseinandersetzungen um den Averroismus. Der muslimische Philosoph Averroes, der als Aristoteles-Kommentator in der katholischen Welt viel Beachtung fand, hatte an Aristoteles anknĂŒpfend gelehrt, dass es nur einen einzigen universellen Intellekt gebe und daher in allen Menschen ein und derselbe Intellekt tĂ€tig sei und die Erkenntnis herbeifĂŒhre. Damit wurde das individuelle Fortleben der vernunftbegabten Seele nach dem Tode in Zweifel gezogen, was zu heftigen Reaktionen mancher Theologen und der kirchlichen Obrigkeit fĂŒhrte. Außerdem war in averroistisch beeinflussten Kreisen die Überzeugung verbreitet, die TĂ€tigkeit des Intellekts sei das Merkmal, das den Menschen zum Menschen mache, und daher sei das philosophische Leben die Vollendung des Menschseins; wer den Intellekt vernachlĂ€ssige, könne nur in einem uneigentlichen Sinne (aequivoce) Mensch genannt werden. Auch Albert der Große betonte, der Mensch sei seinem Wesen nach identisch mit dem, was das VorzĂŒglichste in ihm sei, nĂ€mlich dem Intellekt (homo solus intellectus). Dagegen wurde jedoch eingewendet, dass nach Aristoteles die Körpermaterie zur Wesens- und Begriffsbestimmung des Menschen gehört. Besonders Thomas von Aquin bekĂ€mpfte die Gleichsetzung des Menschen – als Art oder auch als Individuum – mit der Seele; die Formulierung, dass der Mensch Intellekt sei, akzeptierte er nur in einer stark abgeschwĂ€chten Auslegung.cite-ref-217[217]

Intensiv wurden im SpĂ€tmittelalter Fragen diskutiert, die sich auf die Rolle des möglichen und des tĂ€tigen Intellekts und das VerhĂ€ltnis des Intellekts zur Seele oder die Funktion des Intellekts in der Seele bezogen. An neuplatonische Ideen anknĂŒpfend fasste Dietrich von Freiberg den tĂ€tigen Intellekt als „Seelengrund“ auf, also nicht als Potenz der Seele, sondern als begrĂŒndenden Ursprung ihres Wesens. Dieses Konzept wurde von Meister Eckhart abgewandelt. Er betonte, dass der Seelengrund oder das „SeelenfĂŒnklein“ nicht der tĂ€tige Intellekt und nicht „etwas an der Seele“ (aliquid animae) sei, sondern „etwas in der Seele“ (aliquid in anima). Dieses FĂŒnklein sei in gewisser Hinsicht geschaffen, in anderer – wesentlicherer – Hinsicht ungeschaffen und unerschaffbar und damit zur Gotteserkenntnis befĂ€higt, welche allem Geschaffenen prinzipiell verschlossen bleibe, weil Gott ungeschaffen und damit von allem Geschaffenen absolut verschieden sei.cite-ref-218[218]

Ein weiterer Themenbereich, dem die spĂ€tmittelalterlichen Philosophen im Anschluss an Aristoteles viel Beachtung schenkten, war die Beschaffenheit der Tierseele, also die Frage nach den mentalen FĂ€higkeiten der Tiere (Gelehrigkeit, Vorstellungskraft, GedĂ€chtnis, zweckmĂ€ĂŸiges Handeln, VerstĂ€ndigung ĂŒber innere ZustĂ€nde durch LautĂ€ußerungen, deren Bedeutung erfasst wird). Den Tieren wurde anstelle des menschlichen Verstandes eine „EinschĂ€tzungskraft“ (virtus aestimativa) der sensitiven Seele zugeschrieben, mit der beispielsweise ein Schaf den Wolf auch dann als Feind erkennt, wenn es noch nie zuvor einen Wolf gesehen hat, und mit der die Tiere wissen, welche Nahrung fĂŒr sie bekömmlich ist. Diskutiert wurde, inwieweit diese FĂ€higkeit der Tierseele als verstandesĂ€hnlich einzustufen ist. Eine weitere Frage war, ob bei Tieren eine freie Wahlentscheidung vorkommt. In diesem Zusammenhang richtete sich das Interesse auch auf die mentalen Eigenschaften angenommener Mittelwesen oder Zwischenstufen zwischen Mensch und Tier, zu denen manche Gelehrte wie Albert der Große die PygmĂ€en zĂ€hlten.cite-ref-219[219]

Die faktische Gleichsetzung der Person mit der Seele fand in Begriffen wie „Seelenheil“ (salus animae) und „Seelsorge“ (cura animarum) Ausdruck. Das Gebet fĂŒr das Heil der „armen Seelen“ Verstorbener im Fegefeuer war in der Volksfrömmigkeit verwurzelt. Es wurde eifrig betrieben und bildete insbesondere eine wichtige Aufgabe der Mönche, die diesen Gebetsdienst im Rahmen der Liturgie vollzogen. Zur allgemeinen FĂŒrbitte fĂŒr die Seelen im Fegefeuer wurde der Gedenktag Allerseelen eingefĂŒhrt, der in der katholischen Kirche alljĂ€hrlich am 2. November begangen wird.

Neuzeit

In der Neuzeit ist die Seelenlehre der KirchenvĂ€ter in ihren GrundzĂŒgen sowohl auf katholischer als auch auf evangelischer Seite bis in die Moderne vorherrschend geblieben, wenngleich es in der evangelischen Theologie schon in der Reformationszeit zur Neuinterpretation einzelner Aspekte kam.

Nachdem aristotelisch und averroistisch orientierte Philosophen Argumente gegen die herkömmliche Unsterblichkeitslehre vorgebracht hatten, reagierte die katholische Kirche auf dem FĂŒnften Laterankonzil mit einer dogmatischen Definition, die am 19. Dezember 1513 von den KonzilsvĂ€tern beschlossen wurde. In der Bulle Apostolici regiminis schrieb das Konzil die individuelle Unsterblichkeit der menschlichen Seele als verbindliche Glaubenswahrheit fest. Der Konzilstext drĂŒckte die Überzeugung aus, es handle sich um eine nicht nur geoffenbarte, sondern auch auf natĂŒrlichem Wege mittels der Vernunft einsehbare Tatsache; gegenteilige Meinungen seien nicht nur theologisch, sondern auch philosophisch unhaltbar.cite-ref-220[220] Ein namhafter Vertreter der Gegenmeinung war der Philosoph Pietro Pomponazzi (1462–1525), der lehrte, die Unsterblichkeit der Seele sei eine bloße Glaubenswahrheit und philosophisch nicht bewiesen.cite-ref-221[221] Die lehramtliche Festlegung des FĂŒnften Laterankonzils ist noch heute ein fester Bestandteil der katholischen Dogmatik. Auch hinsichtlich der Entstehung der Seele und ihrer Verbindung mit dem Körper steht die katholische Kirche in der antiken und mittelalterlichen Tradition. So stellte Papst Pius XII. 1950 in der Enzyklika Humani generis fest: Daß nĂ€mlich die Seelen unmittelbar von Gott geschaffen werden, heißt uns der katholische Glaube festzuhalten.cite-ref-222[222] Damit wendet sich die Kirche gegen den Traduzianismus, der annimmt, die Seele des Kindes werde diesem bei der Zeugung aus den Seelen der Eltern mitgeteilt, indem ein Teil der elterlichen Seelensubstanz durch den körperlichen Samen auf das Kind ĂŒbergehe. Die traditionelle Lehre wurde 2005 im Katechismus der Katholischen Kirche bekrĂ€ftigt: Die Geistseele kommt nicht von den Eltern, sondern ist unmittelbar von Gott geschaffen; sie ist unsterblich. Sie geht nicht zugrunde, wenn sie sich im Tod vom Leibe trennt [
].cite-ref-223[223]

Auf evangelischer Seite wandte sich Martin Luther gegen die aristotelische Bestreitung der Unsterblichkeit der Seele.cite-ref-224[224] Er lehnte aber auch das Dogma des FĂŒnften Laterankonzils nachdrĂŒcklich ab. Ihm missfiel die Vorstellung des Thomismus und der KonzilsvĂ€ter, die Seele werde unabhĂ€ngig vom Leib erschaffen und diesem dann eingegossen. Eine solche Anthropologie kann nach Luthers Meinung die erbsĂŒndliche Verdorbenheit des ganzen Menschen nicht erklĂ€ren. Daher nahm er an, die Seele werde nicht von außen her in den Leib hineingestoßen, sondern Gott wirke sie von innen heraus durch seinen belebenden Atemhauch und sein allmĂ€chtiges Wort.cite-ref-225[225] Anderer Meinung war der Reformator Johannes Calvin, der eine stark platonisch geprĂ€gte Seelenlehre vertrat und den Körper als GefĂ€ngnis der Seele bezeichnete. Er betrachtete die Seele als immaterielle und unsterbliche Substanz und deutete den Tod als Befreiung der Seele vom Körper und damit auch als Erlösung von den SĂŒnden.cite-ref-226[226]

In der Moderne haben manche evangelische Theologen einen radikalen Bruch mit der herkömmlichen Seelenlehre vollzogen, indem sie die Existenz der Seele als eigenstĂ€ndige Substanz und damit auch ihre Trennbarkeit vom Leib und ihre Unsterblichkeit bestritten. Ihrer Auffassung nach stirbt die Seele zusammen mit dem Körper, da sie mit ihm eine unauflösliche Einheit bildet. Die kĂŒnftige Auferstehung ist somit nicht eine Wiederverbindung der ununterbrochen fortexistierenden Seele mit dem auferstandenen Körper, sondern Auferstehung des ganzen Menschen. Diese Lehre ist als „Ganztodtheorie“ bekannt. Zu ihren Vertretern zĂ€hlen Paul Althaus, Karl Barth, Emil Brunner, Eberhard JĂŒngel, JĂŒrgen Moltmann und Oscar Cullmann. Die dem Ganztod-Konzept zugrundeliegende Denkweise hat auch auf katholischer Seite Zustimmung gefunden, insofern sie eine reale Trennung von Leib und Seele verneint. Beispielsweise schrieb Johann Baptist Metz 1964 im katholischen Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche ĂŒber den Menschen: „Die Wirklichkeit seines Leibes ist nichts anderes als seine wirkliche Seele, [
] so wie etwa [
] ein Nadelstich, mit dem man ein Loch in ein StĂŒck Papier sticht, in seiner Wirklichkeit nur gegeben ist als durchstochenes Papier [
] ‚Seele‘ ist darum immer eine Aussage ĂŒber den ganzen Menschen.“cite-ref-227[227] Katholische Theologen, die den Gedanken der Ganzheitlichkeit des Menschen betonen, meinen, der Mensch als Leib-Seele-Einheit sterbe als ganzer. Sie unterscheiden sich aber von den evangelischen Ganztod-BefĂŒrwortern durch ihre Ansicht, der Tod sei nicht als gĂ€nzliche Auslöschung zu verstehen. Kritiker der Ganztodtheorie bringen vor, der Ganztod lasse keine KontinuitĂ€t zwischen dem geschichtlichen und dem auferstandenen Menschen zu. Bei einer Auferstehung aus dem Nichts wĂ€re der Auferstandene ein neues Subjekt. Daher werde eine unsterbliche Seele als TrĂ€ger der KontinuitĂ€t des menschlichen Ich benötigt.cite-ref-228[228]

Gnosis

Bei den antiken Gnostikern wurde eine Vielzahl von teils christlichen, teils nichtchristlichen Heilslehren verkĂŒndet. Es gab keine einheitliche Seelenvorstellung aller gnostischen Richtungen und insbesondere keine einheitliche Terminologie. Die griechisch schreibenden Gnostiker ĂŒbernahmen fĂŒr ihre Anthropologie gĂ€ngige AusdrĂŒcke der Platoniker, gaben aber dem Begriff psyche eine abgewandelte Bedeutung und schĂ€tzten die Seele anders ein. WĂ€hrend sich die Platoniker zum Ideal einer von der Vernunft gelenkten Seele bekannten, welche die gute, göttliche Weltordnung erkenne und sich nach ihr richte, war unter den Gnostikern eine wesentlich ungĂŒnstigere Bewertung der psyche verbreitet. Die Abwertung der psyche hing mit der gnostischen Ablehnung des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos zusammen. Die Gnostiker unterschieden zwischen der göttlichen Lichtwelt, die sie pleroma nannten, und dem Bereich der Finsternis, dem von der Materie geprĂ€gten Diesseits, dem sie zu entkommen trachteten. Nur den menschlichen Geist (pneĂșma) ordneten sie der Lichtwelt zu. Unter psyche verstanden viele Gnostiker einen vom Geist verschiedenen, zwar immateriellen, aber zum Diesseits gehörenden und damit der Materie zugeordneten Teil des Menschen. Sie meinten, die psyche sei an sich wertlos und könne nur durch ihre Verbindung mit dem pneuma eine gewisse Bedeutung erlangen. Im Gegensatz zu den Platonikern, die den Hervorgang der Seele aus dem Geist als eine naturgemĂ€ĂŸe Selbstentfaltung des Geistes deuteten und daher positiv werteten, sahen die Gnostiker in der Entstehung des seelischen Bereichs eine bedauerliche Entfremdung des Geistes von sich selbst, die rĂŒckgĂ€ngig zu machen sei. Sie strebten nach Erlösung der Geistpartikel, die sich im Diesseits verirrt hĂ€tten und in den Seelen gebunden seien. Nur der Geist, nicht die Seele könne erlöst werden. Allerdings verwendeten manche gnostische Autoren den Begriff psyche synonym zu pneuma oder fassten das VerhĂ€ltnis von Seele und Geist anders auf. Der einflussreiche Gnostiker Basilides verglich die psyche mit einem Vogel und das pneuma mit dessen FlĂŒgeln: der Vogel könne ohne FlĂŒgel nicht fliegen, die FlĂŒgel seien ohne Vogel nutzlos.cite-ref-229[229]

Islam

Die frĂŒhe arabische Dichtung bezeichnet mit nafs das Selbst bzw. die Person. Der Koran verwendet das Wort ebenfalls in diesem Sinn (auch fĂŒr die Person Gottes), aber auch im Sinn von „menschliche Seele“; dabei geht es auch um die psychischen Funktionen, insbesondere um unerwĂŒnschte Begierden, die von der Seele ausgehen und zu zĂŒgeln seien. Daneben findet sich bei den frĂŒhen Dichtern und im Koran das Wort rƫង, das ursprĂŒnglich „Atem“ oder „Wind“ bedeutet und dann religiös den Hauch oder Atem, den Gott Adam einblĂ€st, um seinem Körper das Leben zu verleihen (Vitalseele). Außerdem bezeichnet rƫង im Koran auch eine besondere kognitive QualitĂ€t, die Gott ausgewĂ€hlten Geschöpfen verleiht, und in ĂŒbertragenem Sinne die damit ausgestatteten göttlichen Botschafter.cite-ref-230[230] Seit der Epoche der Umayyaden wird rƫង oft gleichbedeutend mit nafs als Bezeichnung fĂŒr die menschliche Seele verwendet, doch legen manche Autoren Wert auf eine Unterscheidung zwischen diesen Begriffen. Im Koran steht, dass Gott die Seelen im Schlaf aus den Körpern austreten lĂ€sst und danach zurĂŒckschickt.cite-ref-231[231]

Über rƫង wird im Koran festgestellt: Ar-rƫង gehört zu der FĂŒgung meines Herrn. Aber ihr habt nur wenig Wissen erhalten.cite-ref-232[232] Daraus ergibt sich aus theologischer Sicht, dass das Wesen der Seele geheimnisvoll und normaler menschlicher Erkenntnis weitgehend entzogen ist.cite-ref-233[233]

Namhafte muslimische Philosophen wie al-KindÄ« († 873), al-FārābÄ« († 950) und Avicenna († 1037) gingen von der aristotelischen Seelenlehre aus, waren aber auch von der neuplatonischen Metaphysik beeinflusst. Wie frĂŒhere Denker ĂŒbernahm Avicenna aus der aristotelischen Tradition den Begriff des aktiven Intellekts und verband ihn mit einer neuplatonischen Emanationslehre, welche die Seele auf den Geist (Nous) zurĂŒckfĂŒhrt. Im aktiven Intellekt sah er das universelle Prinzip, das dafĂŒr sorgt, dass der menschliche Intellekt aus PotentialitĂ€t zum Akt ĂŒbergeht. Der aktive Intellekt gibt dem Intellekt des Menschen die intelligiblen Formen ein, durch welche Wissen konstituiert wird. Die Sinneswahrnehmung kann die Aufnahme der Formen nicht herbeifĂŒhren, sie disponiert nur dazu. In Avicennas Modell geht die Seele aus dem aktiven Intellekt hervor; sie ist immateriell, unzerstörbar, unsterblich und nicht notwendig an den Körper gebunden. Nach seiner Überzeugung könnte ein Mensch in gesundem Zustand, wenn er zeitweilig nichts von seinem Körper wahrnehmen könnte, seine eigene IdentitĂ€t als Selbst oder Seele nicht leugnen, auch wenn ihm sonst nichts bekannt wĂ€re.cite-ref-234[234]

Der persische Philosoph Rhazes († 925 oder 935) fĂŒhrte den Eintritt der Seele in die materielle Welt auf ihre Unwissenheit zurĂŒck. Sie habe das Dasein im Körper erleben wollen und Gott habe es ihr nicht verwehrt, sondern den verhĂ€ngnisvollen Schritt zugelassen, damit sie aus eigener Erfahrung lernen und schließlich die unzutrĂ€gliche Umgebung verlassen könne.cite-ref-235[235]

Der einflussreiche Theologe al-GhazālÄ« († 1111) meinte, der Islam bestĂ€tige zwar die Existenz der Seele als einer eigenstĂ€ndigen Substanz, doch handle es sich dabei um eine Glaubenswahrheit und die Philosophen seien nicht in der Lage, einen philosophischen Beweis dafĂŒr zu erbringen.cite-ref-236[236] Er hielt die Seele fĂŒr eine unkörperliche, rein spirituelle Substanz, die ĂŒber Wissen und Wahrnehmung verfĂŒgt.cite-ref-237[237] Diese Auffassung wurde zwar von manchen Philosophen geteilt, hat sich aber nicht in der islamischen Theologie durchsetzen können. Die traditionell dominierende Ansicht ist die gegenteilige, die der prominente Theologe ibn al-Qaiyim († 1350) am ausfĂŒhrlichsten dargelegt hat. In seinem Buch ĂŒber die Seele (kitāb ar-rƫង) argumentierte er, dass die Seele, wenn sie unkörperlich wĂ€re, keine Beziehung zum RĂ€umlichen und Körperlichen haben könnte. Sie sei materiell, wenn auch von anderer Beschaffenheit als der physische Körper, und stelle einen eigenstĂ€ndigen Körper dar.cite-ref-238[238]

Nach der Lehre des von al-Ghazali beeinflussten Theologen Fachr ad-DÄ«n ar-RāzÄ« († 1209) ist nafs die unsterbliche individuelle Seele, rƫង eine feinstoffliche Materie im Körper, die zwischen nafs und den grobstofflichen Körperorganen vermittelt.cite-ref-239[239]

Hinsichtlich der PrĂ€existenz der Seelen gingen die Meinungen auseinander. Nach einer verbreiteten Auffassung, die u. a. der spanische Gelehrte Ibn Hazm († 1064) vertrat, sind die Seelen aller Menschen schon vor Adam und Eva erschaffen worden; sie warten an einem Himmelsort, bis sie in einen Embryo eingehaucht werden. Andere Theologen nahmen einen spĂ€teren Erschaffungszeitpunkt an.cite-ref-240[240]

Unter den Philosophen gab es AnhĂ€nger der auf antiker Tradition fußenden Auffassung, dass es eine Weltseele (an-nafsu’l-kulliyya) gebe und die menschlichen Seelen deren Ausfluss seien und an ihr teilhĂ€tten. Dieser Meinung war schon al-KindÄ« und spĂ€ter der berĂŒhmte Sufi Ibn ÊżArabÄ« († 1240).cite-ref-241[241]

Eine Sonderposition nahm der Aristoteliker Averroes († 1198) ein, der – Aristoteles folgend – die individuelle Unsterblichkeit verwarf.

Seit dem Mittelalter befassen sich die Theologen – vor allem die Sufis und vom Sufismus beeinflusste Autoren – mit der Seele in erster Linie unter dem Gesichtspunkt ihrer Triebhaftigkeit. FĂŒr die Seele als triebhafte Instanz wird stets die Bezeichnung nafs verwendet. Die Triebseele gilt als schlimmster Feind des Menschen, da sie ihn mit ihrer Unwissenheit, Sprunghaftigkeit und unersĂ€ttlichen Gier ins Verderben bringe. Daher wird gefordert, ihr nicht nachzugeben, sondern sie zu verachten und streng zu disziplinieren. Man soll sie sogar „töten“, was aber nur metaphorisch gemeint ist, denn angestrebt wird nicht ihre Vernichtung, sondern ihre radikale Umwandlung in mehreren Entwicklungsstufen. Im Laufe dieses Prozesses soll sie gelĂ€utert werden, sich zunehmend von körperlichem Genuss abwenden und sich in den Dienst des Geistes stellen.cite-ref-242[242]

Neuzeitliche AnknĂŒpfungen an traditionelle Konzepte

Eine AnknĂŒpfung an Seelenvorstellungen antiken Ursprungs ist in der Neuzeit sowohl in religiös-weltanschaulichem Kontext als auch in der Kunst erfolgt. Insbesondere in der Moderne und bis in die Gegenwart sind Einzelpersonen sowie neue religiöse oder weltanschauliche Bewegungen und Gemeinschaften mit eigenen Seelenlehren hervorgetreten, die sie oft empirisch, jedoch subjektiv, d. h. auf der Basis persönlicher Erfahrungen begrĂŒnden. HĂ€ufig berufen sich die Vertreter dieser Lehren auf Aussagen einzelner Personen, die den Anspruch erheben, durch ihre Erfahrungen einen Zugang zu Wissen ĂŒber die Seele erlangt zu haben. In manchen FĂ€llen wird behauptet, den ursprĂŒnglichen VerkĂŒndern der Lehren seien Neuoffenbarungen von Gott, von Christus oder von Boten Gottes oder Geistwesen zuteilgeworden. Andere AnhĂ€nger neuer Seelenkonzepte fĂŒhren das beanspruchte Wissen auf eine FĂ€higkeit zu außersinnlicher Wahrnehmung zurĂŒck. Oft wird an traditionelle Seelenvorstellungen angeknĂŒpft. Wie im Platonismus und der platonisch beeinflussten christlichen Tradition wird die Seele oder zumindest ihr Kern als immaterielle, vom Körper trennbare und unvergĂ€ngliche Substanz beschrieben. In der modernen Esoterik sind zahlreiche Konzepte verbreitet, die auf dieser Grundannahme basieren. Dabei werden auch Begriffe wie „Selbst“ synonym zu „Seele“ verwendet.cite-ref-243[243] Zum Teil handelt es sich um Weiterentwicklungen von Gedankengut indischen Ursprungs mit entsprechender Terminologie.

Kunst

Bildende KĂŒnstler haben das Motiv der Seele – ikonographisch als Psyche in der Tradition antiker Darstellungen – aufgegriffen und neu gestaltet. Die Bildhauer Wolf von Hoyer (1806–1873) und Georgios Bonanos (1863–1940) schufen Skulpturen der geflĂŒgelten Psyche. Die Himmelfahrt der Seele nach dem Tode ist unter anderem auf GemĂ€lden von Antonio Balestra (1666–1740) und William Adolphe Bouguereau (1825–1905) dargestellt. Vor allem die Psyche-Gestalt aus der antiken ErzĂ€hlung von Amor und Psyche hat sich bis in die Moderne in der bildenden Kunst großer, anhaltender Beliebtheit erfreut.

Neuoffenbarungen

Der schwedische Gelehrte Emanuel Swedenborg (1688–1772) gab an, er habe durch göttliche Gnade die FĂ€higkeit erhalten, die geistige Welt wahrzunehmen und mit Engeln und Geistern GesprĂ€che zu fĂŒhren. Er identifizierte den Menschen mit der unsterblichen Seele, die den Körper nur vorĂŒbergehend als Organ nutze. Beim Tod trenne sich die Seele vom Körper und gehe in eine andere Welt ĂŒber. Jakob Lorber (1800–1864) bezeichnete sich als „Schreibknecht Gottes“, der Neuoffenbarungen einer inneren Stimme, der Stimme Christi, aufgezeichnet habe. Er unterschied zwischen dem Leib, der als menschengestaltig beschriebenen Seele und dem reinen Geist, der in der Seele wohne und zu ihrer Leitung berufen sei. Die Aufgabe der Seele sei es, sich dem Geistigen zu öffnen und sich nach dem Geist zu richten. Der Tod befreie die Seele vom Leib. Ähnliche Seelenkonzepte, in denen der Tod als Trennung der unsterblichen Seele vom Körper aufgefasst wird und die Schicksale der Seelen im Jenseits beschrieben werden, finden sich in einer Reihe von Neuoffenbarungen, beispielsweise bei Bertha Dudde (1891–1965).cite-ref-244[244]

Theosophie und Anthroposophie

Die Seelenkunde bildet einen wichtigen Bestandteil der von Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891) begrĂŒndeten Theosophie sowie der von Rudolf Steiner (1861–1925) begrĂŒndeten Anthroposophie und des auf Steiners Weltanschauung fußenden Gedankenguts der Christengemeinschaft.

Blavatsky ging von einer DualitĂ€t des geistigen Menschen aus, der aus einer sterblichen und einer unsterblichen Seele bestehe; die unsterbliche sei göttlicher Natur und mit dem Nous gleichzusetzen.cite-ref-245[245] Den Aufenthalt der Seele im Körper betrachtete Blavatsky als Gefangenschaft und Verunreinigung und daher als Übel. Dabei berief sie sich sowohl auf die platonische Tradition als auch auf die buddhistische Deutung des menschlichen Daseins.cite-ref-246[246]

Rudolf Steiner bekĂ€mpfte die Ansicht, der Mensch bestehe aus zwei Teilen, Leib und Seele. Ihr stellte er die anthroposophische Auffassung entgegen, der zufolge eine „dreigliedrige Einteilung der menschlichen Wesenheit“ anzunehmen ist.cite-ref-247[247] Die drei Glieder seien Körper, Seele und Geist. Auch die Seele weise eine Dreigliederung auf; sie sei aus der Empfindungsseele, der Verstandes- oder GemĂŒtsseele und der Bewusstseinsseele zusammengesetzt. Die Empfindungsseele sei fĂŒr die Sinneswahrnehmungen zustĂ€ndig, sie sei auch der Sitz der Triebe, Begierden und Willensimpulse. Die Verstandes- oder GemĂŒtsseele wandle die Affekte der Empfindungsseele in höhere Regungen wie etwa Wohlwollen um. Die Bewusstseinsseele sei diejenige seelische Instanz, die durch das Denken nach der Erkenntnis einer in ihr selbst gegenwĂ€rtigen Wahrheit strebe. Diese Seelenlehre hat Steiner in zahlreichen Publikationen detailliert dargelegt.cite-ref-248[248]

Spiritismus und Parapsychologie

Im Spiritismus wird die Totenbeschwörung praktiziert. Spiritisten behaupten, mit den Geistern Verstorbener kommunizieren zu können. Die Annahme eines Fortlebens nach dem Tode ist daher die Grundvoraussetzung einer spiritistischen Weltanschauung. Zwar ist in der spiritistischen Literatur oft nicht von Seelen, sondern von Geistern die Rede, doch ist dabei mit „Geist“ ein als unsterblich und vom Körper unabhĂ€ngig geltender Teil des Menschen gemeint, also das, was in vielen traditionellen Seelenlehren als Seele oder Geistseele bezeichnet wird. Allan Kardec, ein fĂŒhrender Theoretiker des Spiritismus, verwendete die Begriffe „Seele“ und „Geist“ synonym.cite-ref-249[249]

In der Parapsychologie werden die PhĂ€nomene, auf die sich die Spiritisten als empirische Grundlage ihrer Theorie berufen, unterschiedlich gedeutet. Die erörterten ErklĂ€rungen zerfallen in mehrere Hauptgruppen, wobei zwei Deutungstypen in der Diskussion im Vordergrund stehen: die „animistische Hypothese“ und die „spiritistische Hypothese“ oder „survival hypothesis“. Die spiritistische Hypothese besagt, es handle sich vermutlich zumindest bei einem Teil der PhĂ€nomene tatsĂ€chlich um reale Kontakte mit fortlebenden Verstorbenen, das heißt – je nach Terminologie – mit deren Seelen, Geistern oder Astralleibern. Unter dem Begriff „animistische Hypothese“ werden Deutungen zusammengefasst, die alles, was nicht mit normaler InformationsĂŒbermittlung erklĂ€rbar zu sein scheint, auf verschiedene Formen von außersinnlicher Wahrnehmung zurĂŒckfĂŒhren. Diese Modelle kommen ohne die Annahme realer Geistwesen aus.cite-ref-250[250]

Verschiedentlich werden Nahtoderfahrungen als Hinweise auf ein Weiterleben der Seele nach dem Tod gedeutet.cite-ref-251[251]

Neuzeitliche Philosophie, Psychologie und Anthropologie

Unter moderner systematischer Perspektive lassen sich die mit der Thematik der Seele zusammenhĂ€ngenden philosophischen Fragen zu unterschiedlichen Themenfeldern gruppieren. Diese gehören grĂ¶ĂŸtenteils zu den Gebieten Erkenntnistheorie (einschließlich Wahrnehmungstheorie), Philosophie des Geistes und Ontologie. Zentral ist das sog. Leib-Seele-Problem oder auch Körper-Geist-Problem, also die Frage, wie körperliche und geistige PhĂ€nomene zusammenhĂ€ngen.cite-ref-252[252] Gefragt wird beispielsweise, ob körperlichen und geistigen PhĂ€nomenen dieselbe oder eine ontologisch verschiedene Substanz zugrunde liegt und ob es eine wirkliche Interaktion von Überlegungen und KörperzustĂ€nden gibt oder das Bewusstsein bloße Folgewirkung somatischer und insbesondere neuronaler Determinanten ist.

Das cartesianische Modell und seine Nachwirkung

Neue Impulse bekam die Debatte in der Neuzeit insbesondere durch die Naturphilosophie und Metaphysik von RenĂ© Descartes (1596–1650). Seine Denkweise wird in Anlehnung an die latinisierte Namensform des Philosophen als cartesianisch bezeichnet. Descartes verwarf das traditionelle aristotelische VerstĂ€ndnis der Seele als Lebensprinzip, das TĂ€tigkeiten der Lebewesen wie ErnĂ€hrung, Bewegung und Sinneswahrnehmung ermöglicht und steuert sowie fĂŒr die Affekte zustĂ€ndig ist. Alle VorgĂ€nge, die nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren ablaufen, hielt er fĂŒr seelenlos und rein mechanisch. Demnach haben die Tiere keine Seele, sondern sind maschinenartig. Die Seele identifizierte er ausschließlich mit dem Geist (lateinisch mens), dessen Funktion nur das Denken sei. Nach Descartes’ Auffassung hat man streng zwischen der durch ihre rĂ€umliche Ausdehnung gekennzeichneten Materie (res extensa) und der ausdehnungslosen denkenden Seele (res cogitans) zu unterscheiden. Das denkende Subjekt kann sich nur von seiner eigenen DenktĂ€tigkeit unmittelbar Gewissheit verschaffen. Damit kann es einen Ausgangspunkt der Natur- und Welterkenntnis gewinnen. Der Körper, zu dessen Bereich Descartes die irrationalen Lebensakte zĂ€hlt, ist ein Teil der Materie und lĂ€sst sich vollstĂ€ndig im Rahmen der Mechanik erklĂ€ren, wĂ€hrend sich die denkende Seele als immaterielle EntitĂ€t einer solchen ErklĂ€rung entzieht.cite-ref-253[253] Die Seele ist fĂŒr Descartes eine reine, unverĂ€nderliche Substanz und daher von Natur aus unsterblich.

Descartes’ zentrales Argument fĂŒr seine dualistische Position wird mit Abwandlungen bis heute in der Philosophie diskutiert.cite-ref-254[254] Es lautet, zunĂ€chst könne man sich klar und deutlich vorstellen, dass sich das Denken als seelischer Vorgang unabhĂ€ngig vom Körper vollziehe. Alles, was man sich klar und deutlich vorstellen könne, sei zumindest theoretisch auch möglich, es könne von Gott entsprechend eingerichtet worden sein. Wenn es zumindest theoretisch möglich sei, dass Seele und Körper unabhĂ€ngig voneinander existieren, so mĂŒsse es sich um verschiedene EntitĂ€ten handeln.cite-ref-255[255] Ein zweites, naturphilosophisches Argument besagt, dass die FĂ€higkeit zu sprechen und intelligent zu handeln sich durch die Interaktion physischer Komponenten nach Naturgesetzen nicht erklĂ€ren lasse, sondern vielmehr etwas Nichtphysisches voraussetze, das man mit Recht Seele nennen könne.cite-ref-256[256]

Im Kontext der Debatten des 17. Jahrhunderts ĂŒber den aristotelischen Vitalismus, der die Seele als Form, Individuationsprinzip und Kontrollorgan des Körpers versteht, und die cartesianische mechanistische Interpretation, die alle Körperfunktionen durch Naturgesetze erklĂ€ren will, vertrat Anne Conway (1631–1679) eine Sonderposition. Sie kritisierte den cartesianischen Dualismus u. a. mit dem Argument, dass er im Widerspruch zu seinen Voraussetzungen lokale und andere Begriffe auf die Seele anwende, die nach dualistischem VerstĂ€ndnis nur fĂŒr die Materie angemessen seien. Zudem sei im Dualismus die Verbindung von Seele und Körper nicht einsichtig; eine Interaktion von Seele und Körper – wie z. B. geistige Kontrolle oder Schmerzempfinden – setze voraus, dass sie gemeinsame Eigenschaften aufweisen. Daher nahm Conway nur eine einzige Substanz im Universum an. In ihrem System sind Materie und Geist nicht absolut verschieden, sondern zwei Erscheinungsformen der einen Substanz; daher können sie ineinander ĂŒbergehen.cite-ref-257[257]

Die Cambridger Platoniker, eine Gruppe von neuplatonisch orientierten englischen Philosophen und Theologen des 17. Jahrhunderts, machten die Verteidigung der individuellen Unsterblichkeit der Seele zu einem ihrer Hauptanliegen. Dabei wandten sie sich sowohl gegen die Vorstellung eines Aufgehens der Einzelseele in einer umfassenden Einheit als auch gegen das materialistische Konzept eines Endes der Persönlichkeit mit dem Tod. Gegen den Materialismus brachten sie insbesondere vor, eine zureichende mechanische ErklĂ€rung der LebensvorgĂ€nge und geistigen Prozesse sei nicht möglich. Ihre antimechanistische Grundhaltung fĂŒhrte sie auch zur Kritik an der mechanistischen Naturauffassung der Cartesianer.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) entwickelte sein Seelenkonzept in Auseinandersetzung mit dem cartesianischen Modell. Wie Descartes nahm er immaterielle Seelen an. Im Unterschied zu dem französischen Philosophen hielt er aber nicht den Gegensatz zwischen Denken und Ausdehnung (Materie), sondern den Unterschied zwischen der FĂ€higkeit, Vorstellungen zu haben, und dem Nichtvorhandensein dieser FĂ€higkeit fĂŒr das wesentliche Kriterium. Daher verwarf Leibniz die cartesianische These, dass die Tiere Maschinen seien, und vertrat die Ansicht, dass zumindest manche Tiere eine Seele hĂ€tten, da sie ein GedĂ€chtnis besĂ€ĂŸen. Er schrieb nicht nur den menschlichen, sondern auch den Tierseelen eine individuelle Fortexistenz nach dem Tode zu.cite-ref-258[258]

Immanuel Kant (1724–1804) hielt es fĂŒr unmöglich, auf theoretischer Ebene die Existenz einer unsterblichen Seele zu beweisen oder zu widerlegen. Mit seiner Stellungnahme wandte er sich sowohl gegen die traditionelle, auf dem Platonismus fußende Seelenmetaphysik als auch gegen den Cartesianismus. Seine Argumentation in der Kritik der reinen Vernunft richtete sich aber nicht gegen die Annahme einer unsterblichen Seele. Er bestritt nur ihre Beweisbarkeit und die Wissenschaftlichkeit einer „rationalen Psychologie“, die durch bloße Folgerungen aus etwas unmittelbar Einsichtigem, dem Selbstbewusstsein, unabhĂ€ngig von aller Erfahrung Erkenntnis ĂŒber die Seele zu gewinnen versucht. Die rationale Psychologie sei allein auf dem Satz „Ich denke“ erbaut, und diese Grundlage sei zu dĂŒrftig fĂŒr Aussagen ĂŒber die SubstantialitĂ€t und die Eigenschaften der Seele. Kant legte dar, dass es sich bei den angeblichen Unsterblichkeitsbeweisen um Paralogismen (FehlschlĂŒsse) handle. Aus der Tatsache des Selbstbewusstseins lasse sich nicht, wie Descartes meinte, eine inhaltliche Selbsterkenntnis der Seele gewinnen. Innerhalb der reinen RationalitĂ€t gelange die Selbsterkenntnis nicht ĂŒber die Feststellung einer inhaltlich leeren Selbstbeziehung hinaus; sobald man aber zu Aussagen ĂŒber ZustĂ€nde und Eigenschaften der Seele ĂŒbergehe, komme man ohne Erfahrung nicht aus. Das Subjekt könne sich in seiner Selbstwahrnehmung nicht als Ding an sich erfassen, sondern nur als Erscheinung, und wenn es ĂŒber sich selbst nachdenke, sei der Gegenstand dieses Denkens ein reines Gedankending, das von den verschiedenen Varianten der traditionellen Seelenmetaphysik mit einem Ding an sich verwechselt werde. Daraus folgerte Kant aber nicht, dass der Begriff Seele in der Wissenschaft ĂŒberflĂŒssig sei. Vielmehr hielt er eine empirische Psychologie, die eine Naturbeschreibung der Seele liefert, fĂŒr sinnvoll; diese könne allerdings nicht zu einer ontologischen Wesensbeschreibung fĂŒhren.cite-ref-259[259] Eine empirisch erforschbare Seele schrieb Kant auch den Tieren zu, wobei er auf Analogien zwischen Mensch und Tier verwies.cite-ref-260[260]

UnabhĂ€ngig von seiner Kritik an der rationalen Psychologie bejahte Kant die Annahme, dass die menschliche Seele unsterblich sei, auf der Grundlage moralphilosophischer Überlegungen. Nach seiner Argumentation handelt es sich dabei um ein Postulat der praktischen Vernunft. Unsterblich ist die Seele nicht schon dann, wenn sie nach dem Tode leben und fortdauern wird, sondern nur dann, wenn sie dies ihrer Natur nach muss. Letzteres ist anzunehmen, wenn man das moralische Subjekt als Wesen versteht, dessen Wille durch das moralische Gesetz bestimmt werden kann. Ein solches Subjekt strebt notwendigerweise nach dem „höchsten Gut“, das heißt nach einer vollkommenen Sittlichkeit, die jedoch in der Sinnenwelt unerreichbar ist. Dies erfordert ein Fortschreiten ins Unendliche und damit eine ins Unendliche fortdauernde Existenz. Die Erreichbarkeit dessen, wonach ein moralisches Wesen notwendigerweise strebt, hielt Kant fĂŒr eine im Rahmen der praktischen Vernunft plausible Annahme. Daher plĂ€dierte er fĂŒr ein „FĂŒrwahrhalten“ der Unsterblichkeit.cite-ref-261[261]

Die Suche nach dem Seelenorgan

Die Frage nach dem Sitz der Seele war in der FrĂŒhen Neuzeit weiterhin aktuell, und es wurde auch nach ihrem Organ gefragt. Unter dem Seelenorgan verstand man das materielle Substrat fĂŒr das Zusammenwirken von Geist und Körper, das Instrument, mit dem die Seele EindrĂŒcke aus der Außenwelt erhĂ€lt und Befehle an den Körper weiterleitet.cite-ref-262[262]

Averroistisch gesinnte Gelehrte des 15. und 16. Jahrhunderts waren der Meinung, der Intellekt sei nicht an einer bestimmten Stelle lokalisiert und habe kein eigenes Organ, sondern agiere im gesamten Körper. Als unpersönliche und unvergĂ€ngliche Instanz sei er nicht an körperliche Funktionen gebunden. Gegen diese Auffassung wandten sich sowohl Thomisten als auch nichtaverroistische Aristoteliker und von der Denkweise des Kirchenvaters Augustinus beeinflusste Humanisten. FĂŒr die BefĂŒrworter eines Seelenorgans kam als Ausgangsbasis fĂŒr eine KlĂ€rung der Frage die Untersuchung der Hirnventrikel in Betracht. Diesem Ansatz folgte Leonardo da Vinci, der induktiv argumentierte. Er meinte, die Natur erzeuge nichts UnzweckmĂ€ĂŸiges und daher lasse sich aus dem Studium der von ihr hervorgebrachten Strukturen erschließen, welches organische System den seelischen Funktionen zugeordnet sei. Diesem Grundsatz folgend wies Leonardo dem ersten Ventrikel die Aufnahme der Sinnesdaten zu, dem zweiten Ventrikel das Vorstellungs- und Urteilsvermögen und dem dritten die Funktion des GedĂ€chtnisspeichers.cite-ref-263[263]

Nach Descartes’ dualistischem Konzept kann man die ausdehnungslose Seele nicht im Körper oder an irgendeinem Ort der materiellen Welt lokalisieren,cite-ref-264[264] doch gibt es eine Kommunikation zwischen Seele und Körper, die an einem auffindbaren Ort stattfinden muss. Descartes vermutete, die ZirbeldrĂŒse, ein zentral im Gehirn gelegenes Organ, sei dieser Ort. Seine Vermutung wurde zwar bald von der Hirnforschung widerlegt, doch fĂŒhrte die Auseinandersetzung mit Descartes’ Theorie zu zahlreichen neuen Hypothesen ĂŒber den Ort des Seelenorgans. Albrecht von Haller (1708–1777) nahm an, dass das Seelenorgan ĂŒber die gesamte weiße Hirnsubstanz verteilt sei.cite-ref-265[265]

Den letzten groß angelegten Versuch zur Lokalisierung des Seelenorgans unternahm der Anatom Samuel Thomas von Soemmerring in seiner 1796 veröffentlichten Schrift Über das Organ der Seele.cite-ref-266[266] Indem er den Hirnventrikeln eine zentrale Rolle bei der Kommunikation zwischen Seele und Körper zuwies, machte er die traditionelle Ventrikellehre zur Ausgangsbasis seiner Überlegungen. Neu war jedoch seine Argumentation. Er brachte vor, dass sich nur in der VentrikelflĂŒssigkeit die einzelnen Sinnesreizungen zu einem einheitlichen PhĂ€nomen verbinden könnten, und verwies darauf, dass die Enden der Hirnnerven bis zu den VentrikelwĂ€nden reichen. Als Seelenorgan bestimmte er den Liquor cerebrospinalis, der die Hirnnerven umspĂŒle und verbinde. Soemmerring beschrĂ€nkte sich aber nicht auf empirische Aussagen, sondern behauptete, die Suche nach dem Seelenorgan sei das Thema der „trancendentalsten bis in die Gefilde der Metaphysik fĂŒhrenden Physiologie“.cite-ref-267[267] UnterstĂŒtzung erhoffte er von Immanuel Kant, der das Nachwort zu Über das Organ der Seele verfasste. Kant Ă€ußerte sich dort jedoch kritisch zu Soemmerrings AusfĂŒhrungen. Aus grundsĂ€tzlichen ErwĂ€gungen erklĂ€rte er das Vorhaben, einen Seelensitz zu finden, fĂŒr verfehlt. Dies begrĂŒndete er mit der Überlegung, die Seele könne sich selbst nur durch den inneren Sinn und den Körper nur durch Ă€ußere Sinne wahrnehmen; daraus folge, dass sie sich, wenn sie sich selbst einen Ort bestimmen wollte, mit demselben Sinn wahrnehmen mĂŒsste, mit dem sie die Materie wahrnehme; dies aber bedeute, dass sie sich „zum Gegenstand ihrer eigenen Ă€ußeren Anschauung machen und sich außer sich selbst versetzen mĂŒĂŸte; welches sich widerspricht“.cite-ref-268[268]

Im 19. Jahrhundert kam die Suche nach einem Sitz und einem Organ der Seele zum Erliegen. Der Begriff Seelenorgancite-ref-269[269] blieb zunĂ€chst erhalten. Unter dem Einfluss neuer biowissenschaftlicher Entdeckungen etwa auf den Gebieten der Evolutionstheorie, der Elektrophysiologie und der organischen Chemie entstanden materialistische und monistische Modelle, die ohne den Begriff Seele auskommen. FĂŒr die BefĂŒrworter nichtmaterialistischer Modelle bleibt jedoch die Frage nach dem Ort der Interaktion von Geist und Körper weiterhin aktuell.cite-ref-270[270]

Hegel

FĂŒr Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist die Seele kein „fertiges Subjekt“, sondern eine Entwicklungsstufe des Geistes. Zugleich stellt sie die „absolute Grundlage aller Besonderung und Vereinzelung des Geistes“ dar. Hegel identifiziert sie mit dem passiven, rezeptiven Intellekt des Aristoteles, „welcher der Möglichkeit nach Alles ist“.cite-ref-271[271]

Hegel wendet sich dezidiert gegen den neuzeitlichen Dualismus von Leib und Seele, den cartesianischen Gegensatz zwischen immaterieller Seele und materieller Natur. Die Frage nach der ImmaterialitĂ€t der Seele, die diesen Gegensatz schon voraussetzt, stellt sich fĂŒr Hegel nicht, da er es ablehnt, in der Materie etwas Wahres und im Geist ein davon getrenntes Ding zu sehen. Vielmehr ist aus seiner Sicht die Seele „die allgemeine ImmaterialitĂ€t der Natur, deren einfaches ideelles Leben“.cite-ref-272[272] Daher ist sie stets auf die Natur bezogen. Sie ist nur dort, wo Leiblichkeit ist. Sie stellt das Prinzip der Bewegung dar, mit der die Leiblichkeit in Richtung auf das Bewusstsein transzendiert wird.

In ihrer Entwicklung durchlĂ€uft die Seele die drei Stadien einer „natĂŒrlichen“, einer „fĂŒhlenden“ und einer „wirklichen“ Seele.cite-ref-273[273] Anfangs ist sie natĂŒrliche Seele. Als solche ist sie noch völlig mit der Natur verwoben und empfindet deren QualitĂ€ten zunĂ€chst nur unmittelbar. Das Empfinden ist das „gesunde Mitleben des individuellen Geistes in seiner Leiblichkeit“.cite-ref-274[274] Es ist durch seine PassivitĂ€t gekennzeichnet. Der Übergang zum FĂŒhlen, in dem sich die SubjektivitĂ€t zur Geltung bringt, ist fließend. „Die Seele ist als fĂŒhlende nicht mehr bloß natĂŒrliche, sondern innerliche IndividualitĂ€t.“cite-ref-275[275] ZunĂ€chst befindet sich die fĂŒhlende Seele in einem Zustand der Dunkelheit des Geistes, da dieser noch nicht hinreichend zu Bewusstsein und Verstand gelangt ist. Hier besteht die Gefahr, dass das Subjekt in einer Besonderheit seines SelbstgefĂŒhls verharrt, statt diese zur IdealitĂ€t zu verarbeiten und zu ĂŒberwinden. Da der Geist hier noch nicht frei ist, kann es zur Geisteskrankheit kommen. Nur ein als Seele in einem dinglichen Sinne betrachteter Geist kann verrĂŒckt werden. Einen Entwicklungsfortschritt macht die fĂŒhlende Seele, wenn sie „das Besondere der GefĂŒhle (auch des Bewußtseins) zu einer nur seienden Bestimmung an ihr reduziert“.cite-ref-276[276] Dazu verhilft ihr die Gewohnheit, die als Übung erzeugt wird. Die Gewohnheit wird mit Recht eine „zweite Natur“ genannt, denn sie ist eine von der Seele gesetzte Unmittelbarkeit neben der ursprĂŒnglichen Unmittelbarkeit des Empfindens. Hegel wertet die Gewohnheit im Gegensatz zum gĂ€ngigen herabsetzenden Sprachgebrauch positiv. Das Merkmal der dritten Entwicklungsstufe, der wirklichen Seele, ist „das höhere Erwachen der Seele zum Ich, der abstrakten Allgemeinheit“, wobei das Ich in seinem Urteil „die natĂŒrliche TotalitĂ€t seiner Bestimmungen als ein Objekt, eine ihm Ă€ußere Welt, von sich ausschließt und sich darauf bezieht“ und in dieser TotalitĂ€t „unmittelbar in sich reflektiert ist“. Hegel definiert die wirkliche Seele als „die fĂŒr sich seiende IdealitĂ€t ihrer Bestimmtheiten“.cite-ref-277[277]

Die Kontroverse um das Forschungsprogramm des Psychologismus

Die empirische Psychologie als eigenstÀndige Disziplin neben der Philosophie hat VorlÀufer seit der Antike, im modernen Sinn beginnt sie jedoch erst mit im 18. Jahrhundert entwickelten Studien.

Methodisch grundlegend fĂŒr die AusprĂ€gung des Paradigmas einer empirischen Psychologie waren die Arbeiten von Empiristen wie John Locke (1632–1704) oder David Hume (1711–1776). Hume fĂŒhrte Verursachungsbeziehungen nicht auf ontologische Beziehungen zurĂŒck, etwa auf starre Naturgesetze, sondern versuchte sie als bloße Denkgewohnheiten zu erklĂ€ren. FĂŒr diese Empiristen hat Wissen selbst seinen Ursprung in psychischen Funktionen. Diese Variante des Empirismus hat mit den Ansichten frĂŒher Idealisten und dem transzendentalphilosophischen Ansatz von Kant gemeinsam, dass sie den Blick weniger auf metaphysisch-objektive, extrinsische als vielmehr auf innerpsychische, subjektive oder der Vernunft selbst eigentĂŒmliche Strukturen richtet. In diesem Sinne argumentierte Hume in seiner Abhandlung Of the Immortality of the Soul gegen die Unsterblichkeit der Seele; er hielt sie allenfalls dann fĂŒr möglich, wenn man auch ihre PrĂ€existenz annimmt. Da die Seele kein Erfahrungsbegriff sei, mĂŒsse die Frage nach ihrer Fortexistenz unbeantwortet bleiben, und eine Antwort sei ohnehin fĂŒr das menschliche Leben belanglos.

Der Mediziner David Hartley publizierte 1749 seine Erkenntnisse ĂŒber die neurophysiologischen Grundlagen der Sinneswahrnehmung, der Vorstellung und der GedankenverknĂŒpfung. Hinzu kam spĂ€ter die Entwicklung evolutionstheoretischer ErklĂ€rungsmodelle durch Charles Darwin (1809–1882) und andere.

Der Moralphilosoph Thomas Brown (1778–1820) verfasste Anfang des 19. Jahrhunderts seine Lectures on the philosophy of the human mind,cite-ref-278[278] in denen er die Grundgesetze des sogenannten Assoziationismus formulierte. Derartige Methodologien verbanden sich mit Modellen der „Logik“, die sich an faktischen Denkoperationen statt idealen Vernunftgesetzen orientierten. Anfang des 19. Jahrhunderts verteidigten Jakob Friedrich Fries und Friedrich Eduard Beneke ein solches Forschungsprogramm, das sie Psychologismus nannten, gegen die Dominanz einer Philosophie des Geistes im Sinne Hegels. Vincenzo Gioberti (1801–1852) bezeichnete als Psychologismus alle moderne Philosophie seit Descartes, sofern diese vom Menschen statt von Gott ausgeht, also nicht, wie er es ausdrĂŒckte, dem Programm des „Ontologismus“ folgt.cite-ref-279[279]

Dem Psychologismus zufolge hat philosophische Untersuchung als Erkenntnisprinzip einzig die Introspektion. Kant habe recht darin gehabt, das Eigenrecht der Erfahrung zu etablieren, aber gehe in die Irre, wenn er apriorische Möglichkeitsbedingungen der Erkenntnis sucht. Der psychologistische Ansatz stieß bei rein logischen und mathematischen Aussagen auf grĂ¶ĂŸere Schwierigkeiten als im Bereich der empirischen Erkenntnis. Gerade auf diesem Feld aber wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eine psychologistische Logik verteidigt. Der Utilitarist John Stuart Mill publizierte 1843 sein System der deduktiven und induktiven Logik. Ihr zufolge grĂŒnden die Axiome der Mathematik wie auch logische Prinzipien einzig auf der psychischen Introspektion. Neben Mill arbeiteten auch deutsche Theoretiker wie Wilhelm Wundt, Christoph von Sigwart, Theodor Lipps und Benno Erdmann Ă€hnlich akzentuierte Logiken aus. Ende des 19. Jahrhunderts war der Psychologismus die Auffassung vieler Psychologen und Philosophen. Unter ihnen waren auch zahlreiche Vertreter der sogenannten Lebensphilosophie. Alle geistigen oder ĂŒberhaupt philosophischen Probleme sollten mit den neuen Mitteln der Psychologie erklĂ€rt werden, also alle Denkoperationen und deren RegularitĂ€ten als psychische Funktionen verstanden werden.

Dagegen richteten sich frĂŒh Theoretiker, welche fĂŒr die These Kants eintraten, dass mit psychologischen ErklĂ€rungen nichts ĂŒber die Wahrheitsfrage ausgemacht sei. Den kantischen Ansatz verteidigten Rudolf Hermann Lotze fĂŒr die Logik, Gottlob Frege fĂŒr die Mathematik, Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert fĂŒr die Wertethik, Hermann Cohen und Paul Natorp fĂŒr die Wissenschaftstheorie. Auch die Forschungsprogramme der PhĂ€nomenologie richteten sich gegen den Psychologismus. Eine grundlegende Kritik des Psychologismus entwickelte Edmund Husserl in seinem Werk Logische Untersuchungen. Martin Heidegger wendete den Blick nicht auf psychische Vorkommnisse, sondern auf Strukturen des Daseins. Ähnliches gilt fĂŒr die meisten Existenzphilosophen wie etwa Jean-Paul Sartre. Aus teilweise anderen GrĂŒnden widersprachen auch viele logische Empiristen dem Psychologismus. Einer der ersten unter ihnen war Rudolf Carnap. Sein Argument war, dass es nicht nur genau eine Sprache gibt, diejenige, welche durch psychologische Gesetze bestimmt wĂ€re.

Neben den Arbeiten von David Hartley und Thomas Brown und der Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext des Psychologismus tĂ€tigen Philosophen und Naturwissenschaftler waren fĂŒr die AnfĂ€nge der modernen Psychologie auch die Arbeiten von Johann Friedrich Herbart maßgeblich. Herbart war ab 1809 Nachfolger Kants auf dessen Königsberger Lehrstuhl.

Die Frage der Existenz der Seele

In der Diskussion des 20. und 21. Jahrhunderts sind unterschiedliche Bestimmungen des Begriffs „Seele“ vorgeschlagen und unterschiedlichste Standpunkte zur Tauglichkeit des Begriffs und zu den verschiedenen Seelenkonzepten eingenommen worden. Grob schematisiert kann man folgende Positionen unterscheiden:

1. einen Realismus, welcher unter „Seele“ eine eigene Substanz versteht, von der das Denken und FĂŒhlen und andere geistige Akte ausgehen und die nur zeitweise an den Körper gebunden ist und ihn in diesem Zeitraum kontrolliert. Auch die Fortexistenz nach dem leiblichen Tod wird von einigen Metaphysikern und Religionsphilosophen verteidigt. Dies kommt meist einem platonischen oder cartesianischen Seelenbegriff gleich.
2. einen Materialismus, welcher die Existenz einer Seele ablehnt und behauptet, dass alle Rede von Seelischem reduzierbar ist auf Rede ĂŒber körperliche und neuronale ZustĂ€nde.
3. im Detail jeweils schwieriger einzuordnende Positionen, welche zwar einen Materialismus ablehnen und Mentales fĂŒr nicht nur real, sondern auch irreduzibel und oft auch kausal wirksam halten (etwa im Sinne einer Kontrolle von KörperzustĂ€nden), aber sich nicht auf den Begriff einer Seele in einem traditionellen Sinne festlegen, insbesondere nicht auf deren Unsterblichkeit.
4. eine dezidiert antiplatonische Auffassung mancher christlicher Theologen und Philosophen, die im Sinne einer ganzheitlichen Anthropologie Seele und Körper als Einheit betrachten. Diese Einheit wird nach dem Stoff-Form-Prinzip (Hylemorphismus) verstanden, wie es Aristoteles formuliert und Thomas von Aquin weiterentwickelt hat. Demnach geht die Seele als Form des Leibes mit diesem in die substantielle Einheit des individuellen Menschen ein. Mit „Form“ ist dabei nicht die Ă€ußere Gestalt gemeint, sondern ein den Leib zuinnerst durchformendes Lebensprinzip.cite-ref-280[280]

Ablehnende Positionen

Die eindeutigste Ablehnung eines Seelenbegriffs findet sich im Rahmen des eliminativen Materialismus bei Philosophen wie Patricia und Paul Churchland.cite-ref-281[281] Die Alltagspsychologie sei eine falsche und seit der Antike stagnierende Theorie, alltagspsychologischen Begriffen entspreche nichts in der RealitÀt. Alles, was es in Wirklichkeit gebe, seien biologische Prozesse. Der Philosoph Richard Rorty versuchte schon in den 1970er Jahren eine solche Position mit einem Gedankenexperiment zu verdeutlichen: Man könne sich eine extraterrestrische Zivilisation vorstellen, die kein psychologisches Vokabular verwende und stattdessen nur von biologischen ZustÀnden spreche.cite-ref-282[282] Eine solche Zivilisation wÀre hinsichtlich ihrer kommunikativen FÀhigkeiten der Menschheit in nichts unterlegen.

Traditionelle Materialismen bestreiten jedoch nicht die Existenz von mentalen ZustĂ€nden. Sie erklĂ€ren vielmehr, dass es mentale ZustĂ€nde gebe, diese jedoch nichts anderes als materielle ZustĂ€nde seien. Solche Positionen sind zumindest mit einem sehr schwachen Seelenbegriff kompatibel: Versteht man unter „Seele“ schlicht die Summe der ontologisch nicht spezifizierten mentalen ZustĂ€nde, so kann man auch im Rahmen solcher Theorien den Begriff „Seele“ verwenden. So erklĂ€rt etwa die IdentitĂ€tstheorie, dass mentale ZustĂ€nde real existieren, jedoch identisch mit GehirnzustĂ€nden seien.cite-ref-283[283] Diese Position wird gelegentlich als „Kohlenstoffchauvinismus“ kritisiert, da sie Bewusstsein an die Existenz eines organischen Nervensystems binde. Bewusste Lebensformen auf anorganischer Basis (etwa Silicium) wĂŒrden dadurch genauso konzeptionell ausgeschlossen wie bewusste kĂŒnstliche Intelligenzen. Im Kontext der Entwicklung der kĂŒnstlichen Intelligenz entstand eine materialistische Alternativposition, die als „Funktionalismus“ bezeichnet wird.cite-ref-284[284] Der klassische Funktionalismus beruht auf einer Computeranalogie: Eine Software kann durch sehr verschiedene Computer realisiert werden (etwa Turingmaschinen und PCs), daher kann man einen Softwarezustand nicht mit einer spezifischen physischen Struktur identifizieren. Vielmehr ist Software durch funktionale ZustĂ€nde spezifiziert, die durch verschiedene physische Systeme realisiert werden können. Auf gleiche Weise seien mentale ZustĂ€nde funktional zu begreifen; das Gehirn biete somit nur eine von vielen möglichen Realisierungen. Nach einigen MeinungsĂ€nderungencite-ref-285[285] vertritt auch Daniel Dennett den Funktionalismus: Ein bewußter menschlicher Geist ist mehr oder weniger eine seriale virtuelle Maschine, die – ineffizient – an der parallelen Hardware montiert ist, die die Evolution uns geliefert hat.cite-ref-286[286]

EinwĂ€nde gegen IdentitĂ€tstheorie und Funktionalismus ergeben sich im Wesentlichen aus der erkenntnistheoretischen Debatte um die Struktur reduktiver ErklĂ€rungen. Wolle man ein PhĂ€nomen X (etwa mentale ZustĂ€nde) auf ein PhĂ€nomen Y (etwa GehirnzustĂ€nde oder funktionale ZustĂ€nde) zurĂŒckfĂŒhren, so mĂŒsse man alle Eigenschaften von X durch die Eigenschaften von Y verstĂ€ndlich machen können.cite-ref-287[287] Nun haben jedoch mentale ZustĂ€nde die Eigenschaft, auf bestimmte Weise erlebt zu werden – es fĂŒhlt sich auf eine bestimmte Weise an, etwa Schmerzen zu haben (vgl. Qualia). Dieser Erlebnisaspekt könne jedoch weder in einer neurowissenschaftlichen noch in einer funktionalen Analyse erklĂ€rt werden. Reduktive ErklĂ€rungen des Mentalen mĂŒssten daher zwangslĂ€ufig scheitern. Derartige Probleme haben in der Philosophie des Geistes zu der Entwicklung zahlreicher nichtreduktiver Materialismen und Monismen gefĂŒhrt, deren Vertreter eine „Einheit der Welt“ annehmen, ohne sich auf reduktive ErklĂ€rungen festzulegen. Beispiele hierfĂŒr finden sich im Rahmen von Emergenztheorien, gelegentlich wird auch David Chalmers’ Eigenschaftsdualismus zu diesen AnsĂ€tzen gezĂ€hlt.cite-ref-288[288] Es ist allerdings umstritten, inwieweit derartige Positionen noch als Materialismen gelten können, da die Grenzen zu dualistischen, pluralistischencite-ref-289[289] oder generell antiontologischencite-ref-290[290] AnsĂ€tzen hĂ€ufig verschwimmen.

Nichtmaterialistische Positionen

In der modernen Philosophie des Geistes werden auch dualistische Positionen vertreten. Ein Typ von Argumenten bezieht sich dabei auf Gedankenexperimente, bei denen man sich entkörpert vorstellt.cite-ref-291[291] Eine entsprechende Überlegung von Richard Swinburnecite-ref-292[292] lĂ€sst sich wie folgt alltagssprachlich wiedergeben: „Wir können uns eine Situation vorstellen, in der unser Körper zerstört wird, aber unser Bewußtsein andauert. Dieser Bewußtseinsstrom benötigt einen TrĂ€ger oder eine Substanz. Und damit diese Substanz identisch mit der Person vor dem körperlichen Tod ist, muß es etwas geben, was die eine Phase mit der anderen verbindet. Da der Körper zerstört wird, kann dieses Etwas nicht physikalische Materie sein: Es muß also etwas Immaterielles geben, und das nennen wir Seele.“cite-ref-293[293] Auch William D. Hart beispielsweise hat einen cartesianischen Dualismus verteidigt mit dem Argument, dass wir uns vorstellen können, ohne Körper zu sein, gleichwohl aber unsere AkteurskausalitĂ€t beizubehalten; da Vorstellbares möglich ist, können wir selbst also auch ohne Körper existieren, also sind wir selbst nicht notwendigerweise und damit nicht eigentlich an Materielles gebunden.cite-ref-294[294]

Eine Ă€hnliche dualistische Position verteidigt John A. Foster.cite-ref-295[295] Dazu weist er einen eliminativen Materialismus zurĂŒck. Wer mentale ZustĂ€nde leugne, befinde sich selbst in einem mentalen Zustand und mache eine bedeutungsvolle Aussage, was selbst bereits mentale PhĂ€nomene impliziere. Behavioristische Reduktionen scheiterten daran, die VerhaltenszustĂ€nde ebenfalls durch mentale ZustĂ€nde spezifizieren zu mĂŒssen. Außerdem bringt Foster eine Variante des Wissensarguments vor: WĂ€ren diese Materialismen wahr, könnte ein von Geburt Blinder den Gehalt von Farbwahrnehmungen erfassen, was aber ausgeschlossen sei. Ähnliche Probleme seien mit Reduktionen auf funktionale Rollen verbunden, wie sie von Sydney Shoemaker, in der komplizierteren Variante funktionaler Profile auch von David M. Armstrong und David K. Lewis vertreten werden, sowie mit Theorien der TypenidentitĂ€t. Insbesondere könnten mentale ZustĂ€nde mit gleichen funktionalen Rollen nicht zureichend unterschieden werden. Auch eine Unterscheidung derart, dass der phĂ€nomenale Gehalt durch Introspektion, der neurophysiologische Typ durch wissenschaftliche Begriffe erfasst wird (eine von Michael Lockwood entwickelte Idee), könne nicht erklĂ€ren, warum materiell gleiche Einheiten mit verschiedenen Erfahrungen zusammenhĂ€ngen. Statt solcher Token- und TypenidentitĂ€tstheorien mĂŒsse ein cartesianischer Interaktionismus von Seele und Körper angenommen werden. Dazu wird das Argument (von Donald Davidson) zurĂŒckgewiesen, dass hier keine strikten Gesetze denkbar seien. Da materielle Objekte keine mentalen ZustĂ€nde besitzen könnten, weil nur mentale Eigenschaften konstituieren, dass ein mentaler Zustand einem Objekt zukommt, mĂŒsse eine nichtphysikalische Seele angenommen werden. Diese könne nur direkt (ostensiv), nicht durch Attribute wie „denkend“ charakterisiert werden (weil sie z. B. zu einem Zeitpunkt auch nur unbewusste okkurente mentale ZustĂ€nde besitzen kann). Eine Person sei zudem – gegen John Locke – identisch mit dem Subjekt phĂ€nomenaler ZustĂ€nde.cite-ref-296[296]

Auch die radikale Position, dass die Wirklichkeit ĂŒberhaupt nur aus Psychischem bestehe, ein sogenannter Immaterialismus, wird in modernen Debatten vertreten, beispielsweise von Timothy Sprigge.

Gilbert Ryle

Gilbert Ryle meint, dass es einem Kategorienfehler gleichkomme, ĂŒber Mentales wie ĂŒber Materielles zu sprechen. Es sei ebenso unsinnig, neben dem Körper noch einen Geist zu suchen, wie neben den einzelnen Spielern einer Fußballmannschaft, die in ein Stadion einzieht, noch ein Etwas „die Mannschaft“ zu suchen.cite-ref-297[297] Die Mannschaft besteht nĂ€mlich nicht neben den Einzelspielern, sondern aus ihnen. Je nachdem, ob man „die Mannschaft“ als rein begriffliches (irreales) Konstrukt auffasst oder ihr eine eigene RealitĂ€t zuspricht (Universalienproblem), gelangt man zu unterschiedlichen Antworten in Bezug auf die „RealitĂ€t“ der Existenz einer Seele. Im Wesentlichen knĂŒpft Ryle damit an die aristotelische Definition an, wonach die Seele als Formprinzip des Materiellen, speziell des Lebendigen zu begreifen ist, das vom Körper abgesondert nicht existieren kann.

Mögliche Eigenschaften der Seele

Einfachheit

Das traditionelle Konzept einer unsterblichen Seele setzt voraus, dass sie nicht aus Teilen besteht, in die sie zerlegbar ist, da sie sonst vergÀnglich wÀre. Andererseits wird ihr komplexe Interaktion mit der Umwelt zugeschrieben, was nicht mit der Vorstellung vereinbar ist, dass sie absolut einfach und unverÀnderlich sei. Swinburne nimmt daher im Rahmen seines dualistischen Konzepts an, dass die menschliche Seele eine kontinuierliche, komplexe Struktur aufweist. Dies folgert er aus der möglichen StabilitÀt eines Systems von miteinander verbundenen Ansichten und Begehren eines Individuums.cite-ref-298[298]

Ludwig Wittgenstein hat die Auffassung vertreten, „daß die Seele – das Subjekt etc. – wie sie in der heutigen oberflĂ€chlichen Psychologie aufgefaßt wird, ein Unding ist. Eine zusammengesetzte Seele wĂ€re nĂ€mlich keine Seele mehr.“cite-ref-299[299]

Roderick M. Chisholm hat den Gedanken der „Einfachheit“ (im Sinne von Nichtzusammengesetztheit) der „Seele“ wieder aufgegriffen. Dabei versteht er „Seele“ gleichsinnig mit „Person“ und beansprucht, dass dies auch die von Augustinus, Descartes, Bernard Bolzano und vielen anderen gemeinte Wortbedeutung sei. In diesem Sinne verteidigt er, wie auch in anderen Wortmeldungen zur Theorie der SubjektivitĂ€t, dass unser Wesen fundamental anders beschaffen sei als das Wesen zusammengesetzter EntitĂ€ten.cite-ref-300[300]

Fortexistenz nach dem Tode

WÀhrend Materialisten die Existenz einer Seele verneinen und viele Dualisten den Begriff Seele nicht mehr in einem traditionellen Sinne verstehen, ist die Frage eines postmortalen Weiterlebens in den letzten Jahrzehnten wieder debattiert und teilweise positiv beantwortet worden. Lynne Rudder Baker unterscheidet sieben metaphysische Positionen, welche die Fortexistenz einer persönlichen IdentitÀt nach dem Tode bejahen:

1. Immaterialismus: die Fortdauer der Person beruht auf Selbigkeit der Seele vor und nach dem Tode
2. Animalismus: die Fortdauer der Person beruht auf Selbigkeit des lebenden Organismus vor und nach dem Tode
3. Thomismus: die Fortdauer der Person beruht auf Selbigkeit des Kompositums von Körper und Seele vor und nach dem Tode
4. GedÀchtnistheorien: eine Person ist vor und nach dem Tod genau dann dieselbe, wenn eine psychische KontinuitÀt vorliegt
5. Seele als „Software“: die Selbigkeit der Person ist analog derjenigen einer von Hardware (in diesem Fall dem Gehirn) unabhĂ€ngigen Software
6. Seele als informationstragendes Muster: die Selbigkeit der Person beruht auf Selbigkeit eines Informationsmusters, das von der Körpermaterie getragen wird und nach dem Tod der Person wiederhergestellt werden kann

Baker diskutiert, inwieweit sich diese Positionen als metaphysische Grundlage fĂŒr den christlichen Auferstehungsglauben eignen. Dabei verwirft sie die ersten sechs Positionen und verteidigt dann eine Variante der siebten.cite-ref-301[301]

Die Seele als Ganzheit und ihr VerhÀltnis zum Geist

Abseits der Diskussion zwischen Dualisten und Materialisten hat sich im deutschen Sprachraum ein Seelenbegriff entwickelt, der seine Bestimmung in erster Linie daraus zieht, dass er die Seele als eine Ganzheit gegen den Geist und dessen Vielheit objektiver Inhalte abgrenzt.

FĂŒr Georg Simmel ist der Geist „der objektive Inhalt dessen, was innerhalb der Seele in lebendiger Funktion bewußt wird; Seele ist gleichsam die Form, die der Geist, d. h. der logisch-begriffliche Inhalt des Denkens, fĂŒr unsere SubjektivitĂ€t, als unsere SubjektivitĂ€t, annimmt.“cite-ref-302[302] Geist ist also verobjektivierte Seele. Seine Inhalte liegen in Teilen vor, wĂ€hrend die Seele immer die Einheit des ganzen Menschen ausmacht.

Ähnlich sieht es Helmut Plessner, fĂŒr den die Seele die Ganzheit des Menschen mit allem WĂŒnschen und Wollen und allem unbewussten Drang ausmacht. Dem Geist kommt hĂ€ufig die Aufgabe zu, der Seele bei der Befriedigung ihrer WĂŒnsche zu dienen: „Geist wird von einem individuellen, unvertretbaren, sich wenigstens so wissenden Seelenzentrum erfaßt und wirkt auch so allein auf die physische DaseinssphĂ€re.“cite-ref-303[303] Damit meint Plessner jedoch nicht den auf Nietzsche zurĂŒckgehenden Zusammenhang von Körper und Intellekt, bei dem der Intellekt die Aufgabe hat, dafĂŒr zu sorgen, dass die natĂŒrlichen BedĂŒrfnisse des Körpers befriedigt werden. Geist meint bei Plessner den vollen kulturellen Gehalt aller menschlichen Selbst- und WeltverhĂ€ltnisse. WĂ€hrend der Mensch aufgrund seiner exzentrischen PositionalitĂ€t zwar einzelne Inhalte seines Geistes in objektivierter Form fĂŒr sich fassbar machen kann, ist ihm das fĂŒr seine Seele verwehrt, denn er kann sich niemals als Ganzes vor sich selbst bringen und ĂŒber sich reflektieren.

Oswald Spengler betont ebenfalls die Einheit der Seele: „Eher ließe sich ein Thema von Beethoven mit Seziermesser oder SĂ€ure zerlegen, als die Seele durch Mittel des abstrakten Denkens.“cite-ref-304[304] Alle Versuche, Seelisches darzustellen, seien nur Bilder, die ihrem Gegenstand niemals gerecht werden. An Nietzsches starken Subjektivismus anknĂŒpfend ĂŒbertrĂ€gt Spengler den Seelenbegriff zudem auf Kulturen: Jede große Kultur beginnt mit einer Grundauffassung der Welt, sie hat eine Seele, mit der sie der Welt gestaltend gegenĂŒbertritt. Kulturen formen sich geistig und materiell ihre je eigene „Wirklichkeit als den Inbegriff aller Symbole in Bezug auf eine Seele“.cite-ref-305[305]

Ernst Cassirer erörtert die Seele im Rahmen seiner Philosophie der symbolischen Formen. Er meint, dass jede symbolische Form die Grenze zwischen Ich und Wirklichkeit nicht als feststehende im Voraus habe, sondern sie selbst erst setze. Daher sei auch fĂŒr den Mythos zu vermuten, „daß er sowenig mit einem fertigen Begriff vom Ich oder von der Seele wie von einem fertigen Bild des objektiven Seins und Geschehens seinen Ausgang nimmt, sondern daß er beide erst zu gewinnen, erst aus sich heraus zu bilden hat.“cite-ref-306[306] Eine Vorstellung von der Seele bilde sich erst langsam im Kulturprozess heraus. Damit es dazu kommen könne, mĂŒsse der Mensch erst die Trennung von Ich und Welt vollziehen, sich als Ich und Seele begreifen und aus dem Gesamtzusammenhang der Natur herauslösen. Die Vorstellungen von einer Seele als Einheit seien sowohl in der Religion als auch in der Philosophie erst spĂ€te Konzepte.cite-ref-307[307]

Bei Ludwig Klages wird aus dem VerhĂ€ltnis von Geist und Seele eine Gegnerschaft, die sich zwangslĂ€ufig aus dem Wesen der beiden Pole ergibt. In seinem dreibĂ€ndigen Hauptwerk Der Geist als Widersacher der Seele erlĂ€utert Klages, der hier stark von Friedrich Nietzsche beeinflusst ist, ausfĂŒhrlich seine These, dass der Geist und das Lebensprinzip, die Seele, „einander feindlich entgegengesetzt“ seien. Der Geist, der philosophische und wissenschaftliche Systeme hervorbringt, sei starr, statisch und wirklichkeitsfremd. Er baue am Kerker des Lebens. Die Seele hingegen wandle sich bestĂ€ndig und sei fĂ€hig, sich in tiefem Erleben der Wirklichkeit hinzugeben. Sie sei vergĂ€nglich und solle ihre VergĂ€nglichkeit als „Gebot des Sterbens“ und Voraussetzung allen Lebens bejahen. Die Vorstellung einer unsterblichen Seele sei ein Produkt des lebensfeindlichen Geistes.cite-ref-308[308]

Tiefenpsychologische Betrachtungen

Freudsche Psychoanalyse

Zur Aufgabe der Psychoanalyse stellte Sigmund Freud 1914 fest, sie habe bislang nicht beansprucht, „eine vollstĂ€ndige Theorie des menschlichen Seelenlebens ĂŒberhaupt zu geben“;cite-ref-309[309] auch die Metapsychologie als ein spĂ€ter unternommener Versuch diesen Sinnes verblieb aufgrund der noch fehlenden wissenschaftlichen Möglichkeiten im Zustand eines Torso.cite-ref-310[310] Freud schrieb, dass die Begriffe „Seele“ und „Psyche“ im Kontext dieser Theorie synonym verwendet wĂŒrden und dass vom Seelenleben zweierlei bekannt sei: das Gehirn mit dem Nervensystem als biologische Organe und die Bewusstseinsakte, welche auf die Körperlichkeit als Schauplatz der psychischen VorgĂ€nge verweisen. Die Bewusstseinsakte seien jedoch unmittelbar gegeben und könnten dem Menschen daher durch keine Beschreibung nĂ€her gebracht werden. Eine empirische Beziehung zwischen diesen „beiden Endpunkten unseres Wissens“ sei nicht gegeben, und selbst wenn sie bestĂŒnde, könnte sie nur zur Lokalisation der BewusstseinsvorgĂ€nge, nicht zu deren VerstĂ€ndnis beitragen. Das Seelenleben sei die Funktion des „psychischen Apparates“, der rĂ€umlich ausgedehnt und aus mehreren StĂŒcken zusammengesetzt sei, Ă€hnlich wie ein Fernrohr oder Mikroskop. Die Instanzen oder Bezirke des Seelenlebens seien das Es, das Ich und das Über-Ich.cite-ref-311[311] Freud vermutete, die RĂ€umlichkeit sei Projektion der Ausdehnung des psychischen Apparates, dessen Bedingungen Kants a priori zu ersetzen hĂ€tten. Dazu notierte Freud 1938: „Psyche ist ausgedehnt, weiss nichts davon.“cite-ref-312[312] Er meinte, die Philosophie mĂŒsse den Ergebnissen der Psychoanalyse „in ausgiebigster Weise“ Rechnung tragen, insofern sie auf Psychologie aufgebaut sei. Sie mĂŒsse ihre Hypothesen ĂŒber das VerhĂ€ltnis des Seelischen zum Leiblichen entsprechend modifizieren. Mit den „unbewussten SeelentĂ€tigkeiten“ hĂ€tten sich die Philosophen bislang – Freud schrieb dies 1913 – nicht auf angemessene Weise beschĂ€ftigt, denn sie hĂ€tten deren PhĂ€nomene nicht gekannt.cite-ref-313[313]

Freud meinte, sein allgemeines Schema des psychischen Apparates gelte auch fĂŒr die „höheren, dem Menschen seelisch Ă€hnlichen Tiere“. So sei bei Tieren, die lĂ€ngere Zeit zum Menschen in einem VerhĂ€ltnis kindlicher AbhĂ€ngigkeit gestanden hĂ€tten, ein Über-Ich anzunehmen. Die Tierpsychologie solle dies erforschen.cite-ref-314[314] TatsĂ€chlich erlebte die Erforschung tierischen Verhaltens unter psychologischen Gesichtspunkten in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung. Die Tierpsychologie, die spĂ€ter Ethologie genannt wurde, entwickelte sich zu einem eigenstĂ€ndigen Fachgebiet.

Jungsche Analytische Psychologie

Carl Gustav Jung gab in seiner 1921 veröffentlichten Untersuchung Psychologische Typen eine Definition des Begriffs „Seele“ im Rahmen der von ihm verwendeten Terminologie. Er unterschied zwischen Seele und Psyche. Als Psyche bezeichnete er die Gesamtheit aller – bewussten und unbewussten – psychischen VorgĂ€nge. Die Seele beschrieb er als „einen bestimmten, abgegrenzten Funktionskomplex, den man am besten als eine Persönlichkeit charakterisieren könnte“.cite-ref-315[315] Zu unterscheiden sei zwischen der Ă€ußeren und der inneren Persönlichkeit des Menschen; die innere setzte Jung mit der Seele gleich. Die Ă€ußere Persönlichkeit sei eine von den Absichten des Individuums und von den AnsprĂŒchen und Meinungen seiner Umgebung geprĂ€gte „Maske“. Diese Maske nannte Jung, die antike lateinische Bezeichnung fĂŒr Masken von Schauspielern aufgreifend, Persona. Die innere Persönlichkeit, die Seele, sei „die Art und Weise, wie sich einer zu den inneren psychischen VorgĂ€ngen verhĂ€lt“, seine innere Einstellung, „der Charakter, den er dem Unbewussten zukehrt“.cite-ref-316[316] Jung formulierte den Grundsatz, die Seele verhalte sich zur Persona komplementĂ€r. Sie enthalte diejenigen allgemein menschlichen Eigenschaften, welche der Persona fehlten. So gehöre zu einer intellektuellen Persona eine sentimentale Seele, zu einer harten, tyrannischen, unzugĂ€nglichen Persona eine unselbstĂ€ndige, beeinflussbare Seele, zu einer sehr mĂ€nnlichen Persona eine weibliche Seele. Daher könne man den Charakter der nach außen verborgenen, hĂ€ufig auch dem Bewusstsein des betreffenden Menschen selbst unbekannten Seele aus dem Charakter der Persona ableiten.cite-ref-317[317]

Literatur

Allgemeines

‱ Jan N. Bremmer: Die Karriere der Seele. Vom antiken Griechenland ins moderne Europa. In: Bernd Janowski (Hrsg.): Der ganze Mensch. Zur Anthropologie der Antike und ihrer europĂ€ischen Nachgeschichte. Akademie Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-05-005113-0, S. 173–198.
‱ Gerd JĂŒttemann, Michael Sonntag, Christoph Wulf (Hrsg.): Die Seele. Ihre Geschichte im Abendland. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1991, ISBN 3-621-27114-7.
‱ BĂ©la RĂ©vĂ©sz: Geschichte des Seelenbegriffes und der Seelenlokalisation. Enke, Stuttgart 1917.

Religionswissenschaft

‱ Johann Figl, Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Religionswissenschaft. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2002, ISBN 3-8260-2377-3.
‱ Hans-Peter Hasenfratz: Die Seele. EinfĂŒhrung in ein religiöses GrundphĂ€nomen. Theologischer Verlag, ZĂŒrich 1986, ISBN 3-290-11567-4.

Philosophische Übersichts- und Gesamtdarstellungen

‱ Katja Crone, Robert Schnepf, JĂŒrgen Stolzenberg (Hrsg.): Über die Seele, Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-29516-8 (AufsĂ€tze zur Philosophiegeschichte und BeitrĂ€ge zur Diskussion im 21. Jahrhundert).
‱ Manuela di Franco: Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen, Reclam, Stuttgart 2009.
‱ Dieter HĂŒning, Stefan Klingner, Gideon Stiening (Hrsg.): Das Problem der Unsterblichkeit der Seele in der Philosophie, den Wissenschaften und den KĂŒnsten des 18. Jahrhunderts (= Martin Mulsow, Gideon Stiening, Friedrich Vollhardt [Hrsg.]: AufklĂ€rung : interdisziplinĂ€res Jahrbuch zur Erforschung des 18. Jahrhunderts und seiner Wirkungsgeschichte. Band 29). Felix Meiner Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-7873-3449-0 (AufsĂ€tze ĂŒber die Behandlung der Frage der Unsterblichkeit der Seele bei Abbt, Bonnet, Butler, Canz, Cooper, Crusius, Herder, Hume, Jacobi, Kant, Lessing, Mendelssohn, Priestley, Reid, Wieland, Wolff, im französischen und deutschen Materialismus, in der Neologie).
‱ Sandro Nannini: Seele, Geist und Körper. Historische Wurzeln und philosophische Grundlagen der Kognitionswissenschaften. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54883-4 (Gesamtdarstellung aus materialistischer Sicht).
‱ Hartmut Sommer: Unsterbliche Seele – Antworten der Philosophie, Topos, Kevelaer 2016, ISBN 978-3-8367-1048-0 (Gesamtdarstellung aus der Sicht einer christlichen Philosophie).

Philosophiegeschichte

‱ Jan N. Bremmer: The Early Greek Concept of the Soul. Princeton University Press, Princeton 1983, ISBN 0-691-06528-4.
‱ David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato. Yale University Press, New Haven 1981, ISBN 0-300-02096-1.
‱ Barbara Feichtinger (Hrsg.): Körper und Seele. Aspekte spĂ€tantiker Anthropologie. Saur, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-598-77827-8.
‱ Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt zum 7. Mai 1998. Teubner, Stuttgart 1998, ISBN 3-519-07658-6 (enthĂ€lt zahlreiche BeitrĂ€ge zu Antike, Mittelalter und Neuzeit).
‱ Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2005, ISBN 3-8260-2796-5.
‱ Klaus Kremer (Hrsg.): Seele. Ihre Wirklichkeit, ihr VerhĂ€ltnis zum Leib und zur menschlichen Person. Brill, Leiden 1984, ISBN 90-04-06965-8.
‱ Herbert Reier: Heilkunde im mittelalterlichen Skandinavien. Seelenvorstellungen im Altnordischen. 2 BĂ€nde. Kiel 1976.
‱ John P. Wright, Paul Potter (Hrsg.): Psyche and Soma. Physicians and metaphysicians on the mind-body problem from Antiquity to Enlightenment. Clarendon Press, Oxford 2000, ISBN 0-19-823840-1.

Moderner philosophischer Diskurs

‱ Ansgar Beckermann: Das Leib-Seele-Problem. Eine EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes. Wilhelm Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4571-1 (Darstellung aus naturalistischer Sicht).
‱ Mark C. Baker, Stewart Goetz (Hrsg.): The Soul Hypothesis. Investigations into the Existence of the Soul. Continuum, New York 2011, ISBN 978-1-4411-5224-4 (Aufsatzsammlung; Argumente aus dualistischer Sicht).
‱ Georg Gasser, Josef Quitterer (Hrsg.): Die AktualitĂ€t des Seelenbegriffs. InterdisziplinĂ€re ZugĂ€nge. Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76905-3 (Aufsatzsammlung; nichtnaturalistische AnsĂ€tze).
‱ Marcus Knaup: Leib und Seele oder mind and brain? Zu einem Paradigmenwechsel im Menschenbild der Moderne. Karl Alber, Freiburg 2012, ISBN 978-3-495-48547-7 (Darstellung eines neuaristotelischen Ansatzes).
‱ Simon L. Frank: Die Seele des Menschen. Versuch einer EinfĂŒhrung in die philosophische Psychologie (= Simon L. Frank: Werke in acht BĂ€nden, Band 2). Alber, Freiburg im Breisgau 2008, ISBN 978-3-495-47936-0.

Theologie

‱ Wilhelm Breuning (Hrsg.): Seele: Problembegriff christlicher Eschatologie. Herder, Freiburg u. a. 1986, ISBN 3-451-02106-4.
‱ Godehard BrĂŒntrup, Matthias Rugel, Maria Schwartz (Hrsg.): Auferstehung des Leibes – Unsterblichkeit der Seele. Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-020979-4.
‱ Petrus Feger: Um die Seele. In: Benediktinische Monatschrift 24 (1948), S. 411–422.
‱ Johanna Haberer: Die Seele. Versuch einer Reanimation, Claudius Verlag, MĂŒnchen 2021.
‱ Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie. Bertelsmann, GĂŒtersloh 1950.
‱ Karl-Ludwig Koenen, Josef Schuster (Hrsg.): Seele oder Hirn? Vom Leben und Überleben der Personen nach dem Tod. Aschendorff, MĂŒnster 2012, ISBN 978-3-402-16056-5.
‱ Caspar Söling: Das Gehirn-Seele-Problem. Neurobiologie und theologische Anthropologie. Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-506-78586-9.
‱ Beatrice La Farge: Leben und Seele in den altgermanischen Sprachen. Studien zum Einfluß christlich-lateinischer Vorstellungen auf die Volkssprachen (= Skandinavistische Arbeiten, 11). Winter, Heidelberg 1991, ISBN 978-3-8253-4416-0.

Biologie

‱ Olaf Breidbach: Die Materialisierung des Ichs. Zur Geschichte der Hirnforschung im 19. und 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3-518-28876-8.
‱ Michael Hagner: Homo cerebralis. Der Wandel vom Seelenorgan zum Gehirn. Insel, Frankfurt a. M. 2000, ISBN 978-3-458-34364-6.

Weblinks

Commons

: Soul

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikiquote: Seele

– Zitate

Wiktionary: Seele

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Theologie

‱ Dirk Evers: Heute von der Seele reden 
 (PDF; 250 kB), Vortrag fĂŒr die Evangelische Akademie im Rheinland, Bonn 2006.
‱ Herbert Frohnhofen: Bibliographie zum Thema Leib und Seele im Kontext theologischer Anthropologie.
‱ Johanna Haberer im GesprĂ€ch mit Christopher Ricke: Begriffsgeschichte der Seele. „Das Wort bezeichnet alles, was lebendig ist“ (deutschlandfunkkultur.de vom 29. August 2021).
‱ Seele, Website herder.de (eine katholische Sichtweise nach: Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch, Herder, Freiburg 2008).
‱ Kallistos Ware: The unity of the human person (Darstellung aus orthodoxer Sicht).

Philosophie

‱ Merle Curti: Psychological Theories in American Thought. In: Dictionary of the History of Ideas
‱ Rudolf Eisler: Seele. In: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2, Berlin 1904, S. 304–321.
‱ Anthony A. Long: Psychological Ideas in Antiquity. In: Dictionary of the History of Ideas
‱ Hendrik Lorenz: Ancient Theories of Soul. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
‱ Fernand-Lucien Mueller: Psychological Schools in European Thought. In: Dictionary of the History of Ideas
‱ Voltaire ĂŒber die Seele. In: Dictionnaire philosophique portatif (deutsche Übersetzung)

Psychologie

‱ Steve Ayan: Was von der Seele ĂŒbrig bleibt (Website spektrum.de vom 3. Dezember 2015).
‱ Jesse M. Bering: The folk psychology of souls (PDF; 561 kB). In: Behavioral and Brain Sciences 29, 2006, S. 453–498 (Darstellung aus naturalistischer Sicht).
‱ Wolfgang Mack: Braucht die Wissenschaft der Psychologie den Begriff der Seele? (PDF; 208 kB). In: e-Journal Philosophie der Psychologie (2007).
‱ Roland MĂŒller: Bibliographie zur Geschichte des Seelenbegriffs und der Seelenvorstellungen.
‱ Christopher D. Green: Classics in the History of Psychology (Textsammlung).
‱ Benjamin Rand: The classical psychologists. Selections illustrating psychology from Anaxagoras to Wundt (1912).
‱ Robert M. Young: Mind, Brain and Adaptation in the Nineteenth Century: Cerebral Localization and Its Biological Context from Gall to Ferrier (Bibliographie)

Nahtoderfahrung

‱ Spiegel-TV: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Blick ins Jenseits, Video vom 9. MĂ€rz 2014.

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Band M–Z, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 1268; Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 21. Auflage, Berlin 1975, S. 697. Die sogenannte See-Hypothese vertrat Josef Weisweiler: Seele und See. In: Indogermanische Forschungen. Band 57, 1940, S. 25–55; ihm widersprach Fritz Mezger: Gotisch saiwala „Seele“. In: Zeitschrift fĂŒr vergleichende Sprachforschung. Band 82, 1968, S. 285–287.
cite-note-22. ↑ Lennart Ejerfeldt: Germanische Religion. In: Jes Peter Asmussen u. a. (Hrsg.): Handbuch der Religionsgeschichte. Band 1. Göttingen 1971, S. 277–342, hier: S. 316 f.
cite-note-33. ↑ Prolog des Tristan; zum Begriff und seinem Hintergrund Klaus Speckenbach: Studien zum Begriff 'edelez herze' im Tristan Gottfrieds von Straßburg, MĂŒnchen 1965; Hermann Kunisch: edelez herze – edeliu sele. Vom VerhĂ€ltnis höfischer Dichtung zur Mystik. In: Ursula Hennig, Herbert Kolb (Hrsg.): Mediaevalia litteraria. Festschrift fĂŒr Helmut de Boor. MĂŒnchen 1971, S. 413–450; Gertrud GrĂŒnkorn: Die FiktionalitĂ€t des höfischen Romans um 1200. Berlin 1994, S. 135 f.
cite-note-44. ↑ Friedrich Nietzsche: Ecce homo, Warum ich ein Schicksal bin, 4.
cite-note-55. ↑ Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der AufklĂ€rung, Amsterdam 1947, S. 299.
cite-note-66. ↑ Weitere Belege bei Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Seele. In: Deutsches Wörterbuch, Band 9, Leipzig 1899, Sp. 2851–2926.
cite-note-77. ↑ Hans-Peter Hasenfratz: Seele I. In: Theologische RealenzyklopĂ€die. Band 30, Berlin 1999, S. 733–737, hier: S. 734.
cite-note-88. ↑ Claude RiviĂšre: Soul: Concepts in Indigenous Religions. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion. 2. Auflage. Detroit 2005, Band 12, S. 8531–8534, hier: S. 8531 f.; Hans-Peter Hasenfratz: Seele I. In: Theologische RealenzyklopĂ€die. Band 30, Berlin 1999, S. 733–737, hier: S. 734 f.
cite-note-99. ↑ Hans-Peter Hasenfratz: Die Seele, ZĂŒrich 1986, S. 105–111 (mit Beispielen).
cite-note-1010. ↑ PrĂ€sentation und Auswertung einer FĂŒlle von Material zu den multiplen Seelen bieten die Arbeit von Ernst Arbman: Untersuchungen zur primitiven Seelenvorstellung mit besonderer RĂŒcksicht auf Indien. In: Le Monde Oriental. 20, 1926, S. 85–226 und 21, 1927, S. 1–185 und die großen Regionalstudien von Arbmans SchĂŒlern Ake Hultkrantz: Conceptions of the Soul among North American Indians, Stockholm 1953 und Ivar Paulson: Die primitiven Seelenvorstellungen der nordeurasischen Völker, Stockholm 1958. Siehe auch Ernest A. Worms: Der australische Seelenbegriff. In: Zeitschrift fĂŒr Missionswissenschaft und Religionswissenschaft 43, 1959, S. 296–308; Hans Fischer: Studien ĂŒber Seelenvorstellungen in Ozeanien. MĂŒnchen 1965 (mit methodischen Erörterungen: S. 45 ff.).
cite-note-1111. ↑ Ina Wunn: Die Religionen in vorgeschichtlicher Zeit. Stuttgart 2005, S. 293 f. und 340–346. Zu den widerspruchsvollen Vorstellungen der frĂŒhgeschichtlichen Kelten ĂŒber das Schicksal der Totenseelen siehe Jan de Vries: Keltische Religion. Stuttgart 1961, S. 205 f. und 248–260.
cite-note-1212. ↑ Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, ZĂŒrich 1961, S. 35–38, 50–55.
cite-note-1313. ↑ Jan Gonda: Die Religionen Indiens: I. Veda und Ă€lterer Hinduismus, Stuttgart 1960, S. 201–213.
cite-note-1414. ↑ Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, ZĂŒrich 1961, S. 255–299; Jan Gonda: Die Religionen Indiens: II. Der jĂŒngere Hinduismus, Stuttgart 1963, S. 131–150.
cite-note-1515. ↑ Hans Wolfgang Schumann: Der historische Buddha, Kreuzlingen 2004, S. 162–170.
cite-note-1616. ↑ Adi Granth, S. 276 (online, mit englischer Übersetzung).
cite-note-1717. ↑ Paul Dundas: The Jains. 2. Auflage. London 2002, S. 93–111; Walther Schubring: The Doctrine of the Jainas. 2. Auflage. Delhi 2000, S. 152–203; Helmuth von Glasenapp: Der Jainismus. Hildesheim 1964 (Nachdruck der Ausgabe von 1925), S. 152 ff.
cite-note-1818. ↑ Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens. ZĂŒrich 1961, S. 240–245.
cite-note-1919. ↑ Jan Gonda: Die Religionen Indiens: I. Veda und Ă€lterer Hinduismus. Stuttgart 1960, S. 313 f.; Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens. ZĂŒrich 1961, S. 544 und Anm. 1.
cite-note-2020. ↑ Michael Loewe: Chinese Ideas of Life and Death. London 1982, S. 26 f., 114 f. und S. 120–122; Ulrich Unger: Grundbegriffe der altchinesischen Philosophie, Darmstadt 2000, S. 34; Florian C. Reiter: Religionen in China, MĂŒnchen 2002, S. 98; Tu Wei-Ming: Soul: Chinese Concepts. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 12, Detroit 2005, S. 8554–8556, hier: S. 8554.
cite-note-2121. ↑ Michael Loewe: Ways to Paradise. The Chinese Quest for Immortality. London 1979, S. 10 f.
cite-note-2222. ↑ Werner Eichhorn: Die Religionen Chinas, Stuttgart 1973, S. 65, 79–83; Ulrich Unger: Grundbegriffe der altchinesischen Philosophie, Darmstadt 2000, S. 127.
cite-note-2323. ↑ Zu den Jenseitsvorstellungen siehe Michael Loewe: Chinese Ideas of Life and Death. London 1982, S. 26 ff. und 114 ff.; Michael Loewe: Ways to Paradise. The Chinese Quest for Immortality. London 1979, S. 11 ff. und 33 f.
cite-note-2424. ↑ Ulrich Unger: Grundbegriffe der altchinesischen Philosophie, Darmstadt 2000, S. 34, 119; Werner Eichhorn: Die Religionen Chinas, Stuttgart 1973, S. 66.
cite-note-2525. ↑ Ulrich Unger: Grundbegriffe der altchinesischen Philosophie. Darmstadt 2000, S. 102 f.
cite-note-2626. ↑ Werner Eichhorn: Die Religionen Chinas, Stuttgart 1973, S. 19–21, 25–27, 36–41.
cite-note-2727. ↑ Werner Eichhorn: Die Religionen Chinas. Stuttgart 1973, S. 53 f.
cite-note-2828. ↑ Etienne Balazs: Chinese Civilization and Bureaucracy, New Haven 1964, S. 260–265.
cite-note-2929. ↑ Fung Yu-Lan: A History of Chinese Philosophy, Band 2, Princeton 1983 (Nachdruck der Ausgabe von 1953), S. 284–292. Eine Zusammenstellung einschlĂ€giger chinesischer Texte in englischer Übersetzung bietet Walter Liebenthal: The Immortality of the Soul in Chinese Thought. In: Monumenta Nipponica 8, 1952, S. 327–397.
cite-note-3030. ↑ Masaharu Anesaki: History of Japanese Religion. London 1963, S. 39 f.; Matthias Eder: Geschichte der japanischen Religion. Band 1, Nagoya 1978, S. 81.
cite-note-3131. ↑ Matthias Eder: Geschichte der japanischen Religion. Band 2, Nagoya 1978, S. 32 f.
cite-note-3232. ↑ Matthias Eder: Geschichte der japanischen Religion, Band 1, Nagoya 1978, S. 77–79 u. 99.
cite-note-3333. ↑ Masaharu Anesaki: History of Japanese Religion, London 1963, S. 70; Matthias Eder: Geschichte der japanischen Religion, Band 1, Nagoya 1978, S. 79–81, 96; Robert J. Smith: Ancestor Worship in Contemporary Japan, Stanford 1974, S. 15–19, 99–104.
cite-note-3434. ↑ Zu dem Wort und seiner Bedeutung siehe Matthias Eder: Geschichte der japanischen Religion, Band 1, Nagoya 1978, S. 11f.
cite-note-3535. ↑ Masaharu Anesaki: History of Japanese Religion, London 1963, S. 40; Richard Bowring: The Religious Traditions of Japan, 500–1600, Cambridge 2005, S. 40f.; Robert J. Smith: Ancestor Worship in Contemporary Japan, Stanford 1974, S. 39f.
cite-note-3636. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 138–141, 143f.; Hermann Kees: Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, 2. Auflage, Berlin 1956, S. 33f.; Helmer Ringgren: Die Religionen des Alten Orients, Göttingen 1979, S. 61.
cite-note-3737. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 138–140; Hermann Kees: Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, 2. Auflage, Berlin 1956, S. 21, 33f.; Klaus Koch: Geschichte der Ă€gyptischen Religion, Stuttgart 1993, S. 85–87; Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten, MĂŒnchen 2001, S. 13–139.
cite-note-3838. ↑ Hermann Kees: Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, 2. Auflage, Berlin 1956, S. 46–50.
cite-note-3939. ↑ Siegfried Morenz: Ägyptische Religion, Stuttgart 1960, S. 216.
cite-note-4040. ↑ Es gibt zwar den berĂŒhmten poetischen Dialog eines lebensmĂŒden Mannes mit seinem Ba aus der Zeit der 12. Dynastie, doch kommt auch dort der Ba nur unter dem Gesichtspunkt des Todes ins Blickfeld. Zum Inhalt Klaus Koch: Geschichte der Ă€gyptischen Religion, Stuttgart 1993, S. 254–256; Winfried Barta: Das GesprĂ€ch eines Mannes mit seinem Ba, Berlin 1969 (Textausgabe mit deutscher Übersetzung; zur „Geburt“ des Ba S. 87).
cite-note-4141. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 140–141; siehe auch Winfried Barta: Das GesprĂ€ch eines Mannes mit seinem Ba, Berlin 1969, S. 92–96 zur gegenseitigen AbhĂ€ngigkeit von Ba und Leichnam.
cite-note-4242. ↑ Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Band 1, Wiesbaden 1975, Sp. 49; vgl. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch (2800–950 v. Chr.), 4. Auflage, Mainz 2006, S. 11f.
cite-note-4343. ↑ Eberhard Otto: Ach. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie, Band 1, Wiesbaden 1975, Sp. 50f.
cite-note-4444. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 141–143; Klaus Koch: Geschichte der Ă€gyptischen Religion, Stuttgart 1993, S. 175.
cite-note-4545. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 33–135; Hermann Kees: Totenglauben und Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter, 2. Auflage, Berlin 1956, S. 24f.; Herman Ludin Jansen: Ägyptische Religion. In: Jes Peter Asmussen (Hrsg.): Handbuch der Religionsgeschichte, Band 1, Göttingen 1971, S. 400.
cite-note-4646. ↑ Fritz Wagner: „GezĂ€hlt, gewogen und zu leicht befunden“ (Dan 5,25–28). Bemerkungen zum Motiv der SeelenwĂ€gung. In: Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt, Stuttgart 1998, S. 369f.; Leopold Kretzenbacher: Die Seelenwaage, Klagenfurt 1958, S. 24–28.
cite-note-4747. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 132f., 135–137; Klaus Koch: Geschichte der Ă€gyptischen Religion, Stuttgart 1993, S. 321–325.
cite-note-4848. ↑ Der Ka entsteht erst mit der Geburt, siehe Hans Bonnet: Reallexikon der Ă€gyptischen Religionsgeschichte, Berlin 1952, S. 358. Herodot behauptete irrtĂŒmlich, die Ägypter hĂ€tten eine Seelenwanderung angenommen; siehe dazu Siegfried Morenz: Religion und Geschichte des alten Ägypten, Köln 1975, S. 214–224.
cite-note-4949. ↑ Hellmut Brunner: GrundzĂŒge der altĂ€gyptischen Religion, Darmstadt 1983, S. 146f.
cite-note-5050. ↑ Pietro Mander: Soul: Ancient Near Eastern Concepts. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 12, Detroit 2005, S. 8535–8540, hier: S. 8537.
cite-note-5151. ↑ Willem H.Ph. Römer: Sumerische Emesallieder. In: Bibliotheca Orientalis 54, 1997, S. 604–619, hier: S. 609 und 617.
cite-note-5252. ↑ Jean BottĂ©ro: La religion babylonienne, Paris 1952, S. 85, 99f.
cite-note-5353. ↑ FĂŒr NĂ€heres siehe Helmer Ringgren: Die Religionen des Alten Orients, Göttingen 1979, S. 110f.
cite-note-5454. ↑ Karel van der Toorn: Family Religion in Babylonia, Syria and Israel, Leiden 1996, S. 60.
cite-note-5555. ↑ Karel van der Toorn: Family Religion in Babylonia, Syria and Israel, Leiden 1996, S. 48–51.
cite-note-5656. ↑ Tafel 12 Verse 84ff.
cite-note-5757. ↑ Alfred Jeremias: Die babylonisch-assyrischen Vorstellungen vom Leben nach dem Tode, Leipzig 1887, S. 54–57 (Quellenbelege); Jean BottĂ©ro: La religion babylonienne, Paris 1952, S. 103–107.
cite-note-5858. ↑ Erich Ebeling: DĂ€monen. In: Reallexikon der Assyriologie, Band 2, Berlin 1938, S. 108; Helmer Ringgren: Die Religionen des Alten Orients, Göttingen 1979, S. 151; Pietro Mander: Soul: Ancient Near Eastern Concepts. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 12, Detroit 2005, S. 8535–8540, hier: S. 8535 f.
cite-note-5959. ↑ Leo Oppenheim: Ancient Mesopotamia, Chicago 1977, S. 198–206.
cite-note-6060. ↑ Tzvi Abusch: Ghost and God: Some Observations on a Babylonian Understanding of Human Nature. In: Albert I. Baumgarten u. a. (Hrsg.): Self, Soul and Body in Religious Experience, Leiden 1998, S. 363–383.
cite-note-6161. ↑ Geo Widengren: Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, S. 20–23, 84f.; Otto GĂŒnther von Wesendonk: Urmensch und Seele in der iranischen Überlieferung, Hannover 1924, S. 191ff.
cite-note-6262. ↑ Geo Widengren: Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, S. 84–87; siehe auch Otto GĂŒnther von Wesendonk: Urmensch und Seele in der iranischen Überlieferung, Hannover 1924, S. 193, der fĂŒr Zarathustra eine klare Abgrenzung der Begriffe annimmt.
cite-note-6363. ↑ Otto GĂŒnther von Wesendonk: Urmensch und Seele in der iranischen Überlieferung, Hannover 1924, S. 193f.
cite-note-6464. ↑ Geo Widengren: Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, S. 85, 102–104; Otto GĂŒnther von Wesendonk: Urmensch und Seele in der iranischen Überlieferung, Hannover 1924, S. 197–200. Zur daēnā siehe auch Mansour Shaki: Dēn. In: Encyclopaedia Iranica, Band 7, Costa Mesa 1996, S. 279–281; Michael Stausberg: Die Religion Zarathustras, Band 1, Stuttgart 2002, S. 144–150.
cite-note-6565. ↑ Geo Widengren: Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, S. 105; Hans-Peter Hasenfratz: Die Seele, ZĂŒrich 1986, S. 45–59.
cite-note-6666. ↑ Zahlreiche Belege zum antiken Sprachgebrauch bei Wilhelm Pape: Griechisch-deutsches Handwörterbuch, 3. Auflage, Band 2, Graz 1954 (Nachdruck), S. 1403f.; noch ausfĂŒhrlicher ist Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon, 9. Auflage, Oxford 1996, S. 2026f. Zur Etymologie siehe Pierre Chantraine: Dictionnaire Ă©tymologique de la langue grecque. Histoire des mots, Paris 2009, S. 1248.
cite-note-6767. ↑ Jan Bremmer: The Early Greek Concept of the Soul, Princeton 1983, S. 15–22; Hans Schwabl: FrĂŒhgriechische Seelenvorstellungen. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 29–64, hier: S. 30–32; David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 61 ff. und 92 ff.; Thomas Jahn: Zum Wortfeld 'Seele-Geist' in der Sprache Homers, MĂŒnchen 1987, S. 27–38 und 119 ff.
cite-note-6868. ↑ Ohnmacht: Ilias 5, 696; 22, 467; beim Tod verlĂ€sst sie den Körper durch den Mund (Ilias 9, 408f.), die Gliedmaßen (Ilias 16, 856; 22, 362) oder eine Wunde in der Brust (Ilias 16, 504f.) und entfliegt in den Hades: Ilias 1, 3f.; 16, 856; 22, 362; Odyssee 10, 560; 11, 65.
cite-note-6969. ↑ Jan Bremmer: The Early Greek Concept of the Soul, Princeton 1983, S. 78f.; Martin F. Meyer: Der Wandel des Psyche-Begriffs im frĂŒhgriechischen Denken von Homer bis Heraklit. In: Archiv fĂŒr Begriffsgeschichte 50, 2008, S. 9–28, hier: S. 12 f.
cite-note-7070. ↑ Ilias 23, 97–104.
cite-note-7171. ↑ Ilias 16, 855–857; 22, 363; 23, 71–79.
cite-note-7272. ↑ Ilias 7, 130f.
cite-note-7373. ↑ Zum thymĂłs bei Homer siehe David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 21f., 37–42.
cite-note-7474. ↑ Martin F. Meyer: Der Wandel des Psyche-Begriffs im frĂŒhgriechischen Denken von Homer bis Heraklit. In: Archiv fĂŒr Begriffsgeschichte 50, 2008, S. 9–28, hier: S. 12 f.
cite-note-7575. ↑ Ilias 9, 322.
cite-note-7676. ↑ Jan Bremmer: The Early Greek Concept of the Soul, Princeton 1983, S. 54–57.
cite-note-7777. ↑ Odyssee 14, 425f.
cite-note-7878. ↑ Jan Bremmer: The Early Greek Concept of the Soul, Princeton 1983, S. 126f.
cite-note-7979. ↑ Sophokles, Philoktetes 1014; Ă€hnlich Antigone 176.
cite-note-8080. ↑ Hans Schwabl: FrĂŒhgriechische Seelenvorstellungen. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 29–64, hier: S. 46–48.
cite-note-8181. ↑ Hans Schwabl: FrĂŒhgriechische Seelenvorstellungen. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 29–64, hier: S. 47; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, ZĂŒrich und MĂŒnchen 1979, S. 117 ff.
cite-note-8282. ↑ Hermann S. Schibli: Pherekydes of Syros, Oxford 1990, S. 104ff., 121ff.
cite-note-8383. ↑ Zum pythagoreischen Seelenkonzept siehe Carl Huffman: The Pythagorean conception of the soul from Pythagoras to Philolaus. In: Dorothea Frede, Burkhard Reis (Hrsg.): Body and Soul in Ancient Philosophy, Berlin 2009, S. 21–43.
cite-note-8484. ↑ Thales, Fragmente DK 11 A 1 (Diogenes Laertios I 24) und DK 11 A 22 (Aristoteles, De anima I 2, 405a).
cite-note-8585. ↑ Anaxagoras, Fragment DK 59 B 12; Aristoteles, De anima 404a–405a.
cite-note-8686. ↑ Aristoteles, De anima I 2, 403b25–28, 404b7ff., 405b15ff.
cite-note-8787. ↑ Aristoteles, De anima 404b; Aetios IV, 3.
cite-note-8888. ↑ David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 114f.; Hans Schwabl: FrĂŒhgriechische Seelenvorstellungen. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 29–64, hier: 52 f.
cite-note-8989. ↑ (Pseudo-)Anaximenes, Fragment DK 13 B 2; zur Zuschreibung Karin Alt: Zum Satz des Anaximenes ĂŒber die Seele. In: Hermes 101, 1973, S. 129–164; David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 122–125.
cite-note-9090. ↑ Anaximander, Fragment DK 12 A 29.
cite-note-9191. ↑ Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft. Studien zu Pythagoras, Philolaos und Platon, NĂŒrnberg 1962, S. 251f.
cite-note-9292. ↑ Heraklit, Fragmente DK 22 B 36, B 77, B 117, B 118.
cite-note-9393. ↑ Heraklit, Fragment DK 22 B 45. Siehe auch David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 125–138 zu Heraklits SeelenverstĂ€ndnis.
cite-note-9494. ↑ Die Seelenlehre Demokrits ĂŒberliefert Aristoteles, De anima 403b31–404a16, 405a7–13, 406b15–22 und De respiratione 471b30–472a17. Siehe dazu David B. Claus: Toward the Soul. An Inquiry into the Meaning of ÏˆÏ…Ï‡Îź before Plato, New Haven 1981, S. 142–148; Georg Rechenauer: Demokrits Seelenmodell und die Prinzipien der atomistischen Physik. In: Dorothea Frede, Burkhard Reis (Hrsg.): Body and Soul in Ancient Philosophy, Berlin 2009, S. 111–142, hier: S. 118–124 und 132–138.
cite-note-9595. ↑ Diese Rede ist allerdings kein authentisches historisches Dokument, sondern ein von Platon literarisch gestaltetes Werk mit historischem Kern; siehe Michael Erler: Platon (= Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/2), Basel 2007, S. 99–103.
cite-note-9696. ↑ Platon, Phaidon 64a–65a, 67b–68b. Die berĂŒhmte Charakterisierung des Körpers als Grab der Seele findet sich im Gorgias 493a und im Kratylos 400c; siehe dazu Pierre Courcelle: Grab der Seele. In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum, Band 12, Stuttgart 1983, Sp. 455–467; vgl. Phaidros 250c; zur verwandten Metapher „GefĂ€ngnis der Seele“ siehe Pierre Courcelle: GefĂ€ngnis (der Seele). In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum Band 9, Stuttgart 1976, Sp. 294–318.
cite-note-9797. ↑ Platon, Phaidon 79e–80b.
cite-note-9898. ↑ Platon, Phaidon 107d–114c; Gorgias 523a–527b; Politeia 614b–621b. Siehe ferner Phaidros 248a–249c, 256a–e; Phaidon 69c, 81a–82e; Timaios 42a–e, 90e–92c.
cite-note-9999. ↑ Platon, Phaidon 70d–72d; siehe dazu Peter M. Steiner: Psyche bei Platon, Göttingen 1992, S. 58–60.
cite-note-100100. ↑ Platon, Phaidon 78b–81a.
cite-note-101101. ↑ Platon, Phaidon 72e–77a und Menon 80d–86b; siehe dazu Peter M. Steiner: Psyche bei Platon, Göttingen 1992, S. 60–62.
cite-note-102102. ↑ Platon, Phaidon 102a–106d.
cite-note-103103. ↑ Platon, Phaidros 245c–246a. Siehe dazu Thomas A. SzlezĂĄk: „Seele“ bei Platon. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 65–86, hier: 69–71.
cite-note-104104. ↑ Platon, Politeia 608d–611a.
cite-note-105105. ↑ Platon, Politeia 434d–441c.
cite-note-106106. ↑ Platon, Phaidros 246a–247c, 253c–254e.
cite-note-107107. ↑ Platon, Phaidon 65a–67b, 82b–84b; Politeia 521c–535a.
cite-note-108108. ↑ Michael Frede: Seelenlehre. In: Der Neue Pauly, Band 11, Stuttgart 2001, Sp. 325–328, hier: Sp. 326.
cite-note-109109. ↑ Platon, Timaios 69c–70a.
cite-note-110110. ↑ Zu Platons Auffassung von der Beschaffenheit, den Bestandteilen und dem nachtodlichen Schicksal der Seele siehe Michael Erler: Platon (= Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/2), Basel 2007, S. 375–390, besonders S. 383. Vgl. die einschlĂ€gigen BeitrĂ€ge in Maurizio Migliori (Hrsg.): Inner Life and Soul. Psychē in Plato, Sankt Augustin 2011.
cite-note-111111. ↑ Platon, Timaios 30a–b, 34b–37c.
cite-note-112112. ↑ Thomas A. SzlezĂĄk: „Seele“ bei Platon. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 65–86, hier: S. 74 f. (mit Diskussion Ă€lterer Literatur).
cite-note-113113. ↑ Zum Motiv der geflĂŒgelten und fliegenden oder flatternden Seele siehe Richard Seaford: The Fluttering Soul. In: Ueli Dill, Christine Walde (Hrsg.): Antike Mythen. Medien, Transformationen und Konstruktionen, Berlin 2009, S. 406–414.
cite-note-114114. ↑ Eine Untersuchung und Gesamtdarstellung von Aristoteles’ Seelenlehre bietet Thomas K. Johansen: The Powers of Aristotle's Soul, Oxford 2012.
cite-note-115115. ↑ Aristoteles, De anima 412a27–412b6. William Charlton: Aristotle’s Definition of Soul. In: Michael Durrant (Hrsg.): Aristotle’s De Anima in focus, London 1993, S. 197–216, hier: S. 197 f. und 202, plĂ€diert fĂŒr eine andere Übersetzung: nicht „erste Entelechie“, sondern „Entelechie im erstgenannten Sinn“ (im Sinn von „Wissen“ und nicht im Sinn der aktuellen AusĂŒbung eines Wissens beim Überlegen). „Organisch“ (organikĂłn) wird meist verstanden als „mit Organen ausgestattet“; Abraham P. Bos: Die Aristotelische Lehre der Seele: Widerrede gegen die moderne Entwicklungshypothese. In: Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte, WĂŒrzburg 2005, S. 87–99, hier: 92f. tritt jedoch – dem sonstigen Sprachgebrauch des Aristoteles folgend – fĂŒr die Übersetzung „als Instrument dienend“ ein.
cite-note-116116. ↑ Aristoteles, De anima 413a4.
cite-note-117117. ↑ Aristoteles, De anima I 5, 411b6–9.
cite-note-118118. ↑ Siehe hierzu Hubertus Busche: Die Seele als System. Aristoteles’ Wissenschaft von der Psyche, Hamburg 2001, S. 13–17, 35.
cite-note-119119. ↑ Aristoteles, De generatione animalium 736b27f.
cite-note-120120. ↑ Aristoteles, De anima I 1, 403a30–403b1.
cite-note-121121. ↑ Aristoteles, De anima I 1, 403a3ff.; II 3, 414a29ff. Zu den Funktionen der Sinnenseele bei Mensch und Tier siehe Richard Sorabji: Intentionality and Physiological Processes: Aristotle's Theory of Sense-Perception. In: Martha C. Nussbaum, AmĂ©lie Oksenberg Rorty (Hrsg.): Essays on Aristotle's De Anima, Oxford 1992, S. 195–225, zu den einzelnen Emotionen Christof Rapp: pathos. In: Otfried Höffe (Hrsg.): Aristoteles-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 459), Stuttgart 2005, S. 427–436, hier: 430f.
cite-note-122122. ↑ Hubertus Busche: Die Seele als System. Aristoteles’ Wissenschaft von der Psyche, Hamburg 2001, S. 18–26.
cite-note-123123. ↑ Aristoteles, De anima 430a22–25, 408b18f.
cite-note-124124. ↑ Peter Steinmetz: Die Stoa. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 4/2, Basel 1994, S. 491–716, hier: 538f.
cite-note-125125. ↑ Anthony A. Long: Stoic psychology. In: Keimpe Algra u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Hellenistic Philosophy, Cambridge 1999, S. 560–584, hier: 563f.
cite-note-126126. ↑ Richard Sorabji: Animal Minds and Human Morals, Ithaca 1993, S. 98f.
cite-note-127127. ↑ Erwin Rohde: Psyche, Band 2, 2. Auflage, Freiburg i. Br. 1898 (Nachdruck Darmstadt 1961), S. 316–321.
cite-note-128128. ↑ Anthony A. Long: Stoic psychology. In: Keimpe Algra u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Hellenistic Philosophy, Cambridge 1999, S. 560–584, hier: 565f.
cite-note-129129. ↑ Einzelheiten der stoischen Auseinandersetzung mit der Frage nach dem „animal mind“ erörtert Richard Sorabji: Animal Minds and Human Morals, Ithaca 1993, S. 20–28, 40–44, 51–55, 58–61.
cite-note-130130. ↑ Zu den Seelenvorstellungen in der mittleren und der jĂŒngeren Stoa siehe Erwin Rohde: Psyche, Band 2, 2. Auflage, Freiburg i. Br. 1898 (Nachdruck Darmstadt 1961), S. 322–326 (mittlere Stoa), 326–331 (jĂŒngere Stoa).
cite-note-131131. ↑ Zur epikureischen Seelenlehre siehe Stephen Everson: Epicurean psychology. In: Keimpe Algra u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Hellenistic Philosophy, Cambridge 1999, S. 542–559; Christopher Gill: The Structured Self in Hellenistic and Roman Thought, Oxford 2006, S. 46–66; David Konstan: Some Aspects of Epicurean Psychology, Leiden 1973; Michael Erler: Epikur. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 4/1, Basel 1994, S. 29–202, hier: 146f.
cite-note-132132. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 6/1, Stuttgart 2002, S. 288–291; Band 6/2, Stuttgart 2002, S. 100–103, 358–365.
cite-note-133133. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 6/2, Stuttgart 2002, S. 371–382.
cite-note-134134. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 6/1, Stuttgart 2002, S. 249–251.
cite-note-135135. ↑ Siehe zu diesen Lehren Plotins Clemens Zintzen: Bemerkungen zur neuplatonischen Seelenlehre. In: Gerd JĂŒttemann (Hrsg.): Die Seele. Ihre Geschichte im Abendland, Weinheim 1991, S. 43–58, hier: 45–48 und Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike, Band 6/1, Stuttgart 2002, S. 285–290.
cite-note-136136. ↑ Apuleius, Metamorphosen 4,28–6,24.
cite-note-137137. ↑ Aufsatzsammlungen: Gerhard Binder (Hrsg.): Amor und Psyche, Darmstadt 1968; Maaike Zimmerman u. a. (Hrsg.): Aspects of Apuleius' Golden Ass, Band 2: Cupid and Psyche, Groningen 1998.
cite-note-138138. ↑ Odyssee 24,6–9.
cite-note-139139. ↑ Otto Waser: Psyche. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): AusfĂŒhrliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Band 3/2, Hildesheim 1965 (Nachdruck), Sp. 3201–3256, hier: 3213–3256; NoĂ«lle Icard-Gianolio: Psyche. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae, Band 7/1, ZĂŒrich 1994, S. 569–585.
cite-note-140140. ↑ Luc Brisson: Notes sur la Vita Plotini: 2.27. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin, Band 2, Paris 1992, S. 203 f.; Otto Waser: Psyche. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): AusfĂŒhrliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Band 3/2, Hildesheim 1965 (Nachdruck), Sp. 3201–3256, hier: 3221f.
cite-note-141141. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 2,9.
cite-note-142142. ↑ Heraklit, Fragment DK 22 B 67a; zur Echtheit siehe Serge N. Mouraviev: Heraclitea, Band III.3.B/iii, Sankt Augustin 2006, S. 78.
cite-note-143143. ↑ Aristoteles, Historia animalium 514a18f.
cite-note-144144. ↑ Julius Rocca: Galen on the brain, Leiden 2003, S. 30f.
cite-note-145145. ↑ Manfred Wenzel: Seelensitz. In: Werner E. Gerabek u. a.: EnzyklopĂ€die Medizingeschichte, Berlin/New York 2005, S. 1316 f., hier: 1316.
cite-note-146146. ↑ Julius Rocca: Galen on the brain, Leiden 2003, S. 34–38.
cite-note-147147. ↑ Julius Rocca: Galen on the brain, Leiden 2003, S. 246.
cite-note-148148. ↑ Nemesios von Emesa, De natura hominis 6; 12; 13.
cite-note-149149. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 738–740.
cite-note-150150. ↑ Genesis 2,7.
cite-note-151151. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 738f.; Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 26–37.
cite-note-152152. ↑ Genesis 35,18.
cite-note-153153. ↑ Belege bei Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 738 und Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 37–40.
cite-note-154154. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 738f.; vgl. Heinz-Horst Schrey: Leib/Leiblichkeit. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 20, Berlin 1990, S. 638–643, hier: 638f. und die ausfĂŒhrliche Darstellung von Horst Seebass: ڠڀک. In: Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Band 5, Stuttgart 1986, Sp. 531–555, hier: 538–552.
cite-note-155155. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 739; Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 41–46.
cite-note-156156. ↑ Am 6,8 .
cite-note-157157. ↑ Belege bei Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 47; siehe auch S. 29 Anm. 6.
cite-note-158158. ↑ Deuteronomium 12,23; Leviticus 17,11 und 17,14; Genesis 9,4f.
cite-note-159159. ↑ Die einschlĂ€gige Stelle ist Numeri 6,6. Siehe dazu Diethelm Michel: nĂŠpĂŠĆĄ als Leichnam? In: Zeitschrift fĂŒr Althebraistik 7, 1994, S. 81–84.
cite-note-160160. ↑ Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 25f.
cite-note-161161. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 740.
cite-note-162162. ↑ Zusammenstellung und Erörterung der Belege bei Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 57–67.
cite-note-163163. ↑ Karin Schöpflin: Seele. II. Altes Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 737–740, hier: 739; Hans Walter Wolff: Anthropologie des Alten Testaments, 7. Auflage, GĂŒtersloh 2002, S. 68–95.
cite-note-164164. ↑ George W. E. Nickelsburg: Resurrection, Immortality, and Eternal Life in Intertestamental Judaism, Cambridge 1972, S. 23, 123f., 165–180.
cite-note-165165. ↑ Dan 7,10 und 12,1–3 .
cite-note-166166. ↑ Flavius Josephus, De bello Iudaico 2,154–165 und Antiquitates Iudaicae 18,14–18.
cite-note-167167. ↑ Siehe zu Philons Seelenlehre John Dillon: Philo of Alexandria and Platonist Psychology. In: Maha Elkaisy-Friemuth, John Dillon (Hrsg.): The Afterlife of the Platonic Soul, Leiden 2009, S. 17–24.
cite-note-168168. ↑ GĂŒnter Stemberger: Seele. III. Judentum. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 740–744, hier: 740–742; Eduard Lohse: ÏˆÏ…Ï‡Îź im palĂ€stinischen Judentum. In: Gerhard Friedrich (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 9, Stuttgart 1973, S. 633–635.
cite-note-169169. ↑ GĂŒnter Stemberger: Seele. III. Judentum. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 740–744, hier: 742.
cite-note-170170. ↑ GĂŒnter Stemberger: Seele. III. Judentum. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 740–744, hier: 742f.
cite-note-171171. ↑ Zur Diskussion im 12. Jahrhundert siehe Sarah Stroumsa: Twelfth Century Concepts of Soul and Body: The Maimonidean Controversy in Baghdad. In: Albert I. Baumgarten u. a. (Hrsg.): Self, Soul and Body in Religious Experience, Leiden 1998, S. 313–334.
cite-note-172172. ↑ Johann Maier: Geschichte der jĂŒdischen Religion, Berlin 1972, S. 331f., 394.
cite-note-173173. ↑ GĂŒnter Stemberger: Seele. III. Judentum. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 740–744, hier: 743f.; Boaz Huss: Seelenwanderung. II. Judentum. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 31, Berlin 2000, S. 4–6.
cite-note-174174. ↑ Siehe dazu Theo A.W. van der Louw: Transformations in the Septuagint, Leuven 2007, S. 111f.
cite-note-175175. ↑ Gerhard Dautzenberg: Seele. IV. Neues Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 744–748, hier: 744–746.
cite-note-176176. ↑ Gerhard Dautzenberg: Seele. IV. Neues Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 744–748, hier: 747. Vgl. zu diesem VerstĂ€ndnis der psyche Eduard Schweizer: ÏˆÏ…Ï‡Îź. D. Neues Testament. In: Gerhard Friedrich (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 9, Stuttgart 1973, S. 635–657.
cite-note-177177. ↑ Jean Zumstein: Seele. III. Christentum. 1. Neues Testament. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Band 7, TĂŒbingen 2004, Sp. 1100f.
cite-note-178178. ↑ Gerhard Dautzenberg: Seele. IV. Neues Testament. In: Theologische RealenzyklopĂ€die, Band 30, Berlin 1999, S. 744–748, hier: 745.
cite-note-179179. ↑ Gerhard Dautzenberg: Seele (naefaeĆĄ – psyche) im biblischen Denken sowie das VerhĂ€ltnis von Unsterblichkeit und Auferstehung. In: Klaus Kremer (Hrsg.): Seele. Ihre Wirklichkeit, ihr VerhĂ€ltnis zum Leib und zur menschlichen Person, Leiden 1984, S. 186–203, hier: 198. Vgl. Eduard Schweizer: ÏˆÏ…Ï‡Îź. D. Neues Testament. In: Gerhard Friedrich (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 9, Stuttgart 1973, S. 635–657, hier: 653.
cite-note-180180. ↑ Siehe dazu Heinz-JĂŒrgen Vogels: Christi Abstieg ins Totenreich und das LĂ€uterungsgericht an den Toten, Freiburg 1976, S. 15–44, 86–97, 101–120; Reinhard Feldmeier: Der erste Brief des Petrus, Leipzig 2005, S. 135–137; Leonhard Goppelt: Theologie des Neuen Testaments, Teil 1, Göttingen 1975, S. 507f.
cite-note-181181. ↑ Siehe dazu Norbert Brox: Der erste Petrusbrief, 3. Auflage, ZĂŒrich 1989, S. 196–199; Heinz-JĂŒrgen Vogels: Christi Abstieg ins Totenreich und das LĂ€uterungsgericht an den Toten, Freiburg 1976, S. 142–169.
cite-note-182182. ↑ George H. van Kooten: St Paul on Soul, Spirit and the Inner Man. In: Maha Elkaisy-Friemuth, John Dillon (Hrsg.): The Afterlife of the Platonic Soul, Leiden 2009, S. 25–44.
cite-note-183183. ↑ Die einschlĂ€gige Passage aus Justins Dialog mit dem Juden Tryphon steht in deutscher Übersetzung bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 10–12.
cite-note-184184. ↑ Martin Elze: Tatian und seine Theologie, Göttingen 1960, S. 88–99; Bernhard Geyer: Die patristische und scholastische Philosophie, 13. Auflage, Basel 1958, S. 22f.
cite-note-185185. ↑ Zur strittigen Frage der Echtheit siehe Miroslav Markovich (Hrsg.): Athenagorae qui fertur De resurrectione mortuorum, Leiden 2000, S. 1–3.
cite-note-186186. ↑ (Pseudo-)Athenagoras von Athen, Über die Auferstehung der Toten 15, hrsg. von Bernard Pouderon: AthĂ©nagore: Supplique au sujet des chrĂ©tiens et Sur la rĂ©surrection des morts, Paris 1992, S. 211–317, hier: 272–277.
cite-note-187187. ↑ IrenĂ€us von Lyon, Adversus haereses 2, 19 und 2, 34. Vgl. Dietmar Wyrwa: SeelenverstĂ€ndnis bei IrenĂ€us von Lyon. In: Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt, Stuttgart 1998, S. 301–334, hier: 311f.
cite-note-188188. ↑ Bernhard Geyer: Die patristische und scholastische Philosophie, 13. Auflage, Basel 1958, S. 43.
cite-note-189189. ↑ Dietmar Wyrwa: SeelenverstĂ€ndnis bei IrenĂ€us von Lyon. In: Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt, Stuttgart 1998, S. 301–334, hier: 313f.; die Argumentation des IrenĂ€us steht in deutscher Übersetzung bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 49–51.
cite-note-190190. ↑ Dietmar Wyrwa: SeelenverstĂ€ndnis bei IrenĂ€us von Lyon. In: Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt, Stuttgart 1998, S. 301–334, hier: 332f.; Anders-Christian Lund Jacobsen: The Constitution of Man according to Irenaeus and Origen. In: Barbara Feichtinger (Hrsg.): Körper und Seele. Aspekte spĂ€tantiker Anthropologie, MĂŒnchen 2006, S. 67–94, hier: 67–78.
cite-note-191191. ↑ Einige Argumente Tertullians fĂŒr seine Seelenauffassung sind in deutscher Übersetzung zusammengestellt bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 102–126. Siehe dazu Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 41–43, 46–49, 102f.
cite-note-192192. ↑ Tertullian, De anima 19f.; 27; 36; 40f.; vgl. Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 43f., 47f., 52, 59–67.
cite-note-193193. ↑ Clemens von Alexandria, Stromateis 6,52 (Übersetzung der Stelle bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 190); siehe dazu Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 93f. und Ulrich Schneider: Theologie als christliche Philosophie. Zur Bedeutung der biblischen Botschaft im Denken des Clemens von Alexandria, Berlin 1999, S. 194f.
cite-note-194194. ↑ Die einschlĂ€gigen Texte des Clemens stehen in deutscher Übersetzung bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 188, 193; siehe dazu Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 94–99, 111.
cite-note-195195. ↑ Clemens von Alexandria, Stromateis 6,45,4 und 6,47,3.
cite-note-196196. ↑ Origenes, De principiis 1,1,7.
cite-note-197197. ↑ Origenes, De principiis 3,4.
cite-note-198198. ↑ Laktanz, De opificio dei 19; siehe dazu Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 143–147.
cite-note-199199. ↑ Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 242.
cite-note-200200. ↑ John M. Rist: Augustine. Ancient thought baptized, Cambridge 1994, S. 317–320; Heinrich Karpp: Probleme altchristlicher Anthropologie, GĂŒtersloh 1950, S. 243–246.
cite-note-201201. ↑ Wolfgang Kersting: „Noli foras ire, in te ipsum redi“. Augustinus ĂŒber die Seele. In: Gerd JĂŒttemann (Hrsg.): Die Seele. Ihre Geschichte im Abendland, Weinheim 1991, S. 59–74, hier: 64–67.
cite-note-202202. ↑ Die Stelle ist 1 Thess 5,23. Siehe dazu Bernhard Geyer: Die patristische und scholastische Philosophie, 13. Auflage, Basel 1958, S. 90.
cite-note-203203. ↑ EinschlĂ€gige Passagen aus dem Werk des Nemesios sind zusammengestellt bei Albert Warkotsch: Antike Philosophie im Urteil der KirchenvĂ€ter, MĂŒnchen 1973, S. 487–498.
cite-note-204204. ↑ Edouard Jeauneau (Hrsg.): Iohannis Scotti seu Eriugenae periphyseon, Band 4, Turnhout 2000, S. 57.
cite-note-205205. ↑ Siehe zu Eriugenas Seelenlehre Catherine Kavanagh: The Nature of the Soul According to Eriugena. In: Maha Elkaisy-Friemuth, John Dillon (Hrsg.): The Afterlife of the Platonic Soul, Leiden 2009, S. 77–92.
cite-note-206206. ↑ Ludwig Ott: Die platonische Weltseele in der Theologie der FrĂŒhscholastik. In: Kurt Flasch (Hrsg.): Parusia, Frankfurt am Main 1965, S. 307–331.
cite-note-207207. ↑ Richard Heinzmann: Die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes, MĂŒnster 1965, S. 78–82, 114–117.
cite-note-208208. ↑ Richard Heinzmann: Die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes, MĂŒnster 1965, S. 22ff.
cite-note-209209. ↑ Richard Heinzmann: Die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes, MĂŒnster 1965, S. 246.
cite-note-210210. ↑ Theodor W. Köhler: Homo animal nobilissimum. Konturen des spezifisch Menschlichen in der naturphilosophischen Aristoteleskommentierung des 13. Jahrhunderts, Leiden 2008, S. 39–51.
cite-note-211211. ↑ Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 474–484.
cite-note-212212. ↑ Belege bei Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 476–482.
cite-note-213213. ↑ Bernhard Geyer: Die patristische und scholastische Philosophie, 13. Auflage, Basel 1958, S. 389f., 514.
cite-note-214214. ↑ Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 534–558.
cite-note-215215. ↑ Aristoteles, De anima III 8, 431b20ff.
cite-note-216216. ↑ Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 518–520, 558–569.
cite-note-217217. ↑ Theodor W. Köhler: Grundlagen des philosophisch-anthropologischen Diskurses im dreizehnten Jahrhundert, Leiden 2000, S. 598–622.
cite-note-218218. ↑ Burkhard Mojsisch: Meister Eckhart. Analogie, UnivozitĂ€t und Einheit, Hamburg 1983, S. 130–143.
cite-note-219219. ↑ Theodor W. Köhler: Homo animal nobilissimum. Konturen des spezifisch Menschlichen in der naturphilosophischen Aristoteleskommentierung des 13. Jahrhunderts, Leiden 2008, S. 170–181, 238–271, 354–384, 419–443.
cite-note-220220. ↑ Heinrich Denzinger, Peter HĂŒnermann: Enchiridion symbolorum, 43. Auflage, Freiburg 2010, S. 449f. (Nr. 1440 und 1441). Siehe dazu Olivier de La Brosse u. a.: Lateran V und Trient (1. Teil), Mainz 1978, S. 95–100.
cite-note-221221. ↑ Vgl. auch William Henry Hay II (Übers.): On the Immortality of the Soul. In: Ernst Cassirer, Paul Oskar Kristeller, John Hermann Randall jr. (Hrsg.): The Renaissance Philosophy of Man. Chicago / London 1948.
cite-note-222222. ↑ Heinrich Denzinger, Peter HĂŒnermann: Enchiridion symbolorum, 43. Auflage, Freiburg 2010, S. 1022 (Nr. 3896).
cite-note-223223. ↑ Katechismus der Katholischen Kirche. Kompendium, MĂŒnchen 2005, S. 49.
cite-note-224224. ↑ Friedrich Beißer: Hoffnung und Vollendung (= Handbuch Systematischer Theologie, Band 15), GĂŒtersloh 1993, S. 64–66.
cite-note-225225. ↑ Zu Luthers Auffassung siehe Albrecht Peters: Der Mensch (= Handbuch Systematischer Theologie, Band 8), GĂŒtersloh 1979, S. 24f.
cite-note-226226. ↑ Siehe zu Calvins Seelenlehre Herman J. Selderhuis: Calvin Handbuch, TĂŒbingen 2008, S. 283f.; Jung-Uck Hwang: Der junge Calvin und seine Psychopannychia, Frankfurt am Main 1991, S. 193–284.
cite-note-227227. ↑ Johann Baptist Metz: Seele. III. Systematisch. In: Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 9, Freiburg 1964, Sp. 570–573, hier: 571.
cite-note-228228. ↑ Heino Sonnemans: Unsterblichkeit III. Systematisch-theologisch. In: Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 10, Sp. 434f.
cite-note-229229. ↑ Albert Dihle, Karl-Wolfgang Tröger: ÏˆÏ…Ï‡Îź. E. Gnosis. In: Gerhard Friedrich (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Band 9, Stuttgart 1973, S. 657–661.
cite-note-230230. ↑ Edwin E. Calverley: Nafs. In: Encyclopaedia of Islam, Band 7, Leiden 1993, S. 880–884, hier: 880. Siehe auch Michael E. Marmura: Soul: Islamic Concepts. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 12, Detroit 2005, S. 8566–8571, hier: 8566f.
cite-note-231231. ↑ Sure 39, Vers 42.
cite-note-232232. ↑ Sure 17, Vers 85.
cite-note-233233. ↑ Timothy J. Gianotti: Al-Ghazālī's Unspeakable Doctrine of the Soul, Leiden 2001, S. 1–6.
cite-note-234234. ↑ Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie, MĂŒnchen 1994, S. 194; Shams C. Inati: The Soul in Islamic Philosophy. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy, Band 9, London 1998, S. 40–44.
cite-note-235235. ↑ Lenn E. Goodman: al-Rāzī. In: Encyclopaedia of Islam, Band 8, Leiden 1995, S. 474–477, hier: 476f.
cite-note-236236. ↑ Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie, MĂŒnchen 1994, S. 193.
cite-note-237237. ↑ Zu dieser Seelenlehre siehe die Untersuchung von Timothy J. Gianotti: Al-Ghazālī's Unspeakable Doctrine of the Soul, Leiden 2001 (Zusammenfassung der Ergebnisse S. 168–176).
cite-note-238238. ↑ Edwin E. Calverley: Nafs. In: Encyclopaedia of Islam, Band 7, Leiden 1993, S. 880–884, hier: 881f.; Michael E. Marmura: Soul: Islamic Concepts. In: Lindsay Jones (Hrsg.): Encyclopedia of Religion, 2. Auflage, Band 12, Detroit 2005, S. 8566–8571, hier: 8567.
cite-note-239239. ↑ Siehe zur Seelenlehre ar-Razis Maha Elkaisy-Friemuth: Tradition and Innovation in the Psychology of Fakhr al-Dīn al-Rāzī. In: Maha Elkaisy-Friemuth, John Dillon (Hrsg.): The Afterlife of the Platonic Soul, Leiden 2009, S. 121–139.
cite-note-240240. ↑ Edwin E. Calverley: Nafs. In: Encyclopaedia of Islam, Band 7, Leiden 1993, S. 880–884, hier: 881f.
cite-note-241241. ↑ Tilman Nagel: Geschichte der islamischen Theologie, MĂŒnchen 1994, S. 178f.; Edwin E. Calverley: Nafs. In: Encyclopaedia of Islam, Band 7, Leiden 1993, S. 880–884, hier: 882.
cite-note-242242. ↑ Richard Gramlich: Weltverzicht. Grundlagen und Weisen islamischer Askese, Wiesbaden 1997, S. 152–217.
cite-note-243243. ↑ Jan N. Bremmer: Die Karriere der Seele. In: Bernd Janowski (Hrsg.): Der ganze Mensch. Zur Anthropologie der Antike und ihrer europĂ€ischen Nachgeschichte, Berlin 2012, S. 173–198, hier: 191–194; Wouter J. Hanegraaff: New Age Religion and Western Culture, Leiden 1996, S. 210–219.
cite-note-244244. ↑ Eine Übersichtsdarstellung bietet Kurt Hutten: Seher, GrĂŒbler, Enthusiasten, 15. Auflage, Stuttgart 1997, S. 560–687; speziell zu den Seelenlehren S. 568, 592f., 598–601, 635f.
cite-note-245245. ↑ Helena Petrowna Blavatsky: Isis entschleiert, Band 2, Hannover 2000, S. 325.
cite-note-246246. ↑ Helena Petrowna Blavatsky: Isis entschleiert, Band 2, Hannover 2000, S. 115f.
cite-note-247247. ↑ Rudolf Steiner: Spirituelle Psychologie, 3. Auflage, Stuttgart 2004, S. 34.
cite-note-248248. ↑ Elf einschlĂ€gige VortrĂ€ge Steiners sind zusammengefasst in dem Sammelband Rudolf Steiner: Spirituelle Psychologie, 3. Auflage, Stuttgart 2004. Siehe auch Rudolf Steiner: Theosophie, 32. Auflage, Dornach 2005, S. 23–52, 76–100.
cite-note-249249. ↑ Zum spiritistischen SeelenverstĂ€ndnis siehe Gerhard Adler: Zur Reinkarnationsidee. In: Andreas Resch (Hrsg.): Fortleben nach dem Tode, Innsbruck 1987, S. 357–393, hier: 378–382.
cite-note-250250. ↑ Gerda Lier: Das Unsterblichkeitsproblem, Teil 2, Göttingen 2010, S. 983–1157; Werner Schiebeler: Das Fortleben nach dem Tode im Hinblick auf Naturwissenschaft und Parapsychologie. In: Andreas Resch (Hrsg.): Fortleben nach dem Tode, Innsbruck 1987, S. 533–592, hier: 586–592.
cite-note-251251. ↑ Hubert Knoblauch, Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): TodesnĂ€he. Wissenschaftliche ZugĂ€nge zu einem außergewöhnlichen PhĂ€nomen, Konstanz 1999, S. 38, 47, 97, 239.
cite-note-252252. ↑ Eine historische Übersicht bieten Richard Stanley Peters und Cecil Alec Mace: Psychology. In: Encyclopedia of Philosophy, 2. Auflage, Band 8, Detroit 2006, S. 117–150 sowie Paul Thagard: Psychology (Addendum) im selben Band S. 150–157.
cite-note-253253. ↑ Zu Descartes’ Seelenkonzept siehe Michel Henry: The Soul According to Descartes. In: Stephen Voss (Hrsg.): Essays on the Philosophy and Science of RenĂ© Descartes, Oxford 1993, S. 40–51.
cite-note-254254. ↑ Saul A. Kripke: Naming and Necessity, Oxford 1981.
cite-note-255255. ↑ RenĂ© Descartes: Meditationes de prima philosophia (1641); dazu einfĂŒhrend Ansgar Beckermann: Analytische EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes, 2. Auflage, Berlin 2001, S. 29–32.
cite-note-256256. ↑ RenĂ© Descartes: Discours de la mĂ©thode 5,10–12, hrsg. von Charles Adam und Paul Tannery: ƒuvres de Descartes, Band 6, Paris 1956, S. 56–60; dazu einfĂŒhrend Ansgar Beckermann: Analytische EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes, 2. Auflage, Berlin 2001, S. 32–37.
cite-note-257257. ↑ Louise D. Derksen: Anne Conway’s Critique of Cartesian Dualism.
cite-note-258258. ↑ Herbert Breger: Die Seele bei Leibniz. In: Peter Nickl, Georgios Terizakis (Hrsg.): Die Seele: Metapher oder Wirklichkeit?, Bielefeld 2010, S. 169–186, hier: 169–174.
cite-note-259259. ↑ Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft A 341–405, B 399–432. Vgl. Otfried Höffe: Kants Kritik der reinen Vernunft, 4. Auflage, MĂŒnchen 2004, S. 221–238 und die zusammenfassende Darstellung von Kants Position bei Ulrich Barth: Selbstbewusstsein und Seele. In: Zeitschrift fĂŒr Theologie und Kirche 101, 2004, S. 198–217, hier: 200–203.
cite-note-260260. ↑ Stefan HeßbrĂŒggen-Walter: Seele. In: Marcus Willaschek u. a. (Hrsg.): Kant-Lexikon, Band 3, Berlin/Boston 2015, S. 2047–2051, hier: 2050.
cite-note-261261. ↑ Tobias Rosefeldt: Unsterblichkeit. In: Marcus Willaschek u. a. (Hrsg.): Kant-Lexikon, Band 3, Berlin/Boston 2015, S. 2408–2410.
cite-note-262262. ↑ Manfred Wenzel: Seelenorgan. In: Werner E. Gerabek u. a.: EnzyklopĂ€die Medizingeschichte, Berlin/New York 2005, S. 1315 f., hier: 1315.
cite-note-263263. ↑ Martin Kemp: „Il concetto dell'anima“ in Leonardo's Early Skull Studies. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 34, 1971, S. 115–134, hier: 127–134.
cite-note-264264. ↑ Siehe dazu Stephen Voss: Simplicity and the Seat of the Soul. In: Stephen Voss: Essays on the Philosophy and Science of RenĂ© Descartes, Oxford 1993, S. 128–141; Steven J. Wagner: Descartes on the Parts of the Soul. In: Philosophy and Phenomenological Research 45, 1984, S. 51–70; Peter Remnant: Descartes: Body and Soul. In: Canadian Journal of Philosophy 9, 1979, S. 377–386.
cite-note-265265. ↑ Albrecht von Haller: AnfangsgrĂŒnde der Physiologie des menschlichen Körpers, Band 4: Das Gehirn, Berlin 1768.
cite-note-266266. ↑ Eine InhaltsĂŒbersicht bietet die Einleitung des Herausgebers Manfred Wenzel in: Samuel Thomas Soemmerring: Werke, hrsg. von Jost Benedum, Werner Friedrich KĂŒmmel, Band 9, Basel 1999, S. 55–57.
cite-note-267267. ↑ Samuel Thomas von Soemmerring: Über das Organ der Seele, Königsberg 1796, S. 38.
cite-note-268268. ↑ Immanuel Kant: Werke in sechs BĂ€nden, hrsg. von Wilhelm Weischedel, Band 6, Darmstadt 1964, S. 259.
cite-note-269269. ↑ Christian Gottfried Ehrenberg: Beobachtung einer bisher unbekannten auffallenden Structur des Seelenorgans bei Menschen und Thieren. In: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aus dem Jahre 1834 (Vortrag in der Akademie am 24. Oktober 1833, gedruckt 1836), S. 665–721; Jan Evangelista Purkyně: Ueber die Struktur des Seelenorgans (1836/1837). In: Opera omnia (SebranĂ© spisy). Hrsg. von der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften, Band 2, Prag 1937, S. 87 f.
cite-note-270270. ↑ Über die letzte Phase der BemĂŒhungen um die Bestimmung von Sitz und Organ der Seele informiert zusammenfassend Irmgard MĂŒller: Seelensitz. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 9, Basel 1995, Sp. 105–110, hier: 107f.
cite-note-271271. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 387 und 389.
cite-note-272272. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 389.
cite-note-273273. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 390.
cite-note-274274. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 401.
cite-note-275275. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 403.
cite-note-276276. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 410.
cite-note-277277. ↑ Hegel: EnzyklopĂ€die § 412.
cite-note-278278. ↑ Thomas Brown: Lectures on the philosophy of the human mind, Andover 1822 (Faksimileausgabe).
cite-note-279279. ↑ Siehe zum Psychologismus allgemein Nicola Abbagnano: Psychologism. In: Encyclopedia of Philosophy, 2. Auflage, Band 8, Detroit 2006, S. 114–116.
cite-note-280280. ↑ Hartmut Sommer: Unsterbliche Seele – Antworten der Philosophie. Kevelaer 2016.
cite-note-281281. ↑ Patricia Churchland: Neurophilosophy: Toward a Unified Science of the Mind-Brain, Cambridge (Massachusetts) 1986.
cite-note-282282. ↑ Richard Rorty: Philosophy and the Mirror of Nature, Princeton 1981.
cite-note-283283. ↑ Ullin Place: Is Consciousness a Brain Process? In: British Journal of Psychology 47, 1956, S. 44–50 und John Smart: Sensations and Brain Processes. In: Philosophical Review 68, 1959, S. 141–156.
cite-note-284284. ↑ Hilary Putnam: Psychological Predicates. In: William H. Capitan (Hrsg.): Art, Mind and Religion, Pittsburgh 1967, S. 37–48.
cite-note-285285. ↑ Daniel Dennett: Real Patterns. In: The Journal of Philosophy 88, 1991, S. 27–51; Daniel Dennett: The intentional stance, Cambridge (Massachusetts) 1998.
cite-note-286286. ↑ Daniel Dennett: Philosophie des menschlichen Bewusstseins, Hamburg 1994, S. 288.
cite-note-287287. ↑ Ansgar Beckermann: Die reduktive ErklĂ€rbarkeit phĂ€nomenalen Bewusstseins – C. D. Broad zur ErklĂ€rungslĂŒcke. In: Michael Pauen, Achim Stephan (Hrsg.): PhĂ€nomenales Bewusstsein. RĂŒckkehr zur IdentitĂ€tstheorie?, Paderborn 2002, S. 122–147.
cite-note-288288. ↑ David Chalmers: The Conscious Mind, Oxford 1996.
cite-note-289289. ↑ John DuprĂ©: The Disorder of Things, Cambridge (Massachusetts) 1993.
cite-note-290290. ↑ Hilary Putnam: The Threefold Cord: Mind, Body, and World, New York 2000.
cite-note-291291. ↑ Eine Bibliographie zu dieser Debatte gibt David Chalmers: Arguments from Disembodiment.
cite-note-292292. ↑ Richard Swinburne: Personal Identity: The Dualist Theory. In: Sydney Shoemaker, Richard Swinburne: Personal Identity, Oxford 1984, S. 1–66; Richard Swinburne: The Evolution of the Soul, 2. Auflage, Oxford 1997.
cite-note-293293. ↑ Niko Strobach, Ludger Jansen: Die UnzulĂ€nglichkeit von Richard Swinburnes Versuch, die Existenz einer Seele modallogisch zu beweisen. In: Zeitschrift fĂŒr philosophische Forschung 53, 1999, S. 268–277, hier 268f.; Ansgar Beckermann: Analytische EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes, 2. Auflage, Berlin 2001, S. 37–42 erklĂ€rt und erörtert die tatsĂ€chliche, formelle Argumentation Swinburnes.
cite-note-294294. ↑ William D. Hart: The Engines of the Soul, Cambridge 1988.
cite-note-295295. ↑ John A. Foster: The immaterial self. A defence of the Cartesian dualist conception of the mind, London 1991.
cite-note-296296. ↑ So Gary Rosenkrantz in einer Rezension der Arbeit von Foster in: Philosophy and Phenomenological Research 54/2, 1994, S. 489–491. Rosenkrantz selbst schlĂ€gt vor, eine Seele als ortlose Substanz zu charakterisieren, welche fĂ€hig zu Selbstbewusstsein ist.
cite-note-297297. ↑ Gilbert Ryle: The Concept of Mind, London 1949.
cite-note-298298. ↑ Richard Swinburne: The Evolution of the Soul, 2. Auflage, Oxford 1997, S. 262–297.
cite-note-299299. ↑ Ludwig Wittgenstein: Tractatus 5.5421.
cite-note-300300. ↑ Roderick M. Chisholm: On the Simplicity of the Soul. In: James E. Tomberlin (Hrsg.): Philosophical Perspectives, Band 5: Philosophy of Religion, Atascadero 1991, S. 167–181.
cite-note-301301. ↑ Lynne Rudder Baker: Persons and the metaphysics of resurrection (PDF; 132 kB). In: Religious Studies 43, 2007, S. 333–348.
cite-note-302302. ↑ Georg Simmel: Philosophie des Geldes, 6. Auflage, Berlin 1958, S. 527.
cite-note-303303. ↑ Helmuth Plessner: Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus (= Gesammelte Schriften 5), Frankfurt am Main 2003, S. 103.
cite-note-304304. ↑ Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes, MĂŒnchen 1980, Kapitel V, Abschnitt I, S. 382.
cite-note-305305. ↑ Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes, MĂŒnchen 1980, Kapitel III, Abschnitt I, S. 212.
cite-note-306306. ↑ Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Band 12, Hamburg 2002, S. 182.
cite-note-307307. ↑ Ernst Cassirer: Gesammelte Werke, Band 12, Hamburg 2002, S. 181–204.
cite-note-308308. ↑ Ludwig Klages: Der Geist als Widersacher der Seele, 4. Auflage, MĂŒnchen und Bonn 1960, S. 70–72, 445f., 730, 967, 1357–1359, 1412.
cite-note-309309. ↑ Sigmund Freud: Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung. In: Gesammelte Werke, Bd. 10, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1969, S. 43–113, hier: 93.
cite-note-310310. ↑ Sigmund Freud: Das Unbewußte. In: Zeitschrift fĂŒr Psychoanalyse, 1915, Band III.
cite-note-311311. ↑ Sigmund Freud: Abriss der Psychoanalyse. In: Gesammelte Werke, Bd. 17, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1972, S. 63–138, hier: 67–69.
cite-note-312312. ↑ Sigmund Freud: Ergebnisse, Ideen, Probleme. In: Gesammelte Werke, Bd. 17, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1972, S. 149–152, hier: 152.
cite-note-313313. ↑ Sigmund Freud: Das Interesse an der Psychoanalyse. In: Gesammelte Werke, Bd. 8, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1969, S. 389–420, hier: 405f.
cite-note-314314. ↑ Sigmund Freud: Abriss der Psychoanalyse. In: Gesammelte Werke, Bd. 17, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1972, S. 63–138, hier: 69.
cite-note-315315. ↑ Carl Gustav Jung: Psychologische Typen (= Gesammelte Werke, Band 6), 10., revidierte Auflage, ZĂŒrich 1967, S. 503–510, hier: 503.
cite-note-316316. ↑ Carl Gustav Jung: Psychologische Typen (= Gesammelte Werke, Band 6), 10., revidierte Auflage, ZĂŒrich 1967, S. 503–510, hier: 507.
cite-note-317317. ↑ Carl Gustav Jung: Psychologische Typen (= Gesammelte Werke, Band 6), 10., revidierte Auflage, ZĂŒrich 1967, S. 503–510, hier: 508–510.